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Französischer Bischof sieht vor Papstbesuch neuen Katholizismus

24.09.2026 12:29
Frankreich/Papst/Glaube/Gesellschaft/Jugendliche/Papstbesuch
Bischof von Nanterre, Rogué: Kirchenzugehörigkeit geht zwar zurück, aber persönliches Engagement der Gläubigen steigt - Neben Spaltungstendenzen auch "Fähigkeit zur Gemeinschaft" - Generalvikar der Diözese Saint-Denis, Koutandji: "Tiefes Bedürfnis nach Innerlichkeit" bei Frankreichs Jugend
Paris, 24.09.2026 (KAP/KNA) In Frankreich gibt es neben einem zurückgehenden "soziologischen Katholizismus" auch einen neu entstehenden "Katholizismus des persönlichen Engagements": Das hat der Bischof der französischen Diözese Nanterre, Matthieu Rougé, in einem am Donnerstag in der Wochenzeitung "Tagespost" veröffentlichten Interview im Vorfeld des Besuches von Papst Leo XIV. in Frankreich dargelegt. "Es ist zugleich heikel und spannend, an der Schnittstelle dieser beiden Phänomene zu leben", sagte der französische Geistliche laut KNA.

Die neue Form umfasse sowohl klassische, gut ausgebildete Gläubige eher traditioneller Ausrichtung als auch Getaufte, die sich engagiert für die Armen oder eine ganzheitliche Ökologie einsetzten. Wie in der insgesamt stark polarisierten Gesellschaft gebe es innerhalb des französischen Katholizismus Spannungen. "Mir scheint jedoch, dass unsere Fähigkeit zur Gemeinschaft stärker ist als die Tendenzen zur Spaltung."

Vorankommen durch Verständnis

Er glaube, dass ein differenzierteres, wohlwollendes Verständnis der Vielfalt aller Gläubigen ein gemeinsames Vorankommen ermöglichen könne. So werde die Integration vieler Gläubiger afrikanisch-karibischer Herkunft in der Kirche gut umgesetzt. "Diese gelebte Brüderlichkeit ist ein beredtes Zeichen dafür, dass Brüderlichkeit auch für unsere gesamte besorgte und gespaltene säkulare Gesellschaft möglich ist", so der Bischof.

Rougé betonte, die Kirche müsse "evangelischen Mut und Kreativität beweisen". Über alle Spaltungen hinweg brauche es einen tiefen Geist der Gemeinschaft als Voraussetzung für missionarische Fruchtbarkeit. In einer Gesellschaft, die zunehmend ihre Orientierung verliere, sei die Suche nach Sinn besonders bei jungen Erwachsenen sehr ausgeprägt: Angesichts eines harten Lebens, das von Migration, Gewalt und Einsamkeit geprägt sei, eröffne die Begegnung mit dem gestorbenen und auferstandenen Christus ihnen "Wege des Lichts, des Trostes, des Friedens und der Brüderlichkeit". Dieser Trend sei Gnade und Verantwortung zugleich.

Papstbesuch richtet Blick auf junge Generation

Wie diese Entwicklung bei jungen Menschen konkret aussieht, beschrieb Janvier Koutandji, Generalvikar der Diözese Saint-Denis im Pariser Zentralraum, vor der für Freitagabend geplanten Begegnung mit dem Papst im Stade de France. Zu der Gebetswache werden 80.000 junge Leute im Alter von 17 bis 35 Jahren aus ganz Frankreich erwartet. Unter ihnen seien langjährige Gläubige ebenso wie Taufbewerber, Neugetaufte und Menschen, die sich zunächst aus Interesse an der Veranstaltung beteiligten, sagte Koutandji dem katholischen Online-Medium "Aleteia".

Bei Gesprächen mit Jugendlichen seiner Pfarre habe er "ein tiefes Bedürfnis nach Innerlichkeit" wahrgenommen. Die jungen Menschen beschäftigten sich mit der Frage nach dem Sinn ihres Lebens und seien zugleich angesichts der gegenwärtigen Lage verunsichert. "Die Jugendlichen brauchen ein anderes Wort als das, was sie täglich über Gewalt, Krieg oder die Herausforderungen hören, mit denen wir heute konfrontiert sind", so der dem Steylerorden zugehörige Generalvikar.

Koutandji verwies zudem auf eine steigende Zahl von Tauf- und Sakramentenanfragen in Frankreich. Er beobachte seit einigen Jahren "zahlreiche Anzeichen", darunter mehr Anfragen nach Taufen und anderen Sakramenten sowie eine Rückkehr zu den christlichen Wurzeln. Die Begegnung mit dem Papst könne für die Jugendlichen eine Gelegenheit sein, diese Fragen gemeinsam mit anderen zu erleben. "Die Jugendlichen haben Durst nach dieser Begegnung mit der Kirche", sagte Koutandji. Sie könnten dabei erfahren, "dass sie mit ihrem Glauben nicht allein sind".

Papstbesuch begeistert Frankreich

Laut Bischof Rouge besteht im laizistischen Frankreich die größte Herausforderung des Papstbesuchs nicht etwa darin, eine ausreichend große Zahl von Gläubigen zu mobilisieren. "Die Begeisterung, die der Papstbesuch auslöst, ist beträchtlich, sowohl bei den Katholiken als auch bei vielen Menschen, die der Kirche fernstehen", schilderte der Geistliche. Die größte Herausforderung bestehe darin, eine sehr große Zahl von Gläubigen und Neugierigen unter guten Bedingungen zu empfangen.

Wichtig sei, dass der Besuch des Papstes Früchte trage, "dass das Wort des Papstes in seinem ganzen Reichtum und seiner ganzen anspruchsvollen Tiefe wirklich aufgenommen wird - und dass viele dank dieses schönen Ereignisses auf dem Weg des Glaubens und der Nächstenliebe vorankommen", so Rougé weiter. "Der Besuch wird nicht nur dann ein Erfolg sein, wenn alles wie geplant verläuft, sondern auch und vor allem, wenn das Unvorhergesehene Gottes tief in den Herzen der Menschen wirkt."

(Themenpaket mit zahlreichen Meldungen und Hintergrundberichten zur Papstreise nach Frankreich abrufbar unter www.kathpress.at/Papst-Leo-in-Frankreich)
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