Gespräche über Lage in Ungarn und internationale Konflikte
Vatikanstadt, 24.09.2026 (KAP) Papst Leo XIV. hat am Donnerstag den ungarischen Ministerpräsidenten Péter Magyar in Privataudienz empfangen. Für den seit Mai regierenden Magyar war es das erste Treffen mit dem Kirchenoberhaupt. Magyars Amtsvorgänger Viktor Orbán hatte Leo XIV. noch im Oktober 2025 im Vatikan empfangen.
Wie der Vatikan mitteilte, traf der EU-freundliche Magyar anschließend mit dem Außenbeauftragten des Papstes, Erzbischof Paul Richard Gallagher, zusammen. Dabei sei auch die Zufriedenheit über den Beitrag der katholischen Kirche zum Wohle des Landes zum Ausdruck gebracht worden.
Weiteres Thema sei die sozioökonomische Lage in Ungarn gewesen; zudem sprach man über den Bildungsbereich und über den Schutz der am stärksten gefährdeten christlichen Gemeinschaften weltweit. Es folgte ein Austausch über die Konfliktsituationen in der Ukraine und im Nahen Osten. Betont worden sei dabei der Wunsch nach einem stärkeren Engagement der internationalen Gemeinschaft für Frieden.
In den Vatikan begleitet wurde Magyar vom für gesellschaftliche Beziehungen und Kultur zuständigen Minister Zoltán Tarr und dem mit dem Kontakt zu den Kirchen beauftragten stellvertretender Staatssekretär István Czeti. Auf Vatikan-Seite war Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin war bei den Gesprächen am Donnerstag im nicht anwesend, da er sich derzeit zur UN-Vollversammlung in New York aufhält.
Papst Leos Vorgänger Franziskus (2013-2025) hatte unter dem EU-kritischen Orbán gute Beziehungen zu Ungarn gepflegt und das Land in den Jahren 2021 und 2023 besucht. Dabei lobte er vor allem die aktive Familienpolitik der Regierung, die mit finanziellen Vorteilen für Eltern die Geburtenrate zu fördern versuchte. Zudem hatte Orbán Kirchenrenovierungen und kirchliche Schulen großzügig mit staatlichen Mitteln unterstützt.
Magyar, Chef der konservativen Partei Respekt und Freiheit (TISZA), hat ein neues Kirchengesetz angekündigt, das die Beziehungen zwischen Staat und Religionsgemeinschaften neu regeln soll. Staatliche Unterstützung solle aufrechterhalten werden, aber künftig strengen, transparenten Kriterien folgen, betonten TISZA-Vertreter in den vergangenen Monaten.
Messe in vatikanischen Grotten
Seinen Vatikan-Aufenthalt hatte Magyar mit einem Besuch im Petersdom begonnen, wo er unter anderem am Grab von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) innehielt und an einem Gottesdienst in der ungarischen Nationalkapelle in den Vatikanischen Grotten teilnahm. Papst Leo überreichte der Ministerpräsident als Geschenk unter anderem eine Erstausgabe der in den 1970er Jahren in den USA erschienene englischen Übersetzung der Memoiren des früheren ungarischen Primas Kardinal Jozsef Mindszenty (1892-1975).
In Ungarn bezeichneten sich bei der Volkszählung 2022 rund 30 Prozent der 9,6 Millionen Einwohner als katholisch, auf dem zweiten Platz folgten die Reformierten (Calvinisten) mit 9,8 Prozent der Bevölkerung. Zu beachten ist, dass mehr als 40 Prozent der beim Zensus Befragten die Möglichkeit nutzten, die Frage zur Religionszugehörigkeit gar nicht zu beantworten, sich also auch nicht als "konfessionslos" deklarierten. Das Vatikan-Jahrbuch gab die Zahl der Katholikinnen und Katholiken in Ungarn zuletzt mit 5,59 Millionen an.