Ökumenischer Gottesdienst "in interreligiöser Gastfreundschaft" in der Wiener Franziskanerkirche brachte Christen, Buddhisten, Muslime und Bahá'í zusammen - Lebens- und Glaubenszeugnis des hl. Franziskus als gemeinsame Klammer für gelebte Schöpfungsverantwortung
Wien, 25.09.2026 (KAP) Unter dem Motto "Ehrfurcht vor allem Lebendigen" versammelten sich am Donnerstagabend in der Wiener Franziskanerkirche Angehörige unterschiedlichster Kirchen und Religionsgemeinschaften, um gemeinsam einen ökumenischen Gottesdienst "in interreligiöser Gastfreundschaft" zu feiern. Der Gottesdienst stand ganz im Zeichen des 800. Jahrestags des Todes des hl. Franz von Assisi. Texte von und über den Heiligen wurden von Kirchen- und Religionsvertretern aufgegriffen und aus der jeweils eigenen Tradition interpretiert.
Mit dabei waren u.a. der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler, der Wiener evangelische Superintendent Matthias Geist und Hirte Walter Hessler von der Neuapostolischen Kirche sowie P. Josef Hofbauer für die Wiener Franziskaner und Sr. Jana Roschitz von der franziskanischen Gemeinschaft der Schwestern der Schmerzhaften Mutter. Dazu kamen Vertreterinnen und Vertreter des Islam, des Buddhismus und der Baha'i.
Der hl. Franziskus inspiriere dazu, mit Ehrfurcht, Dankbarkeit und Staunen die Schöpfung zu sehen. Aus diesem Staunen heraus können Verantwortung entstehen und aus Verantwortung heraus sei Veränderung möglich, sagte Superintendent Geist in seinem Impuls.
Ähnlich äußerte sich auch Margit Plank für die Religionsgemeinschaft der Baha'i . Von Franziskus abschauen könne man sich die Gabe des Hinschauens voll Liebe, Demut und Dankbarkeit auf die Wunder der Schöpfung. Die gegenwärtige ökologische und soziale Krise sei eine Krise der Herzen, so Plank. Und sie zeigte sich überzeugt: "Jede und jeder kann etwas zum Wandel beitragen. Veränderung ist möglich. Das Vertrauen darauf - auch das können wir von Franziskus lernen."
Die Achtung vor allem Lebendigen verbindet die Religionen, hob auch Irem Devici von der Gemeinschaft Junger Muslim hervor. Franziskus lade zu einer Änderung des Blickwinkels auf die Natur und die Mitmenschen ein. Die Natur sei nicht bloß eine Ressource, sondern durch sie könne man Gott, den Schöpfer, erkennen. Diese Sicht finde sich auch im Koran.
"Wir müssen nicht alle das gleiche glauben", sagte Thomas Fiedler von der Buddha's Light International Association, "aber lasst uns über alle Religionsgrenzen hinweg achtsam leben, den Weg des Friedens gehen und dem Lebendigen dienen". Was Franziskus und den Buddhismus verbinde, sei etwa die Haltung der Ehrfurcht vor allem Leben und die Freude am Wohlergehen anderer, so Fiedler.
Franziskus habe durch seine intensive Verbindung mit Gott und den Mitmenschen die Angst ablegen können, zu kurz zu kommen, so Hirte Hessler: "Wer sich von Gott geliebt weiß, muss nicht ständig um Anerkennung kämpfen. Er findet wahres Glück und wahre Freude darin, Versöhnung und Frieden zu stiften - auch im Blick auf kommende Generationen."
"Gebet für die Erde"
Auch Papst Franziskus bzw. seine Umwelt- und Sozialenzyklika "Laudato si" und sein "Gebet für die Erde" spielten im Gottesdienst eine wichtige Rolle. Die koreanische buddhistische Künstlerin Sung Min Kim hatte zudem ein Bild mit Anleihen an das christliche Motiv der Pieta (schmerzhafte Muttergottes) angefertigt, das der fast völligen Ausrottung der indigenen Einwohner Nordamerikas und der Bisons gewidmet war und stellvertretend für alles Leben stand, das im Namen der "Zivilisation" bereits ausgerottet wurde. Als Zeichen der Trauer und des Gedenkens stellten die Gottesdienstbesucher Lichter vor der Kunstinstallation ab.
Gesammelt wurde beim Gottesdienst für eine Projekt für Kleinbauern in Brasilien. Das Institut für angepasste Landwirtschaft und Kleintierzucht (IRPAA) unterstützt auf vielfältige Weise kleinbäuerliche Betriebe bei der Umsetzung einer nachhaltigen, den Umweltbedingungen angepassten Wirtschaftsform. Vorgestellt wurde zudem das Erasmus+-Projekt "Religion4Ecology" der KPH Wien/Niederösterreich zum Thema "Wasser".
Veranstalter des Gottesdienstes waren die Religions for Future Vienna, Fridays for Future Austria, das Umweltbüro der Erzdiözese Wien, die Österreichische Ordenskonferenz und der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) in Kooperation mit dem Erasmus+-Projekt "Religion4Ecology" der KPH Wien/Niederösterreich.