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Priestertage in Graz
Bild Copyright: © Sonntagsblatt/Gerd Neuhold

Tagung: Unersetzbare Aufgabe der Priester in Kirche und Gesellschaft

25.09.2026 14:49
Österreich/Kirche/Priester/Tagung
Theologen Hillebrand und Körner machten den Geistlichen der Diözese Graz-Seckau bei steirischen Priestertagen Mut für ihren priesterlichen Dienst - Überforderungen, Verlusterfahrungen oder auch Glaubenszweifel ernst nehmen
Graz, 25.09.2026 (KAP) Die Aufgaben der Priester in Kirche und Gesellschaft werden auch in Zukunft unersetzbar bleiben, auch wenn Kirche und Gesellschaft einem Wandel unterzogen sind. Davon hat sich der deutsche Theologe Prof. Bernd Hillebrand bei den diesjährigen steirischen Priestertagen im südsteirischen Seggauberg überzeugt gezeigt. Er hielt bei der Tagung den Hauptvortrag, wie die Diözese Graz-Seckau auf ihrer Website berichtete.

Hillebrand sprach demnach von einer "liquid modernity", einer flüssigen modernen Gesellschaft, in der sich vieles schnell verändere und die Eindeutigkeit verloren gehe. Das führe zu Verlusterfahrungen und stehe konträr zum Wunsch nach Halt und Stabilität. Die Folge sei "Überforderung", so der Pastoraltheologe. Solche Verlusterfahrungen gelte es aufzuarbeiten, um sich nicht in eine Blase zurückzuziehen. Ebenso wichtig sei der Fokus auf das viele Gute in der Gesellschaft.

Verlusterfahrungen ortete Hillebrand auch in der Kirche: Es gebe weniger Katholikinnen und Katholiken, weniger Einfluss, weniger Glaube und göttliche Autorität, weniger Relevanz. Dabei brauche die Gesellschaft jedoch die Kirche, "als sozialen Ort im echten Leben".

Die Rolle der Priester sah der Theologe, der selbst Priester ist, ebenso verändert: vom Sakramentenspender vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) hin zum Seelsorger für die Menschen. Weil an die Priester hohe Erwartungen gestellt würden - als Pfarrer, Leiter eines Seelsorgeraumes, als Manager und als Seelsorger - sei die Burn-out-Gefahr hoch. Deshalb sei die Selbstfürsorge wichtig durch Urlaube und Auszeiten, denn nur aus einer starken Position heraus könne man einen guten Dienst für die Menschen leisten, so Hillebrand.

Hillebrand zeigte sich überzeugt, dass es ohne Kirche und Priester nicht geht. Beide stünden für das Heil aller, für ein gutes Leben für alle Menschen: "Obwohl die Kirche eine Option unter vielen ist, kann die Gesellschaft ohne Kirche nicht sein."

Für die Zukunft meinte der Pastoraltheologe, die Kirche müsse wieder mehr auf ihre guten Geschichten setzen, auf die Traditionen und auf zentrale Botschaften: Etwa, dass Sinnlosigkeit und Schmerz nicht das Ende sind, oder, dass Solidarität und Zusammenhalt das Leid leichter ertragen lassen. Die Kirche solle mit den Menschen Rituale feiern, Beziehung anbieten - speziell für die Jugend - und nicht zuletzt Räume schaffen für Spiritualität, Kunst und vor allem für den Heiligen Geist.

Hinweis auf den lebendigen Christus

Zum Abschluss der Priestertage berichtete der emeritierte Dogmatikprofessor und Priester Bernd Körner über seinen Erfahrungen und Gedanken. "Der Priester ist ein Mann Gottes, der den Menschen am Weg zu Gott hilft", so seine Priester-Definition. Seine Aufgabe sei es, "dass das Volk Gottes eine Einheit wird".

Körner sprach auch über Glaubenskrisen und gebrauchte den Begriff "Gottesfinsternis": "Das Gottesdunkel kann die Christen befallen und zu einer Gesellschaft führen, die ohne Gott auszukommen meint", sagte der Theologe. Dann würden Menschen aus der Kirche austreten, "weil Gott für sie tot ist". Vielleicht seien sie sogar traurig darüber. "Wir dürfen diese Menschen nicht aus den Augen verlieren", appellierte Körner. Gleichzeitig ortete er, dass auch Priester nicht vor der Gottesfinsternis gefeit seien. Wenn es Zweifel und Unsicherheit gebe, müsse man dem nachgehen, am besten mit geistlicher Begleitung. Dies sei durchaus normal, meint der Dogmatiker auf Johannes vom Kreuz oder Therese von Lisieux verweisend, die beide ebenfalls eine schwere "Gottesfinsternis" durchlebt hatten.
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