KAÖ nach Jahreskonferenz in Seggauberg: Kompetenzen der Dokumentationsstelle Politischer Islam auf religiös motivierte antidemokratische Agitation insgesamt ausweiten - Auch Bischöfe Glettler und Krautwaschl nahmen an Studienteil mit Theologin Rettenbacher teil
Wien/Graz, 27.09.2026 (KAP) Angesichts des wachsenden Einflusses der "christlichen Rechten" und neointegralistischer Netzwerke auf die Politik fordert die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) die Einrichtung einer Dokumentationsstelle für religiös motivierte antidemokratische Agitation. Konkret könnte dies durch eine Ausweitung der Kompetenzen der bestehenden Dokumentationsstelle Politischer Islam geschehen, um das Phänomen, das neben islamistischen auch "fundamentalistisch-christliche Krise" betreffe, wissenschaftlich zu erforschen, heißt es in einer Aussendung der KAÖ am Sonntag.
Die Aussendung fasste die Ergebnisse der Jahreskonferenz der KAÖ am 25./26. September in Seggauberg zusammen. Im Rahmen dieser Konferenz hatten sich die Laienvertreter u.a. gemeinsam mit der Theologin Sigrid Rettenbacher intensiv mit den Herausforderungen durch die "christliche Rechte" und den Neointegralismus befasst. Auch die Bischöfe Hermann Glettler (Innsbruck) und Wilhelm Krautwaschl (Graz) hatten an der Konferenz teilgenommen. Demokratiefeindlichkeit könne nie christlich begründet werden. Wachsamkeit sei nicht nur staatlicherseits, sondern auch innerhalb der Katholischen Kirchen angesagt, so die KAÖ.
Man sei in Sorge über den wachsenden Einfluss entsprechender christlich-fundamentalistischer Gruppierungen, "die ohne jegliche wissenschaftlich-theologische Grundlage für sich in Anspruch nehmen, über den 'wahren christlichen Glauben' zu verfügen und die vorgeben, diesen zu verteidigen". Man dürfe sich nicht von der eigentlichen politischen Intention täuschen lassen - nämlich die Aushöhlung der liberalen Demokratie und die Errichtung eines autoritären Staates. Letztlich gleiche das integralistische Bestreben damit jenem des islamischen Fundamentalismus.
Dagegen gelte es, die Weichenstellungen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) für die Kirche und Theologie zu verteidigen: die Hinwendung zur Welt und zu den Lebensrealitäten der Menschen sowie die Abkehr eines "integralistischen Antimodernismus" und die Anerkennung von Demokratie, Menschenrechten und anderer religiöser Traditionen. "Wenn wir den Gedanken der Inkarnation ernst nehmen, dass Gott Mensch geworden ist, dann kann auch Kirche nicht jenseits von Gesellschaft und ihrer konkreten Bedingungen gedacht werden", betonte Rettenbacher in ihrem Referat auf der KAÖ-Konferenz.
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