Wiener Diözesankommission Weltkirche warnt vor Folgen des Endes staatlich geförderter Fachkräfteeinsätze - Auch horizont3000 muss Personal abbauen
Wien, 28.09.2026 (KAP) Das Aus für das staatlich geförderte Programm der personellen Entwicklungszusammenarbeit trifft nach Einschätzung der Entwicklungsorganisation horizont3000 kirchliche Träger besonders stark. Die laufenden und neuen Beratungseinsätze von Fachkräften - die früher "Entwicklungshelfer" genannt wurden - sollen bis Ende 2026 auslaufen. Ab 2027 sind laut horizont3000 für zwei Jahre keine neuen Einsätze vorgesehen. Das entsprechende Programm der Austrian Development Agency (ADA) endet offiziell mit 31. Dezember 2026.
Nach Angaben von horizont3000-Geschäftsführer Erwin Eder seien die Organisation und ihre Träger von den Einsparungen doppelt so stark betroffen wie andere Akteure der Entwicklungszusammenarbeit. horizont3000 müsse mehr als ein Drittel des Personals abbauen, das Landesbüro in Mosambik schließen und das Büro in Zentralamerika deutlich reduzieren, heißt es in einer Aussendung der Diözesankommission für Weltkirche und Entwicklungszusammenarbeit der Erzdiözese Wien vom Montag.
"Irritierend ist, dass das Programm nicht gekürzt, sondern nun gleich ganz eingestellt wird, ohne dass eine Evaluierung des Instruments der personellen EZA durchgeführt worden ist", kritisierte Eder. Mit dem Ende der Fachkräfteeinsätze gehe "ein über die Jahrzehnte erworbener Erfahrungsschatz" verloren.
Das Programm ermöglicht die Entsendung von Fachkräften zu Partnerorganisationen im Globalen Süden. Dabei handelt es sich mittlerweile nicht nur um Einsätze von Europa in Länder des Globalen Südens, sondern auch um Süd-Süd-Entsendungen. Zuletzt habe es zudem Überlegungen gegeben, das Programm in Richtung Friedensdienst zu erweitern. Dieser Austausch soll laut Aussendung künftig komplett wegfallen.
Einschnitt für Wiener Diözesanpartnerschaften
Auch die Erzdiözese Wien ist betroffen. Sie gehört über ihre Diözesankommission zu den Trägerorganisationen von horizont3000 und konnte über die Zusammenarbeit jahrzehntelang Fachkräfte in Partnerländer wie Ecuador, Kenia, Kolumbien, Moldau und St. Kitts entsenden. Die letzten staatlich geförderten Einsätze in der Partnerdiözese Lodwar in Kenia enden laut Aussendung Ende Oktober: Das Ehepaar Günter und Gillian Woltron war vier Jahre lang als horizont3000-Fachkraft im Auftrag der Erzdiözese Wien für dortige diözesane Sozialunternehmen bzw. im Bereich Personalentwicklung tätig.
"Für uns ist die Tatsache, dass wir keine Fachkräfte mehr aus unserer Diözese entsenden können, besonders bitter", sagte Christian Zettl, Weltkirche-Beauftragter der Erzdiözese und Vorsitzender der Diözesankommission. Die Fachkräfte hätten "als eine der Säulen unserer Diözesanpartnerschaften eine tragende Rolle" gespielt.
"Partnerschaft baut auf einem dialogischen Prozess auf, welcher auf Kontinuität und Kommunikation angewiesen ist", so Zettl. Weltkirchliche Zusammenarbeit sei "keine Einbahnstraße". Ein längerfristiger Lernprozess mit den Partnerdiözesen brauche persönliche Beziehungen vor Ort, wie sie durch die Fachkräfteeinsätze ermöglicht worden seien.
Internationale Entwicklungshilfe unter Druck
Die Kommission verweist zugleich auf einen internationalen Rückgang der Entwicklungshilfe. Nach Angaben der OECD sanken die öffentlichen Entwicklungshilfeleistungen der Mitgliedsländer des DAC - dem Ausschuss für Entwicklungszusammenarbeit - 2025 real um 23 Prozent, was der stärkste Rückgang seit Beginn der Aufzeichnungen sei. Besonders ins Gewicht fällt dabei die USA als bislang größter bilaterale Geber, die nach nach dem Regierungswechsel Anfang 2025 rund 83 Prozent ihrer USAID-Programme eingestellt hat, worduch eine Lücke in der Finanzierung von etwa 60 Milliarden US-Dollar entstand.
Auch Österreich steht unter Spardruck und hat seine Beiträge seit 2024 um rund ein Viertel reduziert, ausgehend von einem ohnedies sehr niedrigen Niveau. Der Anteil der öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit (Official Development Assistance, ODA) am Bruttonationaleinkommen lag zuletzt bei lediglich 0,33 Prozent und dürfte laut Prognosen des Finanzministeriums bis 2028 auf rund 0,25 Prozent sinken. Das vom Nationalrat beschlossene Doppelbudget 2027/28 sieht für die Entwicklungszusammenarbeit zwar geringfügig mehr Mittel vor, zugleich laufen einzelne Förderprogramme aus.
Auch im kirchlichen Bereich sind laut Aussendung die Mittel für "Weltkirche und Entwicklungshilfe" rückläufig. Habe die Katholische Kirche in Österreich dafür 2019 noch 1,7 Prozent der diözesanen Gesamtbudgets aufgewendet, seien die Mittel bis 2025 kontinuierlich auf 1,2 Prozent bzw. rund 9,3 Millionen Euro gesunken. Die Erzdiözese Wien widmete laut dem vor wenigen Tagen veröffentlichten Rechenschaftsbericht für 2025 rund 1,1 Millionen Euro oder 0,7 Prozent ihrer Mittel für Entwicklungszusammenarbeit - alles weit unter dem selbstgesetzten Ziel der Kirche in Österreich von 2 Prozent.
Langfristiger Bumerang-Effekt
Eder verweist auf die wachsenden Herausforderungen durch Hunger, Konflikte und Klimakrisen. "Wenn Gesundheits-, Bildungs- und Ernährungsprogramme auf Grund von Kürzungen wegbrechen, steigen Armut, politische Instabilität und die Wahrscheinlichkeit von Konflikten", so der horizont3000-Geschäftsführer. Entwicklungszusammenarbeit gelte seit langem als Instrument zur Stabilisierung fragiler Staaten. Kürzungen könnten daher auch für Europa langfristig Folgen haben.