Fest-Symposion "Paradoxe Beziehungen?" beleuchtet Phänomene individueller Spiritualität und politisierter Religion- Salzburger Erzbischof Lackner in Grußwort: Interreligiöses Spannungsfeld als Bereicherung für eigene Tradition entdecken - Dekan Winkler: Expertise stärker in öffentliche Debatten einbringen
Salzburg, 28.09.2026 (KAP) Mit einem zweitägigen Symposion feiert die Universität Salzburg derzeit das 20-jährige Bestehen des "Zentrums Theologie Interkulturell und Studium der Religionen" (ZTKR). Das Symposion "Paradoxe Beziehungen? Individuelle Spiritualität und politisierte Religion" wurde am Montagvormittag in Salzburg eröffnet. Neben Fachvorträgen aus theologischer und religionswissenschaftlicher Sicht bot das Symposion Rückblicke auf den Gründungsimpuls und einen Ausblick auf künftige Weichenstellungen.
Seit 2006 bündelt das Zentrum Forschung und Lehre zum Zusammenhang von Kultur, Religion und Identität. Es geht dabei von der Prämisse aus, dass jede theologische Reflexion unter Bedingungen kultureller Diversität und religiöser Pluralität erfolgt, betonte ZTKR-Leiter Martin Rötting zur Eröffnung. Die Aktualität der Forschungen des Zentrums sei ungebrochen, hielt Rötting weiters fest. So erlebe man aktuell "in der Öffentlichkeit und Politik einen verstärkten Zugriff auf Religion und religiöse Ideen" und eine gleichzeitig wachsende Vielfalt individueller Spiritualitätsformen. In diesem Sinne würden die beiden Säulen des Zentrums - die interkulturelle Theologie und die Religionswissenschaften - heute nach wie vor von hoher Relevanz sein.
Lackner: Interreligiöses Spannungsfeld als Bereicherung verstehen
An den theologisch nicht zuletzt vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) und der Erklärung "Nostra aetate" eröffneten Dialog mit anderen Kulturen und Religionen erinnerte in einem Grußwort der Salzburger Erzbischof Franz Lackner. Dieser Dialog beschreibe nicht selten ein "interreligiöses Spannungsfeld" - dass es jedoch nicht nur auszuhalten, sondern als Bereicherung für die eigene Tradition zu entdecken gelte. "In der Begegnung mit Kirche jenseits unserer regionalen Kultur einerseits und anderen Glaubenssystemen andererseits liegt die Chance, echtes Verständnis und Verstehen zu lernen und zugleich das eigene Bekenntnis zu präzisieren und zu festigen", so Lackner in dem von Prof. Rötting verlesenen Grußwort.
Auf die Aktualität des Gründungsauftrags des Zentrums verwies auch der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät, Prof. Dietmar Winkler. Religion spiele in der öffentlichen wie in der politischen Debatte eine "verstärkt sichtbare Rolle". Sie begegne ebenso in regionalen Konflikten ebenso wie in "den Weltbildern von Techno-Utopisten im Silicon Valley". Entsprechend brauche es Expertise und Denkräume, um diesen Herausforderungen zu begegnen, erklärte Winkler. Das ZTKR komme dieser Aufgabe bereits in seiner wissenschaftlichen Arbeit und Lehre nach und bilde dazu tragfähige transkontinentale Netzwerke nach Afrika und Asien. Künftig brauche es aber einen verstärkten Fokus auf zeitgemäßen Formen der Wissenschaftskommunikation und der Teilhabe an gesellschaftlichen Debatten, skizzierte Winkler einen Fahrplan für die kommenden Jahre.
Zentrale Rolle des früheren Dogmatikers Ulrich Winkler
Auch Universitäts-Rektor Bernhard Fügenschuh gratulierte dem Zentrum zum Jubiläum und ermutigte die Teilnehmenden des Symposions dazu, Zukunftsvisionen zu entwickeln, um "aus dem Verfügbaren noch mehr zu machen" und Expertise in gesellschaftliche Diskurse einzuspeisen. "Viele Menschen sind Suchende; in einer Zeit, die immer dystopischer erscheint, suchen sie Halt und Leitplanken." Hier sei es die Aufgabe auch der Universität und des ZTKR, auf dieses Bedürfnis zu antworten.
Einen historischen Aufriss der Geschichte des Zentrums von seiner Gründung 2006 bis in die Gegenwart bot der Stellvertretende ZTKR-Leiter, Prof. Franz Gmainer-Pranzl. Er erinnerte insbesondere an die Rolle des 2021 verstorbenen Salzburger Dogmatikers und Gründers des Zentrums, Ulrich Winkler. Dieser habe damals "die religiöse und kulturelle Pluralisierung als Zeichen der Zeit erkannt" - und mit der Gründung des Zentrums auf diese Zeichen reagiert", so Gmainer-Pranzl. Der damals von Winkler formulierte dreifache Auftrag, "die Zumutung des religiös Fremden theologisch zu erschließen", die Relevanz der Interkulturalität für das eigene Fach aufzuzeigen und dabei nicht nur einen beschreibenden, sondern einen "problemorientierten Fokus" zu wählen, bestehe weiterhin.
Winkler ist zugleich ein Buch gewidmet, das im Rahmen der Tagung präsentiert bzw. angekündigt wurde: Es wird unter dem Titel "Theologie Interkulturell und Studium der Religionen - ein Salzburger Programm" Anfang 2027 in der Reihe "Salzburger Theologische Studien" (Band 76) erscheinen und die "Ulrich-Winkler-Lectures" dokumentieren, die zwischen 2021 und 2024 an der Universität Salzburg gehalten wurden.
Höhepunkt ist "Live-Podcast"
Neben Vorträgen und Panels zu religionswissenschaftlichen und religionstheologischen Spezialthemen bietet die international besetzte Tagung auch eine öffentliche Abendveranstaltung am Montag in Form eines "Live-Podcasts" an. Dabei wird der Salzburger Theologe Prof. Martin Dürnberger ein Podiumsgespräch mit drei Expertinnen und Experten aus den Bereichen Wissenschaft, Medien und Bildung über die Frage der Relevanz religiöser Themen in interkultureller Perspektive debattieren.
Das Podiumsgespräch, an dem neben Dürnberger die Heidelberger Religionswissenschaftlerin Alena Höfer, die Beauftragte der Evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern für Hörfunk und Fernsehen beim BR, Melitta Müller-Hansen, sowie ZTKR-Leiter Prof. Martin Rötting teilnehmen werden, wird in Kürze als eigene Folge im Podcast der Theologischen Fakultäten Österreichs, "Diesseits von Eden", online gehen. (Infos zum Zentrum: www.plus.ac.at/ztkr)
StV. Leiter des "Zentrum Theologie Interkulturell und Studium der Religion" bei der Eröffnung der Tagung zu 20 Jahre "Zentrum Theologie Interkulturell und Studium der Religionen" am 28. September 2026
Rektor der Universität Salzburg bei der Eröffnung der Tagung zu 20 Jahre "Zentrum Theologie Interkulturell und Studium der Religionen" am 28. September 2026 an der Uni Salzburg
Religionswissenschaftler bei der Eröffnung der Tagung zu 20 Jahre "Zentrum Theologie Interkulturell und Studium der Religionen" am 28. September 2026 an der Uni Salzburg
Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Uni Salzburg bei der Eröffnung der Tagung zu 20 Jahre "Zentrum Theologie Interkulturell und Studium der Religionen" am 28. September 2026 an der Uni Salzburg
Jubiläumssymposion des "Zentrum Theologie Interkulturell und Studium der Religionen" am 28./29. September an Uni Salzburg unter dem Titel "Paradoxe Beziehungen? Individuelle Spiritualität und politisierte Religion"