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Soziales
Bild Copyright: © Korbgemeinschaft

Wien: Syrien-Hilfswerk "Korbgemeinschaft" besteht seit 10 Jahren

28.09.2026 15:42
Österreich/Syrien/Kirche/Soziales/Jubiläum/Grünwidl/Korbgemeinschaft
Stiftung unter der Patronanz von Erzbischof Grünwidl auf vielfältige Weise in Syrien aktiv - Jubiläumsgottesdienst am 11. Oktober in Wien - "Korbgemeinschaft"-Gründer P. Ghoneim: Dramatische Lage in Syrien
Wien, 28.09.2026 (KAP) Das in Wien ansässige Syrien-Hilfswerk "Korbgemeinschaft" begeht sein 10-Jahr-Jubiläum. Die unter Patronanz von Erzbischof Josef Grünwidl stehende Hilfsorganisation ist auf vielfältige Weise in Syrien aktiv. Beispielsweise wird Flüchtlingen bei der Begleichung von Mieten und Energiekosten geholfen, Bekleidung für Bedürftige organisiert oder ärztliche Versorgung vermittelt. Unter anderem hat die "Korbgemeinschaft" eine Großbäckerei errichtet, in der für bedürftige Menschen Brot hergestellt wird. Zudem wurden einige Sozialmärkte eröffnet, in denen die Menschen Grundnahrungsmittel zu stark verbilligten Prisen kaufen können. Dazu kommen spezielle Projekte zu Weihnachten und Ostern.

Das Jubiläum wird mit einem Gottesdienst am Sonntag, 11. Oktober, um 15 Uhr in der Wiener Rochuskirche (Landstraßer Hauptstraße 54-56, 1030 Wien) gefeiert. Im Anschluss gibt es einen Vortrag über die Aktivitäten der "Korbgemeinschaft", die vom syrischen melkitisch-katholischen Priester Hanna Ghoneim gegründet wurde. Er feiert an diesem 11. Oktober zugleich auch sein 30-jähriges Priesterjubiläum.

Im Interview mit Kathpress und der Pressestelle der Erzdiözese Wien haben P. Ghoneim und Sr. Walburga Starkl über die Aktivitäten der "Korbgemeinschaft" Auskunft gegeben. Man setze dort an, wo die Not unmittelbar spürbar ist. Die "Bäckerei der Gnade" nahe Damaskus versorgt etwa arme Menschen mit gutem, leistbarem Brot und beliefert Altenheime. In Sozialmärkten erhielten bedürftige Familien Lebensmittel und Hygieneartikel, bis zu einer festgelegten Menge auch kostenlos. Schulmaterialien, Ausstattung für Pflegeeinrichtungen und Reparaturen an Schulen ergänzten die Hilfe. Ghoneim: "Wir tun, was die Menschen vor Ort wollen und brauchen und nicht, was wir glauben."

Zunft für junge Christen

Die Hilfe vor Ort wird von jungen Christinnen und Christen in mehreren Städten umgesetzt, berichtete Ghoneim. Sie gehören unterschiedlichen Kirchen an. Es sei nachvollziehbar, so der Priester, dass vor allem die jungen Menschen ihre Zukunft im Ausland suchten. Umso wichtiger sei es, jene zu stärken, die bleiben wollen. Sie bräuchten Arbeit und die Möglichkeit, für ihre Familien zu sorgen.

P. Ghoneim verwehrte sich im Interview auch dagegen, dass die Christen in Syrien als Minderheit bezeichnet werden. Dies werden den Christen eigentlich nicht gerecht, denn sie gehörten zu den ursprünglichen Bewohnern der Region, seien tief im Land verwurzelt und hätten gerade in den Bereichen Bildung, Gesundheitsversorgung und Soziales sehr viel geleistet. Auch heute könnten sie wesentlich zum Zusammenleben beitragen. Freilich: "Die Christen allein in Syrien schaffen das nicht." Sie seien auf die Solidarität ihrer Mitchristen im Ausland angewiesen.

Steigende Preise, Misstrauen, Korruption

In einem aktuellen Rundschreiben hat Ghoneim auf dramatische Entwicklungen in Syrien hingewiesen: Die Energiepreise seien zuletzt sprunghaft um 40 Prozent erhöht worden. Damit seien etwa die Tarife für alle Fahrten über Nacht um 50 Prozent gestiegen. "Zahlreiche Fahrer haben als Zeichen ihres Protests Straßen und Autobahnen durch Reifenbrände gesperrt, weil sie keine Kunden mehr haben. Sehr problematisch war dadurch für viele StudentInnen auch die Fahrt zur Uni. Sie mussten auf ihre Vorlesungen verzichten."

Das Allerschlimmste, so der Priester: "Viele Kaufleute haben ihre Geschäfte geschlossen gehalten, mit der Begründung, dass am nächsten Tag die Waren teurer werden. Nun wird wieder eine galoppierende Inflation erwartet." Die Preiserhöhung kämen in einer Situation, in der die Menschen bereits verzweifelt auf bessere Zeiten hoffen. Das mache bei vielen die Hoffnung zunichte. Die Bevölkerung fühle sich von allen Seiten betrogen.

Die Regierung versuche, so Ghoneim, "über die sozialen Medien ein geschöntes Bild der Situation zu vermitteln und ersucht um Geduld. Doch inzwischen sind die Wut und die Ironie bei vielen Youtubern und Influencern enorm. Das trübt die Zukunft." Das steigende Misstrauen der Bürger gegenüber der Regierung sei deutlich spürbar. Auch die Kaufkraft der im Jänner dieses Jahres eingeführten neuen Banknoten werde immer schwächer.

Ein Hauptgrund sei auch die wachsende Korruption unter den neuen Regierenden. Ghoneim: "Das Luxus-Leben einiger Regierender macht die Ziele der sogenannten 'Revolution' dubios. Diese Korruption hat viele Investoren abgeschreckt, dazu kommt die labile Sicherheitslage und nach wie vor das Fehlen von Gesetzen, einer ordentlichen Gerichtsbarkeit und vieler anderer Dienstleistungen. Kurzum kann man sagen, dass die Lage leider nicht besser wird und die Aussichten bedauerlicherweise nicht so rosig sind, wie erwartet."

Trotzdem wolle er als Geistlicher die Situation mit Hoffnung sehen, so Ghoneim: "Die Notsituation bedeutet für uns mehr Einsatz und noch mehr Engagement für die Armen, die unter den politischen und wirtschaftlichen Missständen massiv leiden."

Freiwillige Helfer gesucht

Gemeinsam mit P. Ghoneim leitet seit vielen Jahren auch Sr. Walburga Starkl die "Korbgemeinschaft". Sie gehört der Schwesterngemeinschaft "Caritas Socialis" CS an. Der Leitspruch der CS - "Die Liebe Christi drängt uns" - passe auch ausgezeichnet auf die Aktivitäten und Grundlagen der "Korbgemeinschaft", so Starkl: Die Not der Menschen wahrnehmen, Unterstützung organisieren und sich für jene einsetzen, die sonst wenig Hilfe erhalten.

Die "Korbgemeinschaft" sammelt nicht nur Geld, sondern auch Sachspenden, um diese nach Syrien zu transportieren, wo sie dringend gebraucht werden. Starkl: "Das braucht sehr viel Planung und viele helfende Hände. Die Güter müssen abgeholt, sortiert, gelagert und verpackt werden. Sobald ein Container verfügbar ist, bleibt oft wenig Zeit." Dann gehe es mit dem Schiff nach Syrien. Die Gemeinschaft sucht deshalb auch stets Freiwillige, die bei dieser Arbeit helfen. Auch Unterstützung bei Verwaltung und Abrechnung wären eine Entlastung.

Das Logo der "Korbgemeinschaft" besteht aus einem Korb in Form zweier Hände. Diese würden den Auftrag des Hilfswerks auf den Punkt bringen, so Sr. Starkl.

P. Ghoneim zeigte sich zum Schluss des Interviews zuversichtlich, dass die "Korbgemeinschaft" auch ihn selbst überdauern werde: "Es geht nicht um mich, es geht um das Werk selbst. Die Menschen in Syrien brauchen unsere Hilfe. Und Gott braucht auch unsere Hände."

(Spendenkonto: Korbgemeinschaft, IBAN: AT94 2011 1828 5755 6000, Spenden sind steuerlich absetzbar. Infos: www.korbgemeinschaft.at)
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