Prager Erzbischof feiert "Versöhnungsmesse" in Wiener Karlskirche
28.09.202616:22
Österreich/Kirche/Geschichte/Krieg/Flüchtlinge
Gedenken an die Opfer der Kriegs- und Nachkriegszeit im Rahmen des in Tschechien ausgerufenen "Jahres der Versöhnung", unter anderem mit Sudentendeutschen
Wien, 28.09.2026 (KAP) Im Gedenken an die Opfer der Kriegs- und Nachkriegszeit hat der neue Prager Erzbischof Stanislav Pribyl am Samstag eine "Versöhnungsmesse" in der Wiener Karlskirche gefeiert. Der Gottesdienst stand im Zeichen des "Jahres der Versöhnung", das Pribyl zu Beginn dieses Jahres in der Diözese Leitmeritz ausgerufen hatte, deren Bischof er zuvor war. Pribyl ist seit 25. April Erzbischof von Prag.
Gemeinsames Erinnern und Beten solle dazu beitragen, Gräben zwischen Tschechen, Österreichern und Deutschen zu überwinden, so der Erzbischof. Die Beziehungen der Völker seien durch die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs und die Vertreibungen der Nachkriegszeit schwer belastet worden. In seiner Predigt betonte Pribyl, christliche Vergebung bedeute nicht, die Vergangenheit zu vergessen, sondern vielmehr, die Fehler der Vergangenheit der Fürsorge Gottes zu überantworten. Dazu gehöre auch, die eigene Geschichte anzuerkennen und kritisch zu hinterfragen.
Karlskirchen-Rektor P. Marek Pucalik verwies ebenfalls auf die Bedeutung des Gedenkens. "Sich diese gemeinsame Geschichte - mit all ihren Schattenseiten - in Erinnerung zu rufen, der Opfer zu gedenken und das Gedächtnis an sie wachzuhalten, kann unseren Sinn für das Gegenwärtige schärfen und unsere Sorge um das Zukünftige fördern", sagte der Geistliche, der dem tschechischen Kreuzherrenorden mit dem Roten Stern angehört. Die Ordensgemeinschaft hat ihr Mutterhaus in Prag und ist seit 1733 an der Wiener Karlskirche ansässig.
Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von einem tschechischen Chor und einem Orchester aus Rychnov nad Kneznou. Aufgeführt wurde die "Missa solemnis" des böhmischen Komponisten V. J. Tomásek, die 1836 zur Krönung Ferdinands I. zum König von Böhmen uraufgeführt worden war. Bei einem "Versöhnungsgebet" beteten die Gläubigen anschließend um Frieden, Vergebung und Versöhnung. Danach gab es bei einer Agape eine Zusammenkunft der anwesenden Österreicher, Deutschen und Tschechen, unter ihnen auch vertriebene Sudetendeutsche und deren Nachkommen.