Bischof Wilmer bekräftigt zum Auftakt der Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe Unvereinbarkeit des völkischen Nationalismus der AfD mit dem Christentum - Warnung vor Populismus auch von links - DBK-Mitglieder beraten bis Donnerstag auch über ethische Fragen zu Leihmutterschaft, Organspende und Suizid-Beihilfe
Fulda, 28.09.2026 (KAP/KNA) Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Heiner Wilmer, hat sich dafür ausgesprochen, auf AfD-Wähler zuzugehen. "Es braucht unbedingt Formate, in denen wir zuhören, in denen wir keine Ansagen machen", sagte Bischof Wilmer laut Nachrichtenagentur KNA am Montag in Fulda. Die Kirche müsse die Fragen und Nöte der Menschen ernst nehmen.
Zum Auftakt der Herbstvollversammlung der Bischöfe bekräftigte Wilmer, dass der völkische Nationalismus der AfD mit dem Christentum unvereinbar sei. Zu einem möglichen AfD-Verbotsverfahren sagte der DBK-Pressesprecher Matthias Kopp: "Es liegt nicht an der Kirche, ein solches Verfahren zu fordern." Die katholischen Bischöfe vertrauten darauf, dass die Verfassungsorgane die richtige Entscheidung treffen, ob es ein Verbotsverfahren geben müsse oder nicht.
Populismus auch von links
Gut eine Woche nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin warnte Bischof Wilmer auch vor einem Populismus von links: "Es kann natürlich nicht sein, dass wir über eine Reduktion bei den Polizeikräften sprechen." Auch der wachsende Antisemitismus, der die Demokratie untergrabe, sei nicht hinnehmbar.
Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus wurde die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft. In ihrem Wahlprogramm hatte die Partei angekündigt, Finanzmittel für die Polizei umverteilen zu wollen - etwa für mehr Straßensozialarbeit. Der Berliner Landesverband der Linken steht auch wegen Antisemitismusvorwürfen in der Kritik.
In einem eindringlichen Appell forderte Bischof Wilmer, das Leid der Menschen in Afrika nicht aus dem Blick zu verlieren. Als besonders drängend empfinde er die "vergessene Katastrophe" im Sudan: "34 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe, 4,5 Millionen sind über die Landesgrenzen geflohen. Die UN bezeichnet Sudan als weltweit größte humanitäre und Vertreibungskrise. Es gibt Hunger, sexualisierte Gewalt und Angriffe auf Zivilisten."
Bischöfe beraten über ethische Streitthemen
Bei ihrer Herbstvollversammlung in Fulda beraten die deutschen Bischöfe bis Donnerstag unter anderem über ethische Fragen zu Leihmutterschaft, Organspende und Suizid-Beihilfe. Es geht auch um die Gefahren und Chancen Künstlicher Intelligenz. Die rund 60 Bischöfe werden auch besprechen, wie es mit dem Dialogprozess zur Zukunft der Kirche in Deutschland - dem Synodalen Weg - weitergeht. Zum Auftakt des Treffens kam der neue Papstbotschafter in Deutschland, Nuntius Hubertus van Megen, nach Fulda, wo am Montagabend der Eröffnungsgottesdienst im Fuldaer Dom auf dem Programm stand.
Missbrauchsbetroffene fordern unterdessen von der katholischen Kirche in Deutschland eine Gesamtauswertung der regionalen Aufarbeitungsstudien. "Die Einzelergebnisse der Bistümer sind nicht vergleichbar", sagte der Sprecher der Betroffenen-Initiative Eckiger Tisch, Matthias Katsch, am Montag. Es fehle ein Gesamtüberblick, aus dem Schlussfolgerungen gezogen werden könnten.
Simeon Breuer vom Eckigen Tisch präsentierte erste Ergebnisse einer Umfrage unter 250 Betroffenen sexualisierter Gewalt in der Kirche. "Die große Mehrheit der Betroffenen fühlt sich nicht ernst genommen", sagte Breuer. Viele würden nicht angemessen entschädigt.
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