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Papst Leo XIV. bei 'fliegender Pressekonferenz'
"Fliegende Pressekonferenz"
Bild Copyright: © Vatican Media

Papst wegen KI "nicht in Panik" - Warnungen aber ernst nehmen

29.09.2026 07:17
Vatikan/USA/Ukraine/Russland/Deutschland/Frankreich/Papst/Computer und Informationstechnologie/Kirche/KI/Krieg/Frieden/Politik/Parteien/Missbrauch
Leo XIV.: Sicherstellen, "dass Künstliche Intelligenz nicht an einen Punkt gelangt, an dem sie die Menschheit zerstören oder aus dem Diskurs verdrängen könnte" - Papst spricht bei "fliegender Pressekonferenz" auch über Aufrüstung und Ukraine-Krieg, Kirchen-Reaktion auf Erstarken der extremen Rechten und Missbrauch in der Kirche
Rom, 29.09.2026 (KAP) Der Fortschritt Künstlicher Intelligenz (KI) bereitet Papst Leo XIV. keine schlaflosen Nächte. Zugleich plädiert er für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Technologie. "Wenn mich jemand fragen würde, ob ich in Panik bin? Nein, das bin ich nicht", sagte Leo XIV. bei der "fliegenden Pressekonferenz" auf dem Rückflug von Metz nach Rom am Montagabend. "Ich schlafe nachts ruhig", so der Papst, der sein erstes großes Lehrschreiben unter anderem den Risiken von KI gewidmet hat.

Allerdings müssten die Bedenken, die von vielen Experten und Spezialisten im Bereich KI geäußert werden, ernst genommen werden. Er kritisierte KI-Entwickler, die sich gegen staatliche Regulierung aussprechen. "Das ist ein Problem, über das wir uns meiner Meinung nach zusammensetzen und reden müssen."

Leo XIV. plädierte dafür, dass politische Entscheidungsträger, führende Köpfe der KI-Branche sowie soziale Organisationen und Verbände weiterhin zusammenkommen und gemeinsam zu dem Thema beraten. Einfach zu sagen: 'Ach, das wird schon nicht passieren', und die Augen davor zu verschließen, sei wahrscheinlich nicht die verantwortungsvollste Herangehensweise, so der Papst. Es müsse sichergestellt werden, "dass KI nicht an einen Punkt gelangt, an dem sie die Menschheit zerstören oder aus dem Diskurs verdrängen könnte".

Im Mai hatte Leo XIV. seine erste Enzyklika "Magnifica humanitas" zu dem Thema persönlich im Vatikan vorgestellt. Seitdem habe es viele Anfragen von Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen und Fachgebieten gegeben, erzählte der Papst nun. Deshalb fördere der Vatikan weiter den Dialog und die Forschung. Er sei relativ optimistisch, weil es genug interessierte Menschen gebe, die das Thema auch jenseits der Fragen nach Macht betrachten. "Aber wir müssen weiter daran arbeiten. Wir können uns nicht einfach zurücklehnen und so tun, als würde nichts passieren."

Papst: An Aufrüstung verdient nur die Waffenindustrie

In der thematisch breit gefächerten Pressekonferenz am Ende seines viertägigen Frankreich-Besuchs beantwortete der Papst unter anderem Fragen zu den Vermittlungsbemühungen des Vatikan im Ukraine-Krieg, der notwendigen Reaktion der christlichen Kirchen in Deutschland auf das Erstarken der extremen Rechten, aber auch zu Missbrauch in der Kirche.

Weiterhin ist der Papst gegen eine militärische Lösung des Ukraine-Konflikts. Die Kirche müsse ihre Lehre vertreten, die gegen die Förderung von Gewalt, Hass und Waffen eintrete, sagte er vor den im Papst-Flugzeug mitreisenden Journalisten.

Leo XIV. beklagte, dass derzeit einige politische Führer sogar wieder von der Möglichkeit des Einsatzes atomarer Waffen sprächen, deren Einsatz enorm viele Menschenleben vernichten würde. Die Bereitschaft, immer mehr Waffen zu bauen, verstärke nur die Spannungen und könne zu weiteren Kriegen führen.

Wie sein Vorgänger Franziskus (2013-2025) sagte Leo XIV., dass an Aufrüstung letztlich nur die Waffenindustrie verdiene und dass man mit diesen Milliardengewinnen Probleme wie Hunger und Wohnungsknappheit lösen könne. Alle hofften auf eine Stimme, die einen anderen Weg weisen könne.

Diese Stimme müsse die Kirche sein, indem sie für Menschenwürde und das Lebensrecht aller eintrete, so der Papst. Sie sei es, die Russland und die Ukraine und andere Länder einlade, zusammenzukommen, einen Dialog zu beginnen und Wege zu suchen, wie die Probleme ohne Kriege gelöst werden können. "Das mag manchmal wirkungslos erscheinen, aber wir werden weiter zum Dialog einladen und das Evangelium verkünden", sagte Leo XIV.

Rechtsextremen die wahren Werte des Evangeliums entgegensetzen

Den jüngsten Aufstieg rechter Parteien in Deutschland sieht der Papst als Herausforderung für die christlichen Kirchen. Wie die katholischen und protestantischen Bischöfe in Deutschland sei er der Meinung, dass die in manchen rechten Gruppen anzutreffende Verbindung mit bestimmten religiösen Ideen kein authentisches Christentum sei, so Leo. Dem müssten die Kirchen die wahren Werte des Evangeliums entgegensetzen und für die Grundsätze ihrer Soziallehre werben. Dabei gehe es nicht um Hass und Spaltung, sondern um Verständnis, Mitgefühl und Begleitung.

Zugleich sprach sich der Papst dafür aus, Menschen mit rechten Überzeugungen nicht komplett aufzugeben. Er sagte: "Ich hoffe zutiefst, dass es der Kirche gelingt, mit jener Mehrheit von Menschen guten Willens in Kontakt zu kommen, die verstehen, dass es wichtig ist, wenn sie sich mit ihren Entscheidungen für das Gemeinwohl und nicht für extremistische Ideen einsetzen, die Gefahren mit sich bringen, die wir noch gar nicht absehen können."

Papst sieht Chancen für Kirche in Deutschland

Den christlichen Kirchen in Deutschland traut Leo XIV. trotz ihrer derzeitigen Krise eine positive Entwicklung zu. Auf eine entsprechende Journalistenfrage antwortete der Papst, er teile nicht die Ansicht, dass die Kirche in Deutschland auf dem Weg des Absterbens sei. Leo XIV. verwies auf die katholische Kirche in Frankreich, die viele bereits abgeschrieben hätten, die sich aber in den letzten vier Tagen bei seinem Besuch ganz anders gezeigt habe.

Für Deutschland zeigte er sich überzeugt, dass es auch dort "sehr viele Menschen gebe, die ihren christlichen Glauben leben und feiern wollen". Dafür müsse die Kirche den richtigen missionarischen Geist finden. Er sei daher optimistisch, obwohl er die vorhandenen Probleme sehe und erkenne.

Es gebe eine Krise, die nicht nur die katholische Kirche, sondern auch die protestantischen Kirchen hart getroffen habe. Sie treffe auch die Gesellschaft in Deutschland insgesamt. Der Papst betonte, er wolle mit dem Leitungspersonal der Kirche in Deutschland gemeinsam Wege suchen, um diesen Herausforderungen zu begegnen.

Einen Termin für eine Deutschlandreise gebe es jedoch noch nicht, so der Papst. Außer dem Weltjugendtag in Korea gebe es für 2027 noch keine festen Termine in seinem Reisekalender.

"Missbrauch in erster Linie ein menschliches Problem"

In der "fliegenden Pressekonferenz" erläuterte Papst Leo XIV. auch, dass er den Begriff eines systemischen Missbrauchs in der katholischen Kirche vermeiden will. Es gebe zwar einige Organisationen innerhalb der Kirche, die "zuweilen - wenn man so will -" als System missbräuchlich gehandelt haben, sagte der Papst. "Aber ich halte es für wichtig, hier zu unterscheiden: Sexueller Missbrauch ist in erster Linie ein menschliches Problem."

"Wenn so etwas passiert - gerade innerhalb der Kirche -, kommt tatsächlich noch eine ganz andere Dimension hinzu, weil das Glaubensleben der Menschen tief verwundet und manchmal sogar zerstört wird", so Leo XIV. Daher trage die Kirche eine besondere Verantwortung, die Betroffenen zu begleiten und ihnen zu helfen, Heilung zu finden.

Papst Leo XIV. äußerte sich auf eine Frage nach dem Treffen mit Opfern sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche. Am Sonntagabend hatte er im französischen Lourdes mit sieben Betroffenen persönlich gesprochen. Er habe sie dabei gebeten, "mir dabei zu helfen, anderen Opfern die Bereitschaft von mir persönlich und der Kirche zu vermitteln, ihnen zuzuhören und sie auf ihrem Weg der Heilung zu begleiten, wobei wir den Schmerz anerkennen, der in ihrem Leben durch Missbrauchsfälle verursacht wurde".

In diesem Zusammenhang habe er auch mit ihnen darüber gesprochen, dass die Kirche in gewisser Weise als verantwortlich angesehen wird. "Aber gleichzeitig, so glaube ich, ist ein wichtiger Teil, ihnen zu helfen, Heilung zu finden."
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