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Blinde Lektorin liest Lesung mittels Braille-Schrift
Inklusion
Bild Copyright: © Erzdiözese Wien/Schönlaub

Patronatsfest der Blinden: Sehbehinderte feiern Raphaels-Messe

30.09.2026 13:49
Österreich/Kirche/Behinderte/Glaube/Religion/Gesellschaft, Bevölkerung/Inklusion
Wiener Generalvikar Kaiser bei Festgottesdienst des Blindenapostolats zum Erzengelfest: Gott nimmt uns an der Hand und führt uns
Wien, 30.09.2026 (KAP) Jedes Jahr am 29. September steht in der katholischen Kirche mit dem Fest der Erzengel Michael, Gabriel und Raphael ein Seelsorgebereich im Rampenlicht, der sonst wenig Augenmerk bekommt: Das Apostolat für Blinde und Sehbehinderte, für das es in mehreren österreichischen Diözesen auch konkrete Zuständige und regelmäßige Veranstaltungen gibt. Speziell Raphael, der im Alten Testament als Begleiter des Tobit auf der Suche nach Heilung des erblindeten Tobias geschildert wird, gilt als ein Schutzheiliger für Sehbehinderte. Blinde hätten eine gute Vorstellung davon, "was es heißt, von Gott begleitet und geführt zu werden", sagte der Wiener Generalvikar Andreas Kaiser am Dienstagabend bei der "Raphaelsmesse" in der Deutschordenskirche.

Die drei von der Bibel bezeugten Erzengel zeigten in ihrer Gesamtheit vor, "wie vielfältig Gott versucht, zu den Menschen zu kommen", erklärte Kaiser, der kurzfristig als Vertretung für den krankheitsbedingt verhinderten Wiener Erzbischof Josef Grünwidl eingesprungen war. Michael stehe für den Kampf für Gott und flöße Mut zum Glauben ein, Gabriel sei jener, "der Gottes Wort nicht nur ins Ohr, sondern ins Herz des Menschen hineinlegt". Raphael sei der Begleiter in schwierigen Situationen. "Gott nimmt uns an der Hand und führt uns, sanft und beständig, unser ganzes Leben und darüber hinaus. Er lässt uns nie allein, macht uns Mut mit seinem aufbauenden Wort", so der Generalvikar.

Zur Raphaelsmesse, dem Jahreshöhepunkt des Blindenapostolats, waren 60 Personen gekommen, darunter Dutzende Blinde und Sehbehinderte sowie ihre Begleiter. Blindenseelsorger Ignaz Hochholzer erinnerte daran, dass das Blindenapostolat in der Erzdiözese Wien von Betroffenen selbst gegründet war - im Jahr 1935 unter dem Kamillianerpriester P. Robert Svoboda (1904-1970), der schon damals den Leitspruch "Blinde helfen Blinden - Sehende helfen Blinden - Blinden helfen Sehenden - Sehende helfen Sehenden" prägte. Heute wird das Apostolat von Henriette Etzenberger geleitet.

Regelmäßige Heilige Messen extra für Blinde und Sehbehinderte gibt es in Wien jeweils am zweiten Dienstag - mit Ausnahme des Sommers - in der Deutschordenskirche unter der Leitung des Priesters Hochholzer, ebenso wie in einigen anderen österreichischen Diözesen. "Für viele Teilnehmende stellt die gemeinsame Feier einen Höhepunkt im Monat dar", berichtete Leo Führer, Sekretär des Blindenapostolats der Erzdiözese Wien, im Gespräch mit Kathpress. Blinde und Sehbehinderte tragen dort die Lesungen und Fürbitten vor und übernehmen auch Ministrantendienste. Zudem gibt es eine meist auf die Bedürfnisse der Gruppe ausgerichtete Predigt und im Anschluss die Möglichkeit zur Begegnung bei einer Agape, in welche auch die Raphaelsmesse mündete.

Barrieren abbauen

Die Teilnehmer der Gottesdienste sind in der Regel auch in ihren jeweiligen Wohnpfarren integriert. Führer verwies darauf, dass es hier weiterhin Barrieren abzubauen gelte. "Damit sich Menschen mit Sehbeeinträchtigungen in einer Pfarrgemeinde zuhause fühlen können, ist es wichtig, dass man auf sie zugeht und sie anspricht, da ihnen das Herstellen eines Kontaktes schwerer fällt als normal Sehenden", so der Experte. Günstig sei auch, praktische anzubieten, etwa zur Abholung von daheim zum Messbesuch, zur Begleitung beim Kommuniongang oder zur Führung durch Räumlichkeiten beim Erstkontakt. "Gleichzeitig sollte man Blinden auch etwas zutrauen. Sie sind Menschen wie du und ich, und sie können was - erst recht, wenn sie mit Blindenstock unterwegs sind", betonte Führer.

Möglichst selbstständige und gleichberechtigte Teilnahme blinder, sehbehinderter und taubblinder Menschen am kirchlichen Leben ist auch das Ziel des Blindenapostolats in der Erzdiözese Wien sowie auf Österreich-Ebene (BAÖ), wo Wien derzeit den Vorsitz hat. Zu den Angeboten gehören spiritueller Austausch, Begegnungen, Gemeinschaftsaktivitäten bis hin zu Gruppenreisen und Unterstützung bei der Vertiefung des Glaubens. Ein Blindenschrift-Drucker des Apostolats bringt Texte auf Braille, zudem werden Monats- und Rundbriefe eingesprochen und auf Audio-CDs gebrannt, "denn gerade die erst später Erblindeten sind im Gegensatz zu Geburtsblinden oft nicht der Brailleschrift mächtig", so der Sekretär.

Ein Schwerpunkt liegt auf dem barrierefreien Zugang zu religiösen Texten und Gottesdiensten. So gibt es etwa das Gesangsbuch "Gotteslob" und die Bibel in Brailleschrift zur Ausleihe, und der Österreich-Teil des "Gotteslobes" ist auch im Großdruckformat erhältlich. Das Blindenapostolat setzt sich darüber hinaus dafür ein, dass Lektionare und Messbücher auch in digital zugänglicher Form zur Verfügung stehen. Solche Dateien können mit Sprachsoftware, Braillezeilen oder Vergrößerungsprogrammen genutzt werden und erleichtern insbesondere jenen die Mitwirkung, die liturgische Dienste wie Lektor, Kantor oder die Leitung von Wort-Gottes-Feiern übernehmen.

Zum Engagement gehört auch die Unterstützung über die kirchliche Gemeinschaft hinaus. Eine Brillensammelaktion des Blindenapostolats der Erzdiözese Wien hat seit 2017 insgesamt 250.000 gebrauchte Brillen zusammengetragen, "auch im laufenden Jahr sind es bereits 30.000", berichtete Führer. Die gesammelten Sehhilfen werden aufbereitet und über "Brillen ohne Grenzen" an Menschen in Ländern weitergegeben, in denen sich viele eine Brille nicht leisten können.
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