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Gespräch am 28. September 2026 an der Universität Salzburg im Rahmen des 20-Jahr-Jubiläums des 'Zentrums Theologie Interkulturell und Studium der Religionen' - v.l.: Prof. Martin Dürnberger, Alena Höfer, Melitta Mueller-Hansen, Prof. Martin Rötting
20 Jahre "ZTKR"
Bild Copyright: © Kathpress / Henning Klingen

Theologen: Begleitung spirituell Suchender wird wichtiger

30.09.2026 11:07
Österreich/Kirche/Religion/Kultur/Wissenschaft/Medien/Theologie/Podcast
Evangelische bayrische Rundfunkbeauftragte Müller-Hansen bei Podiumsdiskussion in Salzburg: Kirchen-Präsenz im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nimmt ab - Neue Formate noch "in Kinderschuhen" - Theologin Höfer: Große Verunsicherung in Gemeinden durch wachsende religiöse und kulturelle Komplexität - Religionswissenschaftler Rötting: Wissenschaftskommunikation seitens des "Zentrums Theologie Interkulturell" muss verbessert werden
Salzburg, 30.09.2026 (KAP) Die Begleitung spirituell Suchender und die Förderung religiöser Bildung sind die großen Zukunftsaufgaben für Theologie und Kirche: Das war der Tenor einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Fest-Symposions zum 20-jährigen Bestehens des Salzburger "Zentrums Theologie Interkulturell und Studium der Religionen" (ZTKR) am Montagabend in Salzburg. Das vom Salzburger Theologen Prof. Martin Dürnberger moderierte Podiumsgespräch war als "Live-Podcast" geführt worden und markierte zugleich den Höhepunkt der ZTKR-Tagung. Es wurde am Mittwoch unter dem Titel "Quo vadis, Religion? - Ein Live-Podcast aus Salzburg" im Podcast "Diesseits von Eden" der Theologischen Fakultäten in Österreich veröffentlicht.

Für den medialen Bereich stellte die evangelische bayrische Rundfunkbeauftragte Melitta Müller-Hansen bei Podiumsdiskussion fest, dass die Kirchen-Präsenz im öffentlich-rechtlichen Fernsehen langsam abnehme - zugleich aber Religion weiterhin von Bedeutung sei. "Religiöse Events" und eine starke Personalisierung würden in den klassischen Medien - Fernsehen und Radio - weiterhin "funktionieren" und teils ein großes Publikum ansprechen; zugleich aber sinke die religiöse Bildung und damit wachse die Herausforderung, die Formate und Sprechweisen über Religion anzupassen.

Müller-Hansen: "Für mich liegt hier eine enorme Dringlichkeit: Wie begleiten wir Menschen in ihren Suchbewegungen, ohne ihnen einfache Antworten vorzusetzen? Wie vermitteln wir religiöse Bildung so, dass sie in einer komplexen Welt zur Urteilsfähigkeit beträgt? Mündigkeit gibt es nicht ohne Bildung - und das gilt auch für Religion."

Gleichzeitigkeiten aushalten

Auf die steigende Komplexität der Welt und ein wachsendes Bedürfnis, diese Komplexität auch religiös einzuordnen, verwies die Heidelberger evangelische Theologin Alena Höfer. Es gebe ein hohes Maß an kaum mehr zu vermittelnden "Gleichzeitigkeiten" auch in der Religion - von der Klimakrise über Rassismuskritik hin zum Feminismus. Es falle gerade normalen Gemeindemitgliedern immer schwerer, diese Gleichzeitigkeiten auszuhalten. Hier sei seitens der Theologie und auch der Wissenschaftskommunikation Fingerspitzengefühl gefragt, so Höfer. "Wir brauchen Perspektiven, die Komplexität anerkennen und zugleich Orientierung, Hoffnung und konkrete Möglichkeiten des Handelns eröffnen."

Der Salzburger Religionswissenschaftler und ZTKR-Leiter, Prof. Martin Rötting, ortete eine grundlegende Veränderung im religiösen Feld in den vergangenen 20 Jahren: Auf der einen Seite seien die religiösen und kirchlichen Institutionen beschädigt und durch Missbrauch und Vertrauensverlust so geschwächt, dass sie kaum mehr ihrer eigentlichen Aufgabe der Verkündigung nachgehen könnten, so Rötting. Zugleich gebe es auch auf Ebene individueller Spiritualität eine Enttäuschung, wo Gurus und spirituelle Lehrer zuletzt ebenso vermehrt unter den Verdacht spirituellen oder sexuellen Missbrauchs geraten sind. "Die religiöse und spirituelle Orientierung ist anstrengender geworden, gerade weil sowohl institutionelle als auch individuelle Formen von Religion unter Druck geraten sind."

Religion bleibt Faktor der Identitätssuche

Dennoch bleibe Religion ein essenzieller Faktor der Identitätssuche und -bildung, führte der Religionswissenschaftler weiter aus. "Wenn man Menschen nach ihrer eigenen Religiosität fragt, formulieren sie häufig sehr wohl etwas, das für sie wesentlich ist. Sie wollen die Essenz ihres Lebens, ihres Glaubens oder ihrer Erfahrung ausdrücken". Hieran gelte es kirchlich und theologisch und religionswissenschaftlich anzuknüpfen. Erste vielversprechende Forschungsansätze sehe er bereits im "Zentrum Theologie Interkulturell und Studium der Religionen" - es sei jedoch noch Luft nach oben und er hoffe auf viele Dissertations- und Drittmittelprojekte, um die Zukunft des Zentrums sicherzustellen. Auch die Wissenschaftskommunikation müsse dazu in den kommenden Jahren intensiviert und verbessert werden, so Rötting. (Nachzuhören und nachzulesen unter https://diesseits.theopodcast.at/quo-vadis-religion-live-podcast; https://www.plus.ac.at/ztkr/)
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