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Deutschland: Analyse zu islamistischem Antisemitismus

30.09.2026 14:33
Deutschland/Wissenschaft/Islam/Antisemitismus
Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus: 30.000 Meldungen, davon 564 Vorfälle mit islamischem oder islamistischem Hintergrund
Berlin, 30.09.2026 (KAP/KNA) Die Zahl der registrierten antisemitistischen Vorfälle mit islamischem oder islamistischem Hintergrund in Deutschland laut einer Analyse vergleichsweise niedrig. Allerdings gebe es dabei öfter Gewalt, so das Ergebnis der Analyse des Bundesverbandes der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (Rias), die am Mittwoch vorgelegt wurde. Demnach stiegen die Zahlen seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel vom Oktober 2023 stark. Rias dokumentiert auch Vorkommnisse, die nicht als Straftaten gelten, informierte die Nachrichtenagentur KNA am Mittwoch.

Zwischen 2019 und 2025 registrierten Rias-Meldestellen demnach 564 Vorfälle mit islamischem oder islamistischem Hintergrund bei insgesamt mehr als 30.000 Meldungen. "Allerdings waren 15,1 Prozent der Vorfälle Bedrohungen, Angriffe oder Fälle extremer Gewalt", hieß es. Der Anteil solcher Vorfälle sei mehr als doppelt so hoch wie bei der Gesamtzahl an Vorfällen (6,1 Prozent). Knapp 80 Prozent der 564 Fälle seien seit Oktober 2023 erfasst worden; es dominiere auf Israel bezogener Antisemitismus, hieß es. Dabei sei der 7. Oktober gar nicht unbedingt die Ursache für eine Zunahme von antisemitischen Einstellungen und Handlungen, sondern vielmehr eine "Möglichkeit der Artikulation von Antisemitismus".

Antisemitismus mit islamischem oder islamistischem Hintergrund treffe Jüdinnen und Juden auch im Alltag, hieß es. So seien etwa 2024 in Frankfurt am Main zwei Kippaträger öffentlich angegangen worden. Eine Person, die eingeschritten sei, sei mit den Worten bedroht worden, Allah werde sie töten.

Antisemitismus müsse als "wesentlicher Bestandteil islamistischer Mobilisierung" benannt und bekämpft werden, fordert Rias-Bundesgeschäftsführer Benjamin Steinitz. Nötig seien sowohl rechtsstaatliche Mittel als auch Präventionsangebote. "Zudem darf islamistischen Akteuren keine Legitimation verschafft werden, indem diese als demokratische Partner von Staat oder Zivilgesellschaft behandelt werden."

Steinitz betonte zugleich: "Die Auseinandersetzung mit Islamismus darf nicht rechtsextremen Akteuren und ihrer muslimfeindlichen Agenda überlassen werden." Studienautorin Sarah Demmrich erklärte, dass Antisemitismus unter Musliminnen und Muslimen ein ernstzunehmendes Problem auch jenseits islamistischer Milieus sei.

"Umso wichtiger ist es, dass Staat und Zivilgesellschaft demokratische Strukturen sowie eine offene, nicht-fundamentalistische Religiosität in Moscheegemeinden stärken und das Vertrauen in öffentliche Institutionen wie Polizei und Justiz fördern", erklärte Demmrich.
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