Seit Sudan-Krieg mehr als 1,5 Millionen Menschen aufgenommen - Comboni-Missionar berichtet über Mangel an Wasser, medizinischer Versorgung und Bildung
N’Djamena, 30.09.2026 (KAP) Der zentralafrikanische Staat Tschad bewältigt derzeit eine der umfangreichsten humanitären Krisen des Kontinents, die international weitgehend unbeachtet bleibt. Mehr als 1,5 Millionen Menschen sind seit Beginn des Kriegs im Sudan im April 2023 in den benachbarten Tschad geflohen. Das Land zählt damit gemessen an seiner Bevölkerungszahl zu den wichtigsten Aufnahmeländern Afrikas. Gleichzeitig sind die Möglichkeiten zur Versorgung der Geflüchteten begrenzt. Es fehle an Infrastruktur, medizinischer Versorgung und vor allem an Trinkwasser, berichtete der Comboni-Missionar Pater John Ikundu gegenüber Vatican News am Mittwoch.
Entlang der gesamten Ostgrenze existiere lediglich ein einziges Krankenhaus, sagte Ikundu. Die Lage werde international kaum wahrgenommen. "Obwohl der Tschad bei der Zahl der aufgenommenen Menschen unter den afrikanischen Staaten an erster Stelle steht, hört man nie etwas von ihm - und das, obwohl ich selbst zwanzig Jahre lang in diesem Land tätig war und dort sogar als erster afrikanischer Comboni-Missionar angekommen bin."
Extremdürren und Ernteausfälle
Verschärft wird die Situation durch klimatische Faktoren. Dürren im Süden führten zu Ernteausfällen bei Grundnahrungsmitteln wie Reis. Die fortschreitende Verödung von Landstrichen schüre zudem Konflikte zwischen Nomaden und sesshaften Landwirten. Mangelhafte Transportwege erschwerten die Versorgung mit Lebensmitteln. Ein Schwerpunkt der Hilfsmaßnahmen liegt im Apostolischen Vikariat Mongo und in Farchana, wo auch Einrichtungen der Vereinten Nationen angesiedelt sind.
"Trotz der schwierigen Lebensbedingungen und der sozio-politischen Frustration begegnen die Menschen den Herausforderungen mit großer Würde", erklärte Ikundu. Zugleich seien die Probleme für die Flüchtlinge enorm: "Die Flüchtlinge durchqueren eine wüstenartige und trockene Gegend. Ihre extrem hohe Zahl bereitet dem Land enorme Probleme.
Zu den schwerwiegendsten Problemen zählen der völlige Mangel an Aufnahmeeinrichtungen und die Wasserknappheit, die mittlerweile einen chronischen und äußerst ernsten Notstand darstellt. Hinzu kommt das Fehlen von Schul- und Bildungseinrichtungen für die zahlreichen angekommenen Jugendlichen, was die allgemeine Lage dramatisch macht."
Großteil der Flüchtlinge im Vikariat Mongo
Der Großteil der Flüchtlinge konzentriere sich auf das Apostolische Vikariat Mongo. Gemeinsam mit der Diözesancaritas kümmere sich dieses vor allem um die Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern. In Farchana befinde sich das "wichtigste humanitäre Logistikzentrum des Landes", so Ikundu. Die katholische Kirche unterstütze die Bevölkerung und die Geflüchteten mit Nothilfe und Bildungsinitiativen. Die Bischofskonferenz fordert von der Regierung verstärkte Investitionen in Schulbildung und Ausbildungsprogramme, um der überwiegend jungen Bevölkerung langfristige Perspektiven zu bieten.