Kardinal Kasper zieht auf "Communio.de" Positiv-Bilanz zur jüngsten Frankreich-Reise von Papst Leo XIV. - Taufboom ist "unerwartetes und überraschendes" Geschenk, dem nun eine "nachhinkende" Evangelisierung folgen muss - Europa-Rede in Metz: "Eine wirklich große Rede, wie man sie schon einige Zeit nicht mehr gehört hat"
Wien/Freiburg/Rom, 01.10.2026 (KAP) Als einen "vollen Erfolg" und ein Zeichen dafür, dass "die Kirche auch in Europa nicht am Ende" ist, hat Kurienkardinal Walter Kasper die jüngste Reise von Papst Leo XIV. nach Frankreich bewertet. Die Reise habe nicht nur "das persönliche Profil des Papstes als Oberhaupt der universalen Kirche gestärkt", sondern "der Kirche eine Stimme in der Welt gegeben und dabei auch Gehör gefunden", sagte Kasper in einem Interview auf der Plattform "communio.de" (Donnerstag). Die Reise habe gezeigt: "Die Kirche ist auch in Europa nicht am Ende; sie steht an einer Zeitenwende und stellt sich, ohne ihre eigene Identität aufzugeben, in sympathischer und empathischer Weise den neuen Herausforderungen im Dienst an den Menschen, insbesondere an den Schwachen, und wagt es, den Starken ins Gewissen zu reden."
Vorsichtig zeigte sich Kasper in seiner Bewertung des "Taufbooms" in Frankreich: dazu gebe es noch keine klaren Studien bzw. Untersuchungen. Man könne jedoch wohl feststellen, "dass es in unserer unübersichtlich gewordenen, krisengeschüttelten spät- oder nachmodernen Welt gerade bei jüngeren Menschen Hunger und Durst nach Sinn und Orientierung gibt, für die sie in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien keine sie überzeugenden Antworten finden". So sei "die Kirche für viele neu interessant geworden", führte der Kardinal aus. Auch sehe er durch den Boom an Taufen bei jungen Menschen die Rede von einer steigenden religiösen Indifferenz entkräftet: "Dass nichts fehlt, wo Gott fehlt, ist ein oberflächlicher Spruch", so Kasper. Die steigende Zahl an Taufen in Frankreich könne dagegen als "Kontrapunkt und Schlüssel zu solchem Gerede" erachtet werden.
Nachholende Evangelisierung nötig
Zugleich warnte Kasper vor kirchlicher Selbstgefälligkeit angesichts dieser Entwicklungen: Der Anstieg der Taufen sei nämlich "nicht das Ergebnis kirchlicher Programmatik und Aktion", es sei "uns vielmehr unerwartet und überraschend geschenkt" worden. Nun gelte es, darauf angemessen pastoral zu reagieren: "Die Evangelisierung müssen wir nun (...) nachhinkend möglichst einfühlsam nachholen." Dabei müsse die Säkularisierung nicht nur negativ beurteilt werden: vielmehr zeige sich im Aufschwung der Taufen ein neues Selbstbewusstsein dafür, dass "aus der Volkskirche eine Entscheidungskirche" werde.
Besonders hob Kasper in dem Interview mit "Communio"-Schriftleiter Jan-Heiner Tück die "Europarede" des Papstes im Kongresszentrum von Metz hervor. Diese sei "eine wirklich große Rede" gewesen, "wie man sie schon einige Zeit nicht mehr gehört hat", die in einer klaren, "stellenweise auch harten Analyse der Barbarei und der Missachtung des Völkerrechts" bestanden habe, ohne zugleich in Pessimismus einzumünden. Leo habe unterstrichen, dass die Grundlagen Europas "universal" und geeignet seien, "auf neue Völkerschaften hin ausgelegt, um von ihnen auch bereichert zu werden".
Papst Leo XIV. hatte vom 25. bis 28. September Frankreich besucht. Stationen der fünften internationalen Reise von Leo XIV. waren die Hauptstadtregion Paris sowie Lourdes und Metz. In Paris besuchte der Papst auch den Hauptsitz der UN-Kulturorganisation (Unesco). Der Frankreich-Besuch war der erste eines katholischen Kirchenoberhaupts seit der Visite von Benedikt XVI. (2005-2013) im Jahr 2008. Papst Franziskus (2013-2025) war zwar dreimal in Frankreich, 2014 in Straßburg, 2023 in Marseille und 2024 auf Korsika. Doch handelte es sich jeweils um Besuche bei europäischen Institutionen oder um pastorale Anlässe, nie um einen offiziellen Staatsbesuch.
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