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Austellung 'tierisch menschlich' im Dom Museum Wien
Kultur
Bild Copyright: © L. Deinhardstein.

Dom Museum Wien zeigt ambivalente Beziehungen von Mensch und Tier

01.10.2026 13:48
Österreich/Kultur/Kunst/Ausstellung/Religion/Kirche/Malerei/Tier/Gesellschaft
Schau von 2. Oktober bis 22. August widmet sich ernst und humorvoll zugleich Tierisch-Menschlichem
Wien, 01.10.2026 (KAP) Eine profane Stubenfliege im Sarkophag, ein Papagei als Mariensymbol oder Mäuse, die mit Menschenteilen experimentieren erzählen in der neuen Ausstellung "tierisch menschlich" im Verbund künstlerisch von den ambivalenten Verhältnissen und Beziehungen von Mensch und Tier. Die Schau im Dom Museum Wien zeigt von 2. Oktober 2026 bis 22. August 2027 Tiere als Begleiter, Nutztiere oder Gegenstand menschlicher Ausbeutung, als Motive in Höhlenmalereien, heiligen Schriften, Mythen und Märchen und nimmt damit die unterschiedlichen kulturellen, religiösen und gesellschaftlichen Vorstellungen vom Verhältnis zwischen Mensch und Tier in den Blick.

"Vorstellungen von Tier und Mensch sind weder naturgegeben noch unveränderlich", erklärte Museumsdirektorin Johanna Schwanberg, die die Ausstellung gemeinsam mit Vanessa Joan Müller kuratiert hat, bei einer Präsentation am Donnerstag. Sie entstünden in historischen, sozialen und kulturellen Zusammenhängen und spiegelten die jeweiligen Weltbilder einer Epoche wider. Die Schau sei keine reine Tierausstellung, sondern frage vor allem nach der Rolle des Menschen und seiner Verantwortung für andere Lebewesen. "Und sie hinterfragt kritisch die Überlegenheit des Menschen, wie sie schon in der Bibel zu finden ist", so Schwanberg.

Zugleich nehme die Ausstellung den sogenannten "Animal Turn" als Ausblick auf ein anderes Zusammenleben von Mensch und Tier in den Blick, bei dem Tiere als eigenständige Lebewesen und Mitgeschöpfe betrachtet werden und das Verhältnis nicht allein durch menschliche Interessen und Vorstellungen bestimmt wird, legte Müller dar. So widmet sich ein Raum der "Koexistenz der Kreaturen", in dem etwa "Die Fischpredigt" von Oskar Laske den heiligen Antonius von Padua zeigt, dem Wasserwesen seine Predigt lauschen. Grafiken aus Kinngait erzählen von der Mythologie der Inuit, in der Mensch und Tier zu einem Wesen werden. Ein weiteres Werk wurde von tierischen Künstlern produziert - ein Bienenstock im Keilrahmen.

350-Kilo-Hund aus dem Stephansdom

Insgesamt ist die Ausstellung in fünf Kapitel gegliedert: "Ambivalente Berührungspunkte", "Gejagt, gequält, gegessen", "Wandelbare Zeichen", "Ausgestellt und eingesperrt" und "Koexistenz der Kreaturen". Sie beschäftigen sich mit unterschiedlichen Formen der Mensch-Tier-Beziehung - von Begegnung und Nutzung über symbolische Bedeutungen und Gewalt bis hin zur Frage nach dem Zusammenleben von Mensch und Tier.

Im Themenbereich "Ambivalente Berührungspunkte" begrüßt die Besucherinnen und Besucher ein besonderer 350 Kilogramm schwerer "Hund" - ein Wasserspeier des Stephansdoms aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Zu sehen sind außerdem verschiedene Motive des meistgemalten Tiersujets der Kunstgeschichte: des Hundes - als Schusshund, Jagdgefährte und Statussymbol. Dazu zählt etwa das "Porträt eines Jagdhundes" von Michael Wild aus dem Jahr 1789, eine Leihgabe des Stifts Klosterneuburg. Auch ein "Hund des Abtes" aus dem Stift Klosterneuburg ist zu sehen. Dahinter steht die Vermutung, dass es sich nicht nur um ein Porträt des Tieres handelt, sondern der Abt sich in Gestalt des Hundes selbst darstellen ließ - mit einem Prunkhalsband.

Gegessen und gegessen werden

Gezeigt werden Tiere, die gegessen werden, und Tiere, die man lieber nicht im Essen haben will. Und ein "Selbstporträt für die Katz´" von Luzia Hürzeler, das Grenzen zischen Fressen und Gefressen-Werden auslotet. Laut Schwanberg soll die Ausstellung auch dazu anregen, sich mit Ambivalenzen zu beschäftigen: etwa damit, was es bedeute, "die Katze am Morgen zu füttern, zu Mittag ein Wiener Schnitzel zu essen und am Nachmittag eine Motte zu erschlagen".

Grundsätzlich wolle die Ausstellung eine große Bandbreite an künstlerischen Sujets für ein heterogenes Publikum bereithalten, das für Schulklassen, Touristen und Kunstliebhaber geeignet sei. Ernste Themen stünden neben humorvollen und spielerischen Porträts. So etwa Guadalupe Salgados "Tlacuache" (2024), den die Museumsdirektorin als "Publikumsliebling" vermute. Das rosa Tier aus Filz verweist auf das Opossum des mesoamerikanischen Schöpfungsmythos - jenes listige Tier, das den Menschen das Feuer mit seinem Schwanz gebracht haben soll, weshalb ihm dort auch keine Haare wachsen sollen.

Neben Salgado sind in der Ausstellung unter anderem Werke von Oskar Laske, Graciela Iturbide, Maria Lassnig, Alois Mosbacher, Valie Export, Alfred Kubin und Patricia Piccinini zu sehen. Die Schau vereint Arbeiten vom Mittelalter bis zur Gegenwart in unterschiedlichen Medien, darunter Malerei, Grafik, Skulptur, Fotografie, Video und Installation. Neben Werken aus den Sammlungen des Dom Museum Wien sind auch nationale und internationale Leihgaben sowie eigens für die Ausstellung entstandene Arbeiten vertreten.

(Info: https://dommuseum.at/)

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