Familienverbandspräsident Mender bezeichnet in "Presse"-Gastkommentar geforderte Sonntagsöffnung als Scheinlösung für wirtschaftliche Herausforderungen - Gesellschaftlicher Zusammenhalt funktioniert nur, wenn möglichst viele gleichzeitig freihaben - Sonntagsallianz feiert 25-Jahr-Bestehen
Wien, 01.10.2026 (KAP) Die "Allianz für den freien Sonntag" begeht dieser Tage ihr 25-Jahr-Jubiläum. Der Präsident des Katholischen Familienverbands Österreichs (KFÖ), Peter Mender, hat im Blick auf das Jubiläum einmal mehr die Bedeutung des freien Sonntags für die Gesellschaft betont. In einem Gastkommentar in der "Presse" (Donnerstag-Ausgabe) schreibt Mender: "An den freien Sonntagen entstehen die Momente, in denen aus vielen Einzelnen eine Gesellschaft wird." Die von der Wirtschaft vielfach geforderte Sonntagsöffnung im Handel würde nach Ansicht Menders hingegen nur Scheinlösung bringen.
Es gebe Momente, so der KFÖ-Präsident, in denen eine Gesellschaft spürbar werde: "Wenn am Sonntag beide Eltern am Spielfeldrand stehen, weil keiner arbeiten muss. Wenn nach der Messe die Leute vor der Kirche stehen bleiben und reden. Wenn beim Sechzigsten im Gasthaus drei Generationen an einem Tisch sitzen. Wenn der Verein sein Sommerfest feiert." Diese Momente seien kein Beiwerk, sondern vielmehr das, "was uns zusammenhält". Und sie funktionierten nur, wenn möglichst viele gleichzeitig freihaben.
Natürlich stehe der Sonntag nicht für alle still: "Ärztinnen und Pfleger, Straßenbahnfahrerinnen, Feuerwehr, Polizei, Rettung oder die Köchin im Gasthaus arbeiten, damit andere diesen Tag haben können." Ihre Arbeit sei unverzichtbar. Genau deshalb sollte sie aber die Ausnahme bleiben. Wer den Sonntag hingegen für den Handel öffnet, mache aus einer notwendigen Ausnahme zunehmend eine Regel, warnte Mender.
Argumente für Sonntagsöffnung nicht stichhaltig
Wirtschaftliche Argumenten für die Sonntagsöffnung, etwa mit Blick auf den Tourismus, dass Österreich unattraktiver werde, wenn sonntags die Geschäfte geschlossen bleiben, wies Mender zurück. 2025 sei mit 157,3 Mio. Nächtigungen ein Allzeitrekord erreicht worden und wo Bedarf besteht, gebe es längst Ausnahmen in Tourismusregionen.
Auch das Argument, dass durch geschlossene Geschäfte am Sonntag zu sehr der Online-Handel profitiert, ließ Mender nicht gelten: Beim Lebensmittelhandel liege der Online-Anteil bei zwei Prozent und der stationäre Handel verschwinde auch nicht: Rund 87 Prozent der Konsumausgaben würden weiterhin dort getätigt. Wo online dem Geschäft Kunden abnimmt, laute die entscheidende Frage ohnehin: "Was sind uns Beratung, Nähe und ein Geschäft im Ort wert?"
Dass die Sonntagsöffnung für eine bessere Konjunktur nötig ist, sei ebenfalls nicht einsichtig: Österreichs Wirtschaftsschwäche habe ihre Ursachen nicht im Einzelhandel. Wirtschaftsforschende würden auf eine Industriekrise, schwächere Exporte und hohe Energiekosten verweisen. Internationale Erfahrungen zeigten zudem, dass zusätzliche Sonntagsumsätze in erster Linie nur von anderen Tagen verlagert würden, so Mender.
Er habe mehrere Jahre in den USA gelebt und gearbeitet und wisse, "wie schwierig Familienleben, Freundschaften oder ein Ehrenamt werden, wenn immer nur ein Teil freihat, während der andere arbeitet. Man verabredet sich seltener. Man verliert einander aus den Augen, ohne es zu merken." Fazit Menders: "Diese Realität möchte ich Österreich nicht zumuten." Einen der letzten verlässlichen gemeinsamen freien Tage aufzugeben, für einen wirtschaftlichen Effekt, der keineswegs belegt ist, wäre keine Antwort auf Österreichs Probleme, so der KFÖ-Präsident.
Sonntagsallianz feiert 25-Jahr-Bestehen
Die "Allianz für den freien Sonntag Österreich" (Sonntagsallianz) feiert am Donnerstag, 1. Oktober um 14 Uhr einen Festakt im Wiener Rathaus unter dem Titel "Demokratie braucht einen freien Sonntag" anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens.
Im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung hält zunächst die Politikwissenschaftlerin Sieglinde Rosenberger einen Vortrag zum Thema "Demokratie braucht einen freien Sonntag". Anschließend diskutieren Vertreter von Arbeiterkammer, Kirchen, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft über den gesellschaftlichen Wert von Freizeit sowie die Herausforderungen einer zunehmend flexibilisierten Arbeitswelt.
Die bundesweite Allianz für den freien Sonntag wurde im Oktober 2001 gegründet. Heute gehören ihr mehr als fünfzig Organisationen aus Kirchen, Gewerkschaften, Arbeiterkammer und Zivilgesellschaft an. Gemeinsam setzen sie sich für den freien Sonntag als Zeit für Familie, Ehrenamt und gesellschaftliche Teilhabe ein. Dabei erkennt die Allianz an, dass Sonntagsarbeit in Bereichen wie dem Gesundheitswesen, bei Einsatzorganisationen oder im öffentlichen Verkehr unverzichtbar ist. Dennoch müsse Erwerbsarbeit am Sonntag die Ausnahme bleiben.