missio-Nationaldirektor Laichner: Solidaritätsaktion am 18. Oktober als "Einladung, über den eigenen Kirchturm hinauszuschauen" und weltweite Verbundenheit zu zeigen - Österreichweite Jugendaktion bewirbt mit 420.000 Schokopralinen-Schachteln um Spenden
Wien, 01.10.2026 (KAP) Zum 100. Weltmissionssonntag (18. Oktober) richtet das Päpstliche Missionswerk (missio) den Blick heuer nach Äthiopien. Der Schwerpunkt liegt insbesondere auf der Konfliktregion Tigray, die nach Jahren des Krieges mit Armut, Flucht und den Folgen sexualisierter Gewalt kämpfen. Der Weltmissionssonntag, so Johannes Laichner, der seit September als Nationaldirektor von missio tätig ist, lädt dazu ein, "über den eigenen Kirchturm hinauszuschauen" und "über Kontinente und Kulturen hinweg verbunden zu sein". Der Blick auf andere Länder bereichere auch die Kirche in Österreich. "Wenn uns das gelingt, dann beginnt in der Pfarre die Weltkirche", so Laichner am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien.
Solidarität sei dabei "nie eine Einbahnstraße": Mission bedeute "Begegnung und Teilen dessen, wovon man selbst überzeugt ist", so der Nachfolger von Pater Karl Wallner, der nach zehn Jahren an der Spitze von Missio Österreich in sein Heimatkloster Stift Heiligenkreuz zurückgekehrt ist.
Der diesjährige Schwerpunkt Äthiopien rückt besonders die im Norden des Landes gelegene Region Tigray in den Fokus. Der dort seit 2022 wütende Konflikt zwischen der Regierung und der Volksbefreiungsfront forderte bereits Hunderttausende Todesopfer und trieb Millionen Menschen in die Flucht. Der Chefredakteur der missio-Zeitschrift "Alle Welt", Christoph Lehermayr, sprach vom "größten Krieg des 21. Jahrhunderts", der dennoch ein "vergessener Konflikt" sei. Die Lage in Tigray bleibe angespannt, erst Ende September nahmen Rebellen einen bedeutenden Flughafen ein.
"Nur von Hoffnung allein ist niemand genährt"
Missio arbeitet im Tigray mit kirchlichen Partnern zusammen, die Menschen mit Nahrung versorgen, Arbeitsplätze schaffen und versuchen, Flucht und Menschenhandel vorzubeugen. Als Beispiel nannte Lehermayr den Salesianerpater Luan, der seit 18 Jahren vor Ort wirkt. In der Stadt Adwa unterstützt der gebürtige Vietnamese unter anderem eine Bäckerei, in der Frauen arbeiten, die während des Konflikts Opfer der Massenvergewaltigungen und infolge teils aus ihren Familien verstoßen wurden. Das Brot wird auch an Vertriebene ausgegeben. Das Projekt verbindet Einkommen für Frauen mit der Versorgung von Menschen auf der Flucht.
Auch die Verhinderung von Menschenhandel ist ein Schwerpunkt. Nach Angaben von missio versuchen zahlreiche Menschen aus Tigray, über gefährliche Routen nach Saudi-Arabien zu gelangen. Dort drohten ihnen Ausbeutung und Menschenhandel. Ausbildung und Arbeitsmöglichkeiten sollen ihnen eine Perspektive in der Heimat eröffnen.
"Nur von Hoffnung allein ist niemand genährt", betonte Lehermayr. Entscheidend sei, dass kirchliche Partner vor Ort konkrete Möglichkeiten schaffen, damit Menschen eine Perspektive in ihrer Heimat haben. In einer Weberei bekommen Frauen in Notsituationen eine Arbeitsstelle und erzeugen Schals, die von missio vertrieben werden.
Partnerschaft und Eigenständigkeit
Auch in allen anderen von missio unterstützten Projekten in den ärmsten Diözesen weltweit beruht die Hilfe laut Nationaldirektor Laichner auf Partnerschaft und Eigenständigkeit der lokalen Kirchen. "Wir haben zwar finanzielle Ressourcen, aber die Ideen und Umsetzung kommt von den Projektpartnern vor Ort." Diese wüssten am besten über die jeweiligen Bedürfnisse Bescheid. Rund 1,4 Milliarden Katholiken weltweit seien nun aufgerufen, durch Gebet und Spende ihre Verbundenheit zu zeigen. "Jede Tat - auch nur die kleine - hilft Menschen in Not", so Laichner.
Papst: Zeugnis durch Einheit und Zusammenarbeit
Auch Papst Leo XIV. hat in seiner Botschaft zum Weltmissionssonntag die Christen weltweit zu mehr Zusammenarbeit aufgerufen. Angesichts von Konflikten, Polarisierung und Misstrauen müsse die Kirche ihre Einheit stärken, um glaubwürdig Zeugnis geben zu können. Unterschiedliche christliche Traditionen seien dabei keine Hindernisse, sondern könnten einander bereichern. Besonders wichtig sei eine stärkere ökumenische Zusammenarbeit in der Mission. "Die missionarische Einheit ist natürlich nicht als Uniformität zu verstehen, sondern als Zusammenwirken verschiedener Charismen für dasselbe Ziel", betonte der Papst.
Seit 1926
Der Weltmissionssonntag geht auf das Jahr 1926 zurück. Damals führte Papst Pius XI. den weltweiten Missionstag ein. Gebet und Spenden gehörten von Beginn an zum Konzept; die Aktion wurde auch während der Zwischenkriegszeit und des Zweiten Weltkriegs fortgeführt. Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) veränderte sich das Verständnis von Mission grundlegend. Die Ortskirchen sollten eigenständig sein und einander auf Augenhöhe begegnen. Von einem "kolonialistischen Denken" habe sich die Kirche seither klar distanziert, erläuterte missio-Kampagnenleiterin Daniela Ploberger.
In Österreich wird der Weltmissionssonntag am 18. Oktober und rund um diesen Termin in den Pfarren begangen. Missio stellt dafür Gottesdienst- und Unterrichtsmaterialien bereit. Auch die missio-Jugendaktion wird fortgesetzt. Heuer wurden dafür rund 460.000 Packungen fair gehandelter Schokolade sowie "Happy Blue Chips" produziert. Die Erlöse fließen in Hilfsprojekte in verschiedenen Ländern.