Deutsche Kirche setzt auf Erwachsenentaufen-Boom wie in Frankreich
01.10.202614:23
Deutschland/Kirche
Entwicklung bedeutet aber noch "keine Trendumkehr der Säkularisierung", stellt Bischofskonferenz-Vorsitzender Wilmer zum Abschluss der DBK-Vollversammlung klar - Bischöfe warnen nach AfD-Wahlerfolgen vor einer Zäsur
Fulda, 01.10.2026 (KAP/KNA) Die katholischen Bischöfe in Deutschland hoffen auf einen Boom bei Erwachsenentaufen wie in Frankreich. Dort finden überraschend viele junge Menschen über Soziale Medien und Influencer zum Glauben. "Wir können Frankreich nicht kopieren", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Heiner Wilmer, am Donnerstag bei der Pressekonferenz zum Abschluss der Herbsttagung der Bischöfe in Fulda, wie die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) berichtet. "Aber ich glaube schon, dass wir von Frankreich lernen können", so der Bischof von Münster.
In Frankreich stieg die Zahl der Erwachsenentaufen seit 2019 um 210 Prozent, in Schweden um 140 Prozent, in Belgien um 119 Prozent. "Wir in Deutschland liegen bisher erst bei plus 28 Prozent, wir stehen also noch am Anfang eines Wegs", sagte Wilmer. Die Bischöfe sollten sich aber "ein bisschen lockerer machen und jungen Leuten sagen: Hey, auf, nicht so bange. Ihr seid die Missionarinnen und Missionare."
Weniger Kindertaufen
Zugleich warnte der Bischofskonferenz-Vorsitzende vor voreiligen Schlüssen: Wenn sich mehr Erwachsene entscheiden, durch die Taufe Kirchenmitglieder zu werden, bedeute das noch "keine Trendumkehr der Säkularisierung". Denn zugleich sinke vielerorts die Zahl der Kindertaufen.
Es komme aber darauf an, die neuen Kirchenmitglieder mit offenen Armen zu empfangen: "Wenn neue Leute kommen, heißt das für die bestehende Gemeinde, dass sie sich zu verändern hat. Wir brauchen mehr Dynamik, wir brauchen eine Öffnung."
Der DBK-Vorsitzende verwies auf die Praxis in Frankreich, Glaubenskurse und persönliche Begleitung für Taufinteressierte anzubieten. Dabei sei es nicht das Ziel, "möglichst schnell möglichst viele neue Kirchenmitglieder zu gewinnen oder sogar zu rekrutieren". Aber es sei das Anliegen der katholischen Kirche, Menschen auf unterschiedlichen Wegen willkommen zu heißen.
Bischof Wilmer und die Generalsekretärin der Bischofskonferenz, Beate Gilles, betonten zugleich, die Taufe von Kindern bleibe wichtig. Denn hier gehe es um eine frühe Beheimatung im Glauben.
Bischöfe warnen vor AfD
Mit großer Sorge blicken die deutschen Bischöfe auf den Aufstieg der AfD. "Wir stehen vor einem Paradigmenwechsel, wenn die AfD Regierungsverantwortung übernimmt", sagte Wilmer. Es sei erschreckend, dass bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern auch unter den katholischen Wählern rund 30 Prozent für die AfD gestimmt hätten. Die Partei stelle die Grundwerte des Zusammenlebens in Frage und wolle ein anderes Deutschland.
Der DBK-Vorsitzende mahnte zugleich, trotz allem weiter mit AfD-Wählerinnen und -Wählern im Gespräch zu bleiben: "Wir brauchen Räume und Zeiten, in denen wir zusammenkommen und in denen wir als katholische Kirche zunächst Hörende sind." Das sei allerdings nicht ganz leicht. Es gebe bisher auch kaum Gesprächswünsche von AfD-Anhängern an die Bischöfe.
Zugleich werde die Kirche sich weiterhin zu Wort melden, "wenn demokratische Institutionen demontiert werden sollen", fügte der Münsteraner Bischof hinzu. Die jüdisch-christliche Tradition, das Gebot der Nächstenliebe, die gleiche Würde aller Menschen - all das gehöre zur Grundhaltung der Kirche, die Wilmer "unverhandelbar" nannte.
Absage an Antisemitismus
Scharf verurteilte der Bischofskonferenz-Vorsitzende laut KNA den zunehmenden Antisemitismus - von rechts wie von links: "Was mich sehr nachdenklich stimmt, ist, wie die Linke in Berlin mit der jüdischen Gemeinschaft umgeht. Wie plötzlich antisemitische Parolen und antisemitisches Verhalten nach vorne gebracht werden."
Die katholische Kirche werde das nicht dulden, sagte Wilmer zum Abschluss der Herbsttagung der Bischöfe. "Wir werden ganz klar an der Seite der Juden und Jüdinnen in Deutschland stehen." Es dürfe nicht dazu kommen, dass Judenhass wieder eine Plattform bekomme - "egal, ob von rechts oder von links".