Italienischer Kardinal hat bereits mehrfach Gefangenenaustausche zwischen Russland und der Ukraine vermittelt
Rom/Moskau, 01.10.2026 (KAP) Der Sondergesandte des Papstes für Russlands Krieg gegen die Ukraine, Kardinal Matteo Zuppi, hat sich in Moskau erneut für einen Gefangenenaustausch eingesetzt. Während eines dreitägigen Aufenthalts in Russland, der an diesem Donnerstag zu Ende geht, besuchte der Erzbischof von Bologna auch ein Gefangenenlager mit von der russischen Armee inhaftierten Ukrainern, wie italienische Medien berichten.
"Ich konnte persönlich mit einigen Gefangenen sprechen, um mir ein Bild von ihrer Lage zu machen und ihnen die Unterstützung, Nähe und Führung von Papst Leo zu übermitteln, in der Hoffnung, dass sie bald in ihre Heimat zurückkehren können", sagte Kardinal Zuppi. Bei seinem Besuch im Juli in der Ukraine hatte er russische Kriegsgefangene besucht. "Wir hoffen, dass dieser Besuch den Gefangenenaustausch weiter fördern wird."
Bei Gesprächen unter anderem mit Wladimir Putins außenpolitischem Berater Juri Uschakow, der russischen Menschenrechtskommissarin Jana Lantratowa und Kinderrechtskommissarin Maria Llowa-Belowa ging es laut Zuppi um den Austausch von Kriegsgefangenen und Zivilpersonen sowie die Rückführung insbesondere von Kindern in ihre Familien.
Humanitäre Krise in besetzter Stadt Oleschky
Thema war auch die humanitäre Krise in der belagerten Stadt Oleschki (Oleschky) in der südukrainischen Region Cherson nahe der Frontlinie. Die Stadt ist von Russen besetzt und steht unter Beschuss beider Armeen, die Zivilbevölkerung ist von Lebensmitteln und Medikamenten abgeschnitten. Laut der ukrainischen Nachrichtenagentur "Ukrinform" beschlagnahmte russisches Militär Hilfsgüter, die ukrainische Soldaten für die lokale Bevölkerung abgeworfen hätten.
Kardinal Zuppi erklärte, bei den Gesprächen seien Lösungen geprüft worden, "um die schrecklichen Folgen für die Bevölkerung zu begrenzen und so gut wie möglich zu ihrer Sicherheit beizutragen, insbesondere in diesem Fall speziell für Kinder". Er forderte einen humanitären Korridor, um den Menschen die Flucht zu ermöglichen.
Russland: Konstruktiver Dialog mit Vatikan
Für den Vorsitzenden der Italienischen Bischofskonferenz war es die dritte Reise in die Russische Föderation nach 2023 und 2024. Das russische Außenministerium erklärte, Zuppis Besuch bestätige den konstruktiven und regelmäßigen Charakter des russisch-vatikanischen Dialogs sowie das Engagement beider Seiten für die Fortsetzung der Zusammenarbeit im humanitären Bereich.
Kardinal Zuppi hat bereits mehrfach Gefangenenaustausche zwischen Kiew und Moskau vermittelt. Papst Franziskus (2013-2025) hatte ihn 2023 zum Sondergesandten gemacht. Papst Leo XIV. bestätigte diesen Auftrag. Ende August war der Außenbeauftragte des Papstes, Erzbischof Paul Richard Gallagher, zu Gesprächen in Moskau. Im Monat davor hatte Gallagher die Ukraine besucht.