Bei der wichtigsten Schau zeitgenössischer Kunst ist der Vatikan 2026 mit gleich zwei Beiträgen vertreten.
Vatikanstadt, 02.10.2026 (KAP) Papst Leo XIV. hat Kunstschaffenden für die Zusammenarbeit mit dem Vatikan, insbesondere bei der Biennale in Venedig, gedankt. Ihr Beitrag sei gerade im Zeitalter von Konsumismus und technologischem Fortschritt unschätzbar, sagte er am Freitag im Vatikan vor Kuratoren und Künstlern, die in Zusammenarbeit mit der vatikanischen Kulturbehörde die Pavillons des Heiligen Stuhls bei der Kunst-Biennale in Venedig gestaltet haben.
"Die Kirche braucht euch", sagte der Papst. "Dies gilt besonders in unserem Zeitalter der Künstlichen Intelligenz, in dem wir dringend unterscheiden müssen zwischen menschlicher Kunst und dem, was von Maschinen produziert wird." Algorithmen fehle der Funke des Menschlichen, während "authentische Kultur und Kunst diesen Funken bewahren", zitierte Leo XIV. aus seiner im Mai veröffentlichten Enzyklika "Magnifica humanitas".
Hildegard von Bingen als Inspiration
Beeindruckt zeigte er sich vom Motto des diesjährigen vatikanischen Biennale-Beitrags "Das Ohr ist das Auge der Seele", das von der Kirchenlehrerin, Komponistin, Dichterin und Äbtissin Hildegard von Bingen (1098-1179) inspiriert ist. Die Kunst sei wie eine Antenne empfänglich für die großen Fragen des menschlichen Herzens; "sie nimmt sie auf - mal als Schrei, öfter als Flüstern - und macht sie hörbar, sichtbar und mitteilbar", so der Papst.
Ebenso hob er den Biennale-Pavillon 2024 im Frauengefängnis auf der venezianischen Insel Giudecca hervor, den sein Vorgänger Franziskus (2013-2025) als erster Papst überhaupt besuchte. "Wer dort war, weiß, dass es nicht darum ging, Kunst ins Gefängnis zu bringen, sondern den Gefangenen zu ermöglichen, uns etwas über die Kunst und über sich selbst zu vermitteln", so Leo XIV.
Aus all diesen Gründen wolle die Kirche das Bündnis mit Künstlern und Kultureinrichtungen erneuern - ein Bündnis zur Bewahrung des Menschlichen. "Seien Sie versichert, dass die Kirche Ihnen mit Wertschätzung, Dankbarkeit und Hoffnung begegnet; dass sie Sie braucht und dass sie Sie auf Ihrem Weg begleiten möchte, damit wir gemeinsam die uns anvertraute Größe des Menschseins bewahren können", schloss der Papst.
Filmemacher Alexander Kluge als Ideengeber
Bei der bis 22. November dauernden 61. Biennale in Venedig ist der Vatikan in der Kirche Santa Maria Ausiliatrice sowie im Klostergarten "Giardino Mistico" vertreten. Der Titel des Gesamtprojekts "Das Ohr ist das Auge der Seele" stammt von dem deutschen Filmemacher Alexander Kluge (1932-2026).