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Erzdiözese Budapest maßregelt bekannten Pfarrer mit Orbán-Nähe

02.10.2026 16:10
Ungarn/Kirche/Politik/Konflikte
Ministerpräsident Magyar forderte nach gegen Tisza-Partei und deren Wähler gerichteter "Polit-Predigt" eine "sofortige und vollständige Distanzierung" der Kirche
Budapest, 02.10.2026 (KAP) Mit einer gegen die regierende Tisza-Partei und deren Wähler gerichteten scharfen "Polit-Predigt" sorgt ein dem Umfeld von Ex-Regierungschef Viktor Orban zugeschriebener katholischer Priester in Ungarn landesweit für Schlagzeilen. Die Erzdiözese Esztergom-Budapest distanzierte sich in einer öffentlichen Stellungnahme am Donnerstag von Zoltan Osztie. Mit "Bedauern und Bestürzung" habe man von Oszties Äußerungen während eines Gottesdienstes in Feldebrö vergangene Woche erfahren, teilte die Erzdiözese von Kardinal Peter Erdö mit. Die Worte spiegelten nicht die Haltung der Kirche wider und seien - zumal im Rahmen einer Heiligen Messe gesprochen - "nicht hinnehmbar". Zuvor hatte auch Ministerpräsident und Tisza-Chef Peter Magyar von der Kirche eine öffentliche Distanzierung gefordert.

Osztie sei ermahnt und aufgefordert worden, das Video der Predigt von den elektronischen Plattformen seiner Pfarre zu entfernen und künftig von Äußerungen dieser Art abzusehen, hieß es seitens der ungarischen Hauptstadtdiözese. Zugleich verwies man erneut auf eine bereits im Juli veröffentlichte Stellungnahme. Nach einem Auftritt des Priesters bei einer Fidesz-Parteiveranstaltung hatte die Erzdiözese klargestellt, dass Osztie dort ohne Auftrag und Genehmigung gesprochen habe. Priester stünden nicht im Dienst einer bestimmten politischen Partei oder Ideologie, sondern hätten als Verkünder des Evangeliums und Hirten der Kirche die Aufgabe, dem geistlichen Wohl der Menschen zu dienen.

Osztie ist Pfarrer der Hauptpfarre Budapest-Innenstadt. Laut Medienberichten hatte er bei der Predigt in Feldebrö mit Blick auf die Tisza-Partei und deren Wähler unter anderem gefragt, wie jemand, der sich selbst als Christ bezeichne, für eine seiner Überzeugung nach "moralisch zutiefst verdorbene" politische Gemeinschaft stimmen könne, die das Land zugrunde richte. Wörtlich nannte er die Partei von Ministerpräsident Magyar "ungläubig, unmoralisch und landesverräterisch". Die Unterstützung der Tisza-Partei deutete er als einen Widerspruch zum christlichen Glauben.

Regierungschef Magyar erklärte daraufhin, er erwarte sowohl als Ministerpräsident als auch als Privatperson von der katholischen Kirche eine "sofortige, öffentliche und vollständige Distanzierung" von Oszties Äußerungen. Magyar betonte zugleich, dass er Kritik grundsätzlich nicht problematisch finde. Seiner Auffassung nach müsse jedoch niemand - unabhängig davon, ob er gläubig sei oder nicht - hinnehmen, dass ein katholischer Priester in einer Kirche in einem solchen Ton und mit solchen Aussagen über Mitbürger spricht.

Magyar betonte zugleich, dass seine Kritik nicht gegen die Kirchen als solche gerichtet sei. Er erklärte: "Ich schätze die sozialen, pädagogischen, kulturellen und seelsorglichen Tätigkeiten der Kirchen in Ungarn sehr. Ich weiß genau, wie viele unsichtbare und unverzichtbare Aufgaben sie übernehmen und wie sehr sie damit unseren Mitbürgern helfen. Dennoch bin ich der Auffassung, dass sowohl im kirchlichen als auch im weltlichen Leben klare Grenzen gezogen werden müssen." Der Ministerpräsident erklärte außerdem, er wisse, dass die katholische Kirche die Äußerungen Oszties nicht teile. Dennoch halte er eine öffentliche Klarstellung für notwendig.
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