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Erzbischof Lackner auf Pilgerreise nach Rom
Franziskus-Jahr
Bild Copyright: © Cornelius Inama

Lackner: " Franz von Assisi bleibt für mich ein Lehrmeister"

02.10.2026 15:18
Österreich/Kirche/Leute/Religion/Glaube
Salzburger Erzbischof über Konflikte, Armut und die bleibende Bedeutung seines Ordensgründers zu dessen 800. Todestag - "Würde auch heute noch die Kirche aufrütteln"
Salzburg, 02.10.2026 (KAP) Genau 800 Jahre ist es her, dass Franz von Assisi am Abend des 3. Oktober 1226 starb. Nicht nur für die Orden, die er hinterließ, bleibt der Heilige ein wichtiger Impulsgeber: Auch heute noch "rüttelt Franziskus die Kirche auf" mit seiner Radikalität und seiner leidenschaftlichen Suche nach der Umsetzung des Evangeliums in der Nachfolge Jesu, so die Einschätzung des Salzburger Erzbischofs Franz Lackner im Interview mit der Nachrichtenagentur Kathpress aus Anlass des Jubiläums. Der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz gehört selbst dem Franziskanerorden an und pflegt die Verbindung mit dessen Gründer weiterhin intensiv - zuletzt unter anderem mit einer Wallfahrt mit über 80 Pilgerinnen und Pilgern nach Assisi Anfang September.

Assisi sei für ihn ein "Heimkommen", sei er doch "in meinem Innersten immer Franziskaner geblieben", so der Erzbischof. Er schätze es, in der umbrischen Stadt besonders in der frühmorgens noch herrschenden Stille die Stätten seines Ordensgründers Franz von Assisi sowie der heiligen Klara aufzusuchen, dort zu beten und dabei immer wieder zu erfahren, dass sich "in Problemstellungen ein kleines Licht aufgetan hat". Besonders von der Kirche Maria Sant'Angeli - dem Ort, an dem Franziskus starb - und von der im Wald oberhalb von Assisi gelegenen Eremitage fühle er sich dabei angezogen. Auch die Begegnung mit der heiligen Klara in ihrer Kirche habe ihn beschäftigt. Er sei mit einem neuen Blick auf ein persönliches Problemfeld beschenkt worden, sagte der Erzbischof.

Verzicht auf Lösungen

Franziskus sei für ihn ein Lehrmeister, auch was den Umgang mit Konflikten betrifft, so Lackner. Manchmal gelte es, Konflikte erst einmal als solche wahrzunehmen und auf vorschnelle Lösungen zu verzichten. Verschiedenheit gelte es zudem auszuhalten, wobei für ihn ein Anhaltspunkt die Vorgabe des Franziskus gegenüber seiner Gemeinschaft sei, Klostergärten sollten nicht zu 100 Prozent bepflanzt werden. "Man soll dem Garten auch ein kleines Stück geben, wo er Garten sein darf und wachsen kann, was wachsen will. Wenn Disteln dort sind, sind eben Disteln dort - wie ein unberührtes Paradies, wo der Mensch nicht alles herausholen soll, was möglich ist", so der Erzbischof.

Auch die "radikale Offenheit" des Franziskus beeindruckt Lackner. "Als er ins Heilige Land zog mit dem Ansinnen, Frieden zwischen den Kreuzfahrern und den Truppen des Sultans zu stiften, war er tief bewegt vom Erleben des fünfmaligen Gebetsaufrufs der Muezzins. So ließ er nach der Rückkehr laut der Überlieferung ebenfalls mehrmals täglich zum Gebet läuten, wovon bis heute das Angelus-Läuten der Kirchenglocken dreimal am Tag geblieben ist", sagte der Salzburger Oberhirte. Offenheit habe der Heilige jedoch auch im Scheitern bewiesen, als er 1220 die Leitung seines Ordens zurücklegte und vier Jahre später auf seinem "persönlichen Golgotha" auf La Verna mit seiner Erschöpfung und dem Scheitern eigener Vorstellungen konfrontiert worden und anschließend versöhnt zurückgekehrt sei.

Einsiedler und Erzbischof

Er selbst fühle sich ein wenig als "untypischer Franziskaner", bekannte Lackner, "weil ich doch das Studieren sehr liebe und gerne lese" - im Unterschied zu seinem Ordensgründer, der zunächst auf Einfachheit Wert legte, selbst nicht Priester wurde und das Priestertum für Mitglieder seines Ordens gar nicht anstrebte, was erst ab der nächsten Generation der Minderbrüder gebräuchlicher wurde. Unter diesen habe es sehr wohl Beispiele wie den heiligen Bonaventura gegeben, die nicht nur Priester, sondern sogar Professoren wurden. "Das zeugt von der Weite und Tiefe dieser Spiritualität - die mich selbst auch dazu geführt hat, in den Orden einzutreten und Franziskaner zu werden."

Er selbst habe zu Beginn seines geistlichen Weges zunächst eine Berufung zum Priestertum gespürt, erklärte Lackner. "Ich wollte Priester werden, aber nicht Pfarrer, wobei ich vorerst nur das Modell des Weltpriesters kannte." Im Aufbaulehrgang in Horn, wo Lackner, zuvor Elektriker und dann UNO-Soldat, als Spätberufener das Gymnasium nachholte, habe er die Kontemplation zu schätzen gelernt - "dass man sich zurückzieht und dann hinausgeht". Bis heute trage er eine "Sehnsucht nach Einsiedlertum und Stille" mit sich, die er auch als Erzbischof auslebe - "frühmorgens, wenn ich durch die Salzburger Kirchen gehe und Gebetsstationen mache - zunächst im noch finsteren Dom, dann bei den Franziskanern, in St. Peter und schließlich auf dem Nonnberg", verriet Lackner.

Dabei sei franziskanisches Leben jedoch nicht an das Kloster gebunden, denn das von Franziskus vorgelebte Ideal könne auch im Alltag verwirklicht werden. Lackner verwies auf den sogenannten "Dritten Orden" der franziskanischen Ordensfamilie, dessen Mitglieder auch Laien sind und in der "Welt" leben.

Radikal anders und dennoch menschlich

Was Franziskus der Kirche heute wohl sagen würde? "Er würde, glaube ich, in vielen Bereichen mitgehen, aber dennoch einen Weg finden, der auf das Evangelium vertraut und radikal anders ist - so wie er es damals mit der Armut tat", befand der Erzbischof. Zum Zeitpunkt seines eigenen Ordenseintritts sei es noch so gewesen, dass Franziskaner keine Krankenversicherung hatten. "Wenn wir krank waren, gingen wir zu den Barmherzigen Brüdern oder Elisabethinen und wurden dort gratis behandelt. Dafür haben wir dort gepredigt, Beichte gehört und Exerzitien gegeben." Mittlerweile habe der Orden beschlossen, es brauche doch eine Versicherung. "Ich traue mir zu sagen, auch Franziskus würde das heute so sehen", so Lackner.

Nicht übersehen dürfe man, dass Franziskus trotz seiner selbst gelebten Askese großzügig war und sehr wohl große Menschlichkeit und Verständnis für die Bedürfnisse seiner Mitbrüder an den Tag legte. Lackner erwähnte hier das Beispiel eines Bruders, der in der Nacht vor Hunger infolge des strengen Fastens weinte - worauf Franziskus die ganze Gemeinschaft aufstehen hieß und allen ein Mahl auftischen ließ, um den betroffenen Mitbruder nicht bloßzustellen. Das Fleischessen sei den Franziskanern im Gegensatz zu anderen Orden ihrer Zeit sehr wohl gestattet gewesen - "weil wenn du bettelst, musst du essen, was du bekommst", so Lackner über den Gedankengang seines Gründers. Freilich habe dieser seinen eigenen Körper als "Bruder Esel" bezeichnet und sich manchmal bei diesem entschuldigt, ihm des Öfteren arg zugesetzt zu haben.

Nachfolge muss Wagnis bleiben

Dennoch würde Franziskus auch heute "die Kirche aufrütteln", so Lackners Überzeugung. "Er würde uns wie damals auf zeichenhafte Weise daran erinnern, dass die Nachfolge Jesu auch heute noch ein Wagnis sein muss, um für das Neue offen zu sein. Wie er es tun würde und wie er heute die Sehnsucht nach Gott wecken würde, weiß ich nicht - wir müssen darüber weiter nachdenken." Auch Franziskus habe viele Antworten nicht parat gehabt, sei mit vielen Vorstellungen nicht durchgekommen und habe anfangs gar nicht vorgehabt, eine eigene Ordensregel zu verfassen, da er davon ausgegangen sei, die Heilige Schrift allein genüge als Vorgabe für die sich formierende Gemeinschaft. Auch die erst auf das Drängen des Papstes erstellten Statuten hätten zunächst fast nur aus Bibelzitaten bestanden.

(O-Töne des Interviews in Kürze unter www.kathpress.at/audio)
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