Bulgarischer Nationalheld nach 1.000 Jahren wieder in seiner Heimat
03.10.202615:59
Bulgarien/Kultur/Archäologie/Geschichte/Kirche
Gebeine von Zar Samuil wurden von Thessaloniki nah Sofia überführt
Sofia, 03.10.2026 (KAP/KNA) Der bulgarische Nationalheld Zar Samuil (958-1014) ist mehr als 1.000 Jahre nach seinem Tod zurück in seiner Heimat. In einer öffentlichen Zeremonie wurden die sterblichen Überreste des Herrschers am Samstag vom griechischen Thessaloniki aus in die bulgarische Hauptstadt Sofia überführt. Dort wurden sie im Zentrum der Stadt von den Spitzen von Staat und bulgarisch-orthodoxer Kirche im Beisein zahlreicher Schaulustiger in Empfang genommen. Vorausgegangen waren der Rückgabe jahrelange Verhandlungen zwischen Bulgarien und Griechenland, berichtete die deutsche Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) am Samstag.
Am Morgen war demnach ein Regierungsflugzeug mit den Gebeinen in Thessaloniki gestartet und eskortiert von vier Kampfflugzeugen am Mittag in Sofia gelandet. Dort wurde der Sarg mit einer Militärkapelle, Salutschüssen und Applaus begrüßt. In der Menge waren zahlreiche bulgarische Flaggen zu sehen. Eine übergroße Fahne wurde entrollt und traditionelle bulgarische Instrumente erklangen. Eine Prozession, an der Tausende teilnahmen, geleitete die Gebeine in die Sophienkirche, nach der die Stadt benannt ist. In einem Gottesdienst wurden die sterblichen Überreste in einem eigens dafür angefertigten Steinsarkophag beigesetzt. Dort sollen sie nun endgültig bleiben.
Samuil war ab Ende des 10. Jahrhunderts einer der letzten Zaren Bulgariens und gilt dort als nationale Identifikationsfigur. Mehr als 40 Jahre lang verteidigte er das Bulgarische Reich, das damals von Schwarzen Meer bis an die Adria und bis ins heutige Griechenland reichte, gegen das rivalisierende Byzantinische Reich. In der Schlacht von Kleidion siegten 1014 dann aber die Byzantiner. Laut einer in Bulgarien populären Überlieferung blendeten die Sieger 15.000 bulgarische Gefangene, bevor diese zu Samuil zurückkehrten. Der Anblick soll zu seinem Tod nur wenige Tage später geführt haben. Bulgarien wurde später Teil des Byzantinischen Reiches.
1969 waren in Griechenland Sarkophage entdeckt worden, in denen unter anderem die Gebeine von Samuil vermutet werden. Sie lagen zuletzt im Museum für byzantinische Kultur in Thessaloniki. Seit 2022 hatten Griechenland und Bulgarien über eine Überführung nach Bulgarien verhandelt. In dieser Woche war es zu einer Einigung gekommen. Bulgarien übergab im Tausch mehrere kirchliche Reliquien an Griechenland.