Hunderte Maturanten starten mit kirchlichem Segen ins letzte Schuljahr
05.10.202611:27
Österreich/Kirche/Schüler/Schule/Ökumene
Über 1.400 Jugendliche feierten ökumenische Gottesdienste in Kärnten und Oberösterreich - Kirchenvertreter: "Ihr seid mehr als eure Noten und Leistungen"
Klagenfurt/Linz, 05.10.2026 (KAP) Mehrere hundert angehende Maturantinnen und Maturanten sind in Kärnten und Oberösterreich mit ökumenischen Feiern und dem Segen der Kirchen in ihr letztes Schuljahr gestartet. Die Begegnungstage vergangene Woche standen im Zeichen der Ermutigung: Angesichts von Leistungsdruck und Zukunftsängsten betonten die Kirchenvertreter übereinstimmend den Wert der Jugendlichen abseits von Noten und schulischem Erfolg. In Kärnten kamen rund 600 Schülerinnen und Schüler der Allgemeinbildenden und Berufsbildenden Höheren Schulen (AHS und BHS) in der Wallfahrtskirche Maria Saal zu einem ökumenischen Wortgottesdienst zusammen. In Linz begaben sich 800 Jugendliche beim "SpiriTRAIL" auf eine Stadtrallye durch die Linzer Innenstadt, bevor sie eine ökumenische Segensfeier im Mariendom feierten.
Im Rahmen der traditionellen Maturawallfahrt in Kärnten feierten der katholische Diözesanbischof Josef Marketz und die evangelische Pfarrerin Regina Leimer den Gottesdienst mit den Maturanten. Gerade angesichts von Leistungsdruck und Zukunftsfragen erinnerte Marketz die Jugendlichen daran, dass die Matura zwar ein wichtiger Lebensabschnitt sei, nicht aber zum alleinigen Maßstab für den eigenen Wert werden dürfe, "denn ihr seid mehr als eure Noten, die ihr bei der Matura bekommen werdet, ihr seid mehr als die Leistung, die ihr abrufen werdet". Der Bischof ermutigte die Jugendlichen, als "Gesegnete" ihren ganz persönlichen Weg zu gehen und durch ihr Wissen und Handeln selbst zum Segen für andere zu werden.
Pfarrerin Leimer, die Superintendentin Andrea Mattioli vertrat, bezeichnete die Reifeprüfung als eine klassische Übergangssituation. In solchen Phasen stellten sich auch Menschen, "die mit Gott und dem Glauben sonst nicht viel am Hut haben", gerne unter Gottes Segen. Der Segen ersetze zwar nicht das Lernen, schenke aber als Kraft von innen heraus Widerstandskraft und Resilienz für alle kommenden Widrigkeiten, so Leimer. Organisiert wurde die Kärntner Wallfahrt vom Bischöflichen Schulamt der Diözese Gurk in Kooperation mit der Bildungsdirektion für Kärnten.
Über 800 Jugendliche beim "SpiriTRAIL"
Über 800 Schülerinnen und Schüler des Maturajahrgangs nahmen am gemeinsam von der katholischen und evangelischen Kirche gestalteten "SpiriTRAIL" durch die Linzer Innenstadt teil. An mehreren Stationen setzten sie sich mit ihrer Schulzeit, persönlichen Herausforderungen und Zukunftsplänen auseinander. Den Abschluss bildete eine Segensfeier mit dem katholischen Bischof Manfred Scheuer, dem evangelischen Superintendenten Gerold Lehner und der Diözesanjugendreferentin der evangelischen Jugend Oberösterreich Sibille Schöntauf im Mariendom.
Bei der Segensfeier legten die Jugendlichen symbolische "Fundstücke" ihres Weges im Altarraum ab. Im Gegenzug erhielten sie ein "Segenssäckchen" mit stärkenden Utensilien für die Prüfungszeit - etwa einem Anti-Stress-Ball, Traubenzucker und Segenskärtchen. Im Hinblick auf Erfahrungen von Leistungsdruck, Scheitern und Stress im Maturajahr lautete die zentrale Botschaft: "Jeder Mensch ist wertvoll und geliebt - unabhängig von Leistung, Erfolg oder Misserfolg."
Perspektivenwechsel und Gottvertrauen
Bischof Scheuer lenkte den Blick auf die Doppeldimension des Segens, der sich sowohl auf die Vergangenheit als auch auf die Zukunft richte. Segen bedeute einerseits Versöhnung mit der eigenen Herkunft und den Erfahrungen der Schulzeit, inklusive der Verkostung des Schönen und Heilsamen. Andererseits gelte der Segen der noch ungewissen Zukunft, die neben Vorfreude oft auch von Ängsten und Sorgen begleitet werde.
Superintendent Lehner rief die Jugendlichen zu einem Perspektivenwechsel auf und ermutigte sie zu Gottvertrauen angesichts der Zukunft. Unter Verweis auf eine eigene schwere Krebserkrankung betonte er, dass ein tiefes Vertrauen auf Gott den Menschen auch im Versagen oder Scheitern auffange.