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Gelbe Jakobsmuschel auf Hausmauer als Wegweiser für den Jakobs-Pilgerweg am 'Camino del Norte' bei Llanes
Bild Copyright: © Michael Strassnig

Jakobsweg steuert auf neues Pilger-Rekordjahr zu

05.10.2026 12:59
Österreich/Spanien/Religion/Freizeit/Tourismus/Pilgern
Bereits eine halbe Million Pilger erhielten in Santiago de Compostela das Pilgerdiplom - Rekordnachfrage nach Camino-Pilgerpässen auch in der Erzdiözese Wien
Madrid/Wien, 05.10.2026 (KAP) Der Ansturm auf den Jakobsweg nach Santiago de Compostela ist ungebrochen und wächst weiter: In Santiago hat das Pilgerbüro am Sonntag das 500.000ste Pilgerdiplom des Jahres ausgestellt, teilte die Nachrichtenagentur KNA mit. Im Beisein von Erzbischof Francisco Prieto erhielt es die Mexikanerin Guadalupe Idalia Goicoechea Salinas, die mit ihrem Mann und ihrem Sohn die letzten 110 Kilometer des Französischen Weges von Sarria nach Santiago zurückgelegt hatte.

Damit zeichnet sich ein weiteres Rekordjahr ab. 2025 waren 530.987 zertifizierte Pilger in Santiago angekommen. Nach einer Schätzung der Regionalzeitung "La Voz de Galicia" könnten es bis Jahresende rund 570.000 sein. Zwar gehen die Zahlen von Oktober bis Dezember erfahrungsgemäß zurück, dennoch dürfte der bisherige Rekord übertroffen werden.

Auch in Österreich nimmt das Interesse zu. In der Erzdiözese Wien wurden 2026 nach Angaben von Leopold Führer vom Pilgerbüro bereits rund 3.000 Pilgerpässe bestellt - nach etwa 2.500 im Vorjahr ein neuer Höchststand. Die Zahl bezieht sich nur auf die von der Erzdiözese Wien ausgegebenen Pässe und erfasst damit nicht alle österreichischen Pilger. "Die meisten sind allein oder zu zweit unterwegs", sagte Führer im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Kathpress. Der Pilgerpass wird kostenlos gegen eine Spende ausgegeben.

Fokus auf Spiritualität

Für Führer ist dabei wichtig, den Jakobsweg nicht allein als sportliche oder touristische Fernwanderung zu verstehen. Die Erzdiözese Santiago rufe Pilgervereine dazu auf, "wieder bewusst zu machen, dass der Jakobsweg ein religiöser Pilgerweg ist und kein Weitwanderweg". Entlang der Strecke gebe es zahlreiche Möglichkeiten, diese Dimension zu erfahren, darunter insbesondere Kirchen, Gottesdienste, Wegkreuze und Marterln. "Gerade wenn man pilgert, sieht man das viel mehr, als wenn man mit dem Auto vorbeifährt", sagte Führer.

Nach Erfahrung des Pilgerexperten kann sich die religiöse Wahrnehmung während des Weges durchaus verändern. Führer verwies auf eine Befragung von Pilgern, wonach in Roncesvalles an den Pyrenäen zunächst nur etwa 20 bis 25 Prozent religiöse Gründe für ihre Pilgerreise angaben; in Santiago seien es später rund 70 bis 75 Prozent gewesen. "Irgendwas muss auf dem Weg passiert sein", so Führer. Offenbar würden sich für manche Pilger unterwegs Fragen und Erfahrungen mit einer religiösen Dimension verbinden.

Hoffen und Segnen

Dazu gehört für Führer auch das bewusste Einlassen auf die Ungewissheit des Weges. Wer morgens aufbreche, wisse häufig nicht genau, wo er am Abend übernachten werde. "Da darf man dann schon ein wenig Gottvertrauen haben, dass man was findet", sagte der Wiener Pilgerseelsorger. Zugleich gebe es unterwegs zahlreiche Gelegenheiten zum Gespräch über Glauben und Lebensfragen sowie zur Teilnahme an Pilgermessen und zum Empfang des Pilgersegens.

Eine solche Möglichkeit gibt es auch in Wien. In der Michaelerkirche am Michaelerplatz findet einmal im Monat eine abendliche Pilgermesse statt, organisiert vom Verein Jakobsweg Wien mit Gelegenheit zum Austausch bei einer anschließenden Agape. Auch der Pilgersegen kann dort nach der Messe oder nach individueller Vereinbarung empfangen werden.

Die Wiener Pilgerseelsorge berät zudem Menschen bei der Vorbereitung auf den Weg. Pilgerpässe sind unter anderem in der Servicestelle der Erzdiözese Wien erhältlich. Führer empfiehlt den Pilgern außerdem, vor dem Aufbruch bewusst einen Pilgersegen zu empfangen - was auch beim Heimatpfarrer oder später unterwegs möglich ist. In Spanien gehöre dies vielerorts fest zur Pilgertradition, dass bei Abendgottesdiensten Pilger eigens begrüßt werden und den Segen empfangen können.

Heiliges Jahr 2027

Für 2027 rechnen die Verantwortlichen mit einem weiteren deutlichen Anstieg. Dann fällt der Jakobustag am 25. Juli auf einen Sonntag, womit erneut ein Heiliges Jahr in Santiago de Compostela ansteht. Das seit dem Mittelalter bestehende Privileg eines Jubeljahres wurde 1122 von Papst Calixtus II. eingeführt und 1179 von Alexander III. bestätigt. Erfahrungsgemäß ziehen diese Jahre besonders viele Pilger an. "2027 wird mit größter Sicherheit ein noch stärkeres Jahr werden als 2026", sagte Führer.
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