Audienz beim georgischen Kirchenoberhaupt Patriarch Shio III. - Innerorthodoxe Beziehungen und Lage der Georgischen Kirche in Österreich im Mittelpunkt der Gespräche
Tiflis, 05.10.2026 (KAP) Der Wiener griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis) hat dieser Tage mit einer Pilgergruppe aus Österreich Georgien bereist. Am Rande der Reise suchte er auch gemeinsam mit seinem Weihbischof Maximos (Rudko) den georgischen Patriarchen Shio III. auf. Im Mittelpunkt der Audienz in der georgischen Hauptstadt Tiflis standen die Beziehungen zwischen der Georgischen Orthodoxen Kirche und dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel, zu dem dem die Metropolis von Austria gehört.
Die Georgisch-orthodoxe Kirche fährt im Kirchenkonflikt zwischen den Patriarchaten von Moskau und Konstantinopel einen Mittelweg und versucht, mit beiden Patriarchaten im Gespräch zu sein. So nahm auch der Ökumenische Patriarch Bartholomaios am Begräbnis des im März verstorbenen früheren georgischen Patriarchen Ilia II. teil.
Die Georgische orthodoxe Kirche hat auch in Österreich kirchliche Strukturen und ist Mitglied der Orthodoxen Bischofskonferenz von Österreich, deren Vorsitzender Metropolit Arsenios ist. Auch die innerorthodoxen Beziehungen in Österreich waren laut Mitteilung des georgischen Patriarchats Thema des Gesprächs in Tiflis.
Konflikt um Abchasien und Südossetien
Deutlich brisanter dürfte dieser Tage eine zweite Audienz am Amtssitz von Patriarch Shio verlaufen sein. Das georgische Kirchenoberhaupt empfing eine Delegation des Moskauer Patriarchats mit Metropolit Antonij (Sevrjuk) an der Spitze, dem kirchlichen Außenbeauftragten des Patriarchats. Laut dem Portal "Orthodox Times" stand die Lage der Georgisch-orthodoxen Kirche in Abchasien und der Region Zchinwali in Südossetien im Mittelpunkt des Gesprächs. Die Lage vor Ort würde sich sehr negativ auf die Beziehungen zwischen der Georgischen und Russischen Orthodxen Kirche auswirken, sagte ein georgischer Kirchensprecher am Rande des Treffens. Es müssten Wege gefunden werden, die bestehenden Konflikte zu lösen und die Beziehungen wieder zu verbessern.
Der Hintergrund: Die abtrünnigen georgischen Gebiete Südossetien und Abchasien haben sich 2008 mit militärischer Hilfe Russlands in einem Krieg von Georgien abgespalten. Moskau hat in Südossetien und Abchasien bis heute Truppen stationiert und beide Regionen als unabhängige Staaten anerkannt. Georgien kritisiert dies als Bruch des Völkerrechts. Die orthodoxe Kirche in Abchasien hat sich 2009 einseitig von der Georgisch-orthodoxen Kirche abgespalten, ist aber von keiner anderen orthodoxen Kirche anerkannt. Auch das Moskauer Patriarchat hat dies bislang nicht getan, wiewohl es vonseiten der abchasischen Kirche immer wieder Vorstöße dazu gibt.
Moskau hat bislang auch noch keine definitiven Schritte unternommen, die beiden Gebiete in die eigene Jurisdiktion einzugliedern bzw. sie als eigenständig (autokephal) anzuerkennen. Kleinere Auseinandersetzungen mit dem Patriarchat von Georgien gibt es aber von Zeit zu Zeit; etwa, wenn es um die Frage geht, ob die Russisch-orthodoxe Kirche eigene Militärgeistliche nach Südossetien entsendet.