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Kardinal Parolin spricht bei UN-Generalversammlung in New York
Bild Copyright: © UN Photo/Laura Jarriel

Parolin: Frieden erfordert Abkehr von der "Logik der Macht"

05.10.2026 14:51
Vatikan/USA/Kirche/Konflikte/Krieg/Diplomatie
Kardinalstaatssekretär in Zeitungsinterview: "Unfähigkeit, den anderen als Bruder statt als Rivalen anzuerkennen" ist eine der Hauptursache von Konflikten
New York, 05.10.2026 (KAP) Der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hat angesichts der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten zu mehr Diplomatie, zur Achtung des Völkerrechts und zu einer Erneuerung der internationalen Zusammenarbeit aufgerufen. "Um die Kriege zu beenden, muss man aus einer Logik der Macht herauskommen", sagte Parolin in einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit der italienischen Tageszeitung "La Repubblica". Zu den tieferen Ursachen von Konflikten zählten Ungleichheiten, Ausgrenzung, die Verweigerung grundlegender Rechte und die Unfähigkeit, den anderen als Bruder statt als Rivalen anzuerkennen.

Mit Blick auf die Vereinten Nationen äußerte Parolin zugleich Sorge über die Krise des Multilateralismus. Bei der jüngsten UN-Generalversammlung in New York habe er einen "weit verbreiteten Pessimismus" wahrgenommen, auch innerhalb der UNO selbst. Positiv seien jedoch die wiederholten Aufrufe zur Rückkehr zu den Grundsätzen des Völkerrechts. Voraussetzung für eine Erneuerung der internationalen Zusammenarbeit seien grundlegende menschliche Werte und neuer politischer Wille. Als Hauptursache der gegenwärtigen Krise bezeichnete Parolin den Verlust gegenseitigen Vertrauens. Nur ein "kontinuierlicher Reformprozess" könne jenen Multilateralismus hervorbringen, der den veränderten Umständen angemessen sei, so der Chefdiplomat des Papstes.

Besorgt äußerte sich Parolin über die Lage am Persischen Golf. Die indirekten Kontakte zwischen den Konfliktparteien verfolge der Heilige Stuhl aufmerksam, nachdem die bisherigen Gespräche noch keine dauerhafte Lösung gebracht hätten. Die Lage sei "vor allem wegen des Preises, den die Zivilbevölkerung zahlt", besorgniserregend. Der Heilige Stuhl rufe deshalb weiterhin alle Beteiligten auf, den Dialog der Gewalt vorzuziehen.

Auch die humanitäre Lage im Gazastreifen sei "weiterhin äußerst schwierig", sagte der Kardinalstaatssekretär. Die Wiedereröffnung der Schule des Lateinischen Patriarchats in Gaza-Stadt, die mehr als 1.000 Schüler aufnimmt, bezeichnete er als "wahres Wunder zwischen den Trümmern" und als "Zeichen der Hoffnung". Die vom Heiligen Stuhl unterstützte politische Perspektive bleibe eine Zwei-Staaten-Lösung, die sowohl den Palästinensern als auch den Israelis ein Leben in Frieden in ihrer Heimat ermöglichen solle.

Den Krieg in der Ukraine bezeichnete Parolin als "echte Tragödie". Die Lage des Landes sei mit Blick auf den bevorstehenden Winter besonders besorgniserregend, zugleich steige die Zahl der Opfer weiter. "Man darf einem Volk nicht das Recht verweigern, sich zu verteidigen", sagte der Kardinal. Gleichzeitig müsse es darum gehen, die Kampfhandlungen zu beenden. Der Heilige Stuhl unterstütze daher jede Initiative für einen "sofortigen, vollständigen und wirksamen Waffenstillstand" und sei bereit, "auf jede erdenkliche Weise" zu helfen.

Angesichts der zunehmenden Angriffe und des Todes von Zivilisten pochte Parolin auf die strikte Einhaltung des Völkerrechts. Eine dauerhafte Lösung für den Ukraine-Krieg könne zudem nicht ohne ein erneuertes Engagement für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa erreicht werden. - Angaben der Vereinten Nationen zufolge benötigen 2026 weltweit mehr als 240 Millionen Menschen humanitäre Hilfe und Schutz.
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