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Bartholomaios verteidigt Panorthodoxes Konzil von Kreta

06.10.2026 14:47
Frankreich/Kirche/Konzil/Orthodoxie/Bartholomaios
Ökumenischer Patriarch eröffnete internationale Konferenz in Frankreich, die dem Panorthodoxen Konzil auf Kreta vor zehn Jahren gewidmet ist
Paris, 06.10.2026 (KAP) Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. hat die Einberufung und Abhaltung des Panorthodoxen Konzils vor zehn Jahren auf Kreta verteidigt. Bei einer Tagung in Chantilly bei Paris aus Anlass des 10-Jahre-Jubiläums des Konzils bezeichnete der Patriarch das Konzil sogar als ein "entscheidendes" kirchliches Ereignis für das Selbstverständnis und den Kurs der zeitgenössischen Orthodoxie. Sowohl die Einberufung als auch die Beschlüsse des Konzils seien "ein wichtiges Kapitel in der synodalen Identität und Geschichte" der Kirche und ein wertvolles Erbe für künftige Generationen, so der Patriarch Montagabend in seiner Eröffnungsrede laut dem "Pro Oriente"-Informationsdienst.

Bartholomaios erinnerte an den langen und schwierigen Prozess, der dem Konzil vorausging, und hob die Rolle des Ökumenischen Patriarchats bei dessen Vorbereitung und Einberufung hervor. Kritisch erinnerte er einmal daran, dass vier autokephale Kirchen - das Patriarchat von Antiochien sowie die Russisch-, Bulgarisch- und Georgisch-orthodoxe Kirche - am Konzil nicht teilnahmen.

Die vier Kirchen hätten ihre Entscheidung "auf der Grundlage nicht-kirchlicher Kriterien" getroffen. Eine Verschiebung des Konzils sei gleichwohl nicht infrage gekommen, so Bartholomaios: "Es gab keinen theologischen oder ekklesiologischen Grund, warum das Konzil nicht stattfinden sollte", betonte er und fügte hinzu, dass eine Verschiebung "seine endgültige Absage bedeutet hätte - und vielleicht war dies genau das, was einige wünschten und anstrebten."

Der Ökumenische Patriarch warnte in seiner Rede weiters vor den Auswüchsen der Säkularisierung und der kirchlichen Introversion und argumentierte, dass ein authentisches christliches Zeugnis nicht aus einer "verschlossenen und düsteren Orthodoxie" hervorgehen könne. Das Zeugnis der Kirche müsse ein "Zeugnis der Freiheit" sein, da Christus der Befreier und die Kirche ein Ort "gelebter Freiheit" sei.

Der Ökumenische Patriarch sprach auch über die Rolle der orthodoxen Theologie in der heutigen Welt und betonte, dass der Dialog mit der modernen Kultur nicht bedeute, die Kirche dem Zeitgeist anzupassen. Gleichzeitig hielt er fest, die orthodoxe Theologie müsse fundamentalistischen Strömungen, die das Konzil als "Ausdruck krankhafter Religiosität" bezeichnet hatte, entschieden widerstehen. Sonst komme es zu Intoleranz und Gewalt "im Namen Gottes".

Die internationale Tagung in Chantilly in Frankreich ist bis Donnerstag anberaumt und steht unter dem Generalthema "Das Heilige und Große Konzil der Orthodoxen Kirche (2016-2026): Bilanz und Perspektiven". Zahlreiche orthodoxe Metropoliten, Erzbischöfe und Bischöfe aus aller Welt sowie Theologinnen und Theologen zählen zu den Teilnehmenden und Referierenden. Mit Erzbischof Ioannis von Albanien und Patriarch Bartholomaios sind auch zwei Kirchenoberhäupter vor Ort. Von katholischer Seite wird u.a. der Leiter des Instituts für Ökumenische Studien an der Päpstlichen Universität St. Thomas von Aquin in Rom und Mitarbeiter des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen, Prof. Hyacinthe Destivelle, das Wort ergreifen.

Konzil mit vielen Hürden

Das Panorthodoxe Konzil fand vom 18. bis 27. Juni 2016 auf Kreta statt. Die Kirchenvertreter von zehn autokephalen orthodoxen Kirchen tagten unter dem Vorsitz des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., und berieten über zentrale innerkirchliche Fragen und die Beziehungen der Orthodoxie zur Welt.

Dem Konzil war ein jahrzehntelanger innerorthodoxer Vorbereitungsprozess vorangegangen, an dem alle orthodoxen Kirchen teilgenommen hatten. Die Russische, Georgische und Bulgarische Orthodoxe Kirche sowie das Patriarchat von Antiochien sagten ihre Teilnahme dann aber sehr kurzfristig ab. Mit dabei waren die Oberhäupter der Patriarchate von Konstantinopel, Alexandrien und Jerusalem, der Serbischen und Rumänischen Orthodoxen Kirche sowie der Orthodoxen Kirchen von Zypern, Griechenland, Polen, Albanien und Tschechien/Slowakei teil. Insgesamt waren rund 160 offizielle Delegierte vor Ort. Unter den nicht-orthodoxen Beobachtern war u.a. der vatikanische "Ökumene-Minister" Kardinal Kurt Koch.

Die verabschiedeten Texte des Konzils beinhalten die Botschaft der Synode an das Volk Gottes, die Enzyklika der Synode sowie sechs verabschiedete Synodaldokumente: "Die Bedeutung des Fastens", "Das Sakrament der Ehe", "Die Autonomie von Kirchen und die Weise ihrer Proklamation", "Die orthodoxe Diaspora", die "Beziehungen der Orthodoxen Kirche zur übrigen christlichen Welt" sowie "Die Sendung der Kirche in der Welt von heute".

Einige Themen bzw. Fragen waren so umstritten, dass man sich im Zuge des Vorbereitungsprozesses auf keine Vorlagen einigen konnte. Diese Themen kamen nicht auf die Tagesordnung des Konzils. Das betraf in erster Linie der Frage der Gewährung der "Autokephalie" (Unabhängigkeit) für eine Kirche.

Diese Frage führte in den Jahren nach dem Konzil dann schließlich auch zum großen Zerwürfnis zwischen Moskau und Konstantinopel. Wegen der Autokephalie-Gewährung des Ökumenischen Patriarchats an die Orthodoxe Kirche der Ukraine (OKU) hat Moskau mit dem Ökumenischen Patriarchat und anderen orthodoxen Landeskirchen, die die Unabhängigkeit der OKU anerkannten, die Eucharistiegemeinschaft aufgehoben. Eine Lösung in diesen und weiteren Konfliktfällen ist derzeit nicht in Sicht.
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