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Kinder spielen in zerstörten Häusern in Gaza
Hilfsorganisation
Bild Copyright: © KNA-bild.de / Andrea Krogmann

Drei Jahre nach Hamas-Angriff: Caritas fordert echten Waffenstillstand

06.10.2026 10:55
Österreich/Israel/Palästina/Hilfsorganisation/Krieg/Terrorismus/Menschenrechte/Politik
Caritas-Österreich-Vizepräsident Bodmann: Hamas-Verbrechen vom 7. Oktober "sind nicht zu rechtfertigen" - Hilfsorganisation beklagt gleichzeitig anhaltende humanitäre Not in Gaza und Lage im Westjordanland - Appell an nationale und internationale Politik: Einhaltung des humanitären Völkerrechts gewährleisten
Wien, 06.10.2026 (KAP) Drei Jahre nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel und dem Beginn des Gaza-Krieges hat die Caritas Österreich erneut ein Ende des Leidens der Zivilbevölkerung im Nahen Osten gefordert. Die humanitäre Lage im Gazastreifen sei weiterhin katastrophal, erklärte Caritas-Vizepräsident Alexander Bodmann am Dienstag in einer Aussendung. Humanitäre Hilfslieferungen würden weiterhin von der israelischen Regierung behindert, während die Bevölkerung in Gaza unter Gewalt, Zerstörung, Vertreibung, Ernährungsunsicherheit, Wassermangel und unzureichender medizinischer Versorgung leide. Die Caritas appelliert an die nationale und internationale Politik, sich für die Einhaltung des humanitären Völkerrechts einzusetzen und für einen "Waffenstillstand, der diesen Namen auch verdient".

"Die schrecklichen Verbrechen, die von der Hamas und anderen Gruppen begangen wurden, sind nicht zu rechtfertigen. Der 7. Oktober 2023 ist ein traumatischer Tag der Trauer für Israelis, denn hier haben Menschen geliebte Angehörige verloren", erklärte Bodmann seine Anteilnahme für die Angehörigen des Terroranschlags, bei dem 1.200 Menschen getötet und 251 Menschen als Geiseln verschleppt wurden. Auch die steigende Zahl antisemitischer Vorfälle sei nicht zu rechtfertigen.

Gazastreifen großflächig zerstört

Dennoch müsse die Caritas "scharfe Kritik an der beispiellosen humanitären Katastrophe im Gazastreifen üben und sich für eine Verbesserung der Situation einsetzen". Im Gaza-Krieg seien mehr als 73.000 Tote zu beklagen. Trotz des Waffenstillstands vom Oktober 2025 greife die israelische Armee fast täglich Ziele und die Zivilbevölkerung im Gazastreifen an, so die Kritik Bodmanns. "Der Gazastreifen ist großflächig zerstört worden und hunderttausende Palästinenserinnen und Palästinenser haben ihr Zuhause verloren. Sie leben in provisorischen Zeltunterkünften oder beschädigten Gebäuden, die oft einsturzgefährdet sind." Seit dem Waffenstillstand im Oktober 2025 seien laut Vereinten Nationen 1.123 Menschen getötet und 3.616 verletzt worden.

Besonders dramatisch sei die Situation für Kinder, erklärte Bodmann. Im Gazastreifen wachse eine Generation heran, die nichts anderes kenne als Krieg: "Die Kinder haben keine Chance, in die Schule zu gehen oder ein normales Leben zu führen." Zudem verwies der Caritas-Österreich-Vizepräsident auf die hohe Zahl getöteter und schwer verletzter Kinder. UN-Schätzungen gingen davon aus, dass bis zu 18.000 Kinder in dem Krieg getötet wurden. Zudem lebe im Gazastreifen die größte Gruppe amputierter Kinder der modernen Geschichte. "Dass so etwas geschehen kann, ist einfach nur verstörend", so Bodmann.

Eskalation auch im Westjordanland

Mit Blick auf die bevorstehende Regenzeit und den Winter warnte Bodmann vor Überschwemmungen und Krankheiten, denen die in Zelten oder beschädigten Gebäuden lebenden Menschen besonders ausgesetzt seien. Finanzierungsengpässe und Zugangsbeschränkungen erschwerten zugleich die Arbeit von Hilfsorganisationen. Auch die Situation im Westjordanland eskaliere durch Siedlergewalt und Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung: "Häuser werden besetzt und zerstört, Kinder gezielt ins Visier genommen. Seit dem Waffenstillstand gibt es täglich Angriffe mit Todesopfern und Verletzten", schilderte Bodmann. Auch dort sei der Zugang für humanitäre Hilfe eingeschränkt.

Rasche Hilfe sei gefordert, mahnte Bodmann die österreichische Regierung, "alle Hebel in Bewegung" zu setzen, "damit Hilfsorganisationen wie die Caritas auch weiterhin effizient Hilfe leisten können". Es stelle sich beispielsweise die Frage, wieso dem zu einer Kinderambulanz umgebauten ehemaligen Papamobil des verstorbenen Papst Franziskus die Einreise in den Gazastreifen verweigert werde. Nur 40 Prozent der für 2026 erforderlichen humanitären Mittel seien eingelangt, so Bodmann weiter.

Hilfsmaßnahmen der Caritas

Die Caritas Österreich unterstützt über die Caritas Jerusalem und die Partnerorganisation Catholic Relief Services (CRS) die laufenden Hilfsmaßnahmen im Gazastreifen und im Westjordanland. "Seit Oktober 2025 hat unsere Partnerorganisation CRS 622 Lkw-Ladungen mit humanitären Hilfsgütern aus Jordanien und 137 Lkw-Ladungen aus Ägypten nach Gaza transportiert und damit die humanitären Einsätze trotz anhaltender Zugangsbeschränkungen unterstützt", betonte Bodmann.

Die Hilfsmaßnahmen umfassen finanzielle Soforthilfe, medizinische Versorgung, Lebensmittel und Hygieneartikel sowie Materialien für Unterkünfte und Winterausrüstung wie Decken, Matratzen, Zelte und Planen. Auch Notunterkünfte für intern vertriebene Menschen und psychosoziale Unterstützung werden bereitgestellt. Angesichts des Trinkwassermangels, von dem nach Angaben der Caritas 91 Prozent der Haushalte im Gazastreifen betroffen sind, spiele auch die Bereitstellung von Trinkwasser durch die Caritas Jerusalem eine wichtige Rolle.

(Caritas-Spendenkonto: IBAN AT23 2011 1000 0123 4560; Kennwort: Nahost-Konflikt. Online-Spenden unter www.caritas.at/nahost-konflikt)
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