Erzbischof von Buenos Aires am Gedenktag der Schutzpatronin Argentiniens: Land braucht dringend Vergebung, Solidarität, Versöhnung und "viele Umarmungen"
Buenos Aires, 06.10.2026 (KAP) Wenige Wochen vor dem Besuch von Papst Leo XIV. in Argentinien hat der Erzbischof von Buenos Aires, Jorge García Cuerva, zur Überwindung der gesellschaftlichen Spaltung des Landes aufgerufen. Argentinien sei "verwundet" und brauche Vergebung, Solidarität und Versöhnung, sagte der Erzbischof am Sonntag bei einer Messe zum Abschluss der traditionellen Wallfahrt zur Basilika Unserer Lieben Frau von Luján, der Schutzpatronin Argentiniens.
"Unsere Heimat braucht viele Umarmungen", sagte García Cuerva. Nötig seien angesichts von Beleidigungen, Intoleranz und Gewalt nicht nur formale Gesten, sondern eine Versöhnung "aus der Seele". Wie die Blasen an den Füßen der Pilger müsse auch die Gesellschaft ihre Wunden heilen, so der Erzbischof.
Unsere Liebe Frau von Luján gilt als Schutzpatronin Argentiniens. Der Ursprung der Verehrung geht auf das Jahr 1630 zurück, als der Überlieferung zufolge eine Statue der Jungfrau Maria auf dem Weg nach Buenos Aires bei Luján auf wundersame Weise nicht mehr weitertransportiert werden konnte. An der seit 1974 stattfindenden Jugendwallfahrt zum Nationalheiligtum nahmen nach Angaben der Provinzregierung in diesem Jahr rund 2,7 Millionen Menschen teil. Viele Pilger legten den rund 60 Kilometer langen Weg von Buenos Aires nach Luján zu Fuß zurück.
Erzbischof García Cuerva hatte bereits zuvor erklärt, der Papst werde bei seinem Besuch auf ein "verwundetes, gespaltenes Argentinien" treffen. Die politische Polarisierung - häufig als "la grieta" bezeichnet - trennt insbesondere Anhänger des Peronismus und dessen Gegner. Zugleich lebt weiterhin rund ein Drittel der Bevölkerung in Armut.
Erste Lateinamerika-Reise von Leo XIV.
Papst Leo XIV. wird Argentinien vom 8. bis 11. November besuchen. Es ist seine erste Reise nach Lateinamerika als Papst und Teil einer längeren Reise, die ihn vom 6. bis 17. November auch nach Uruguay und Peru führt. In Peru war Leo als Augustiner tätig und später Bischof.
Sein Argentinien-Besuch dürfte auch soziale Fragen in den Mittelpunkt rücken. Vorgesehen ist unter anderem ein Besuch im Pequeño Cottolengo Don Orione, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderungen. Angehörige beklagen Kürzungen staatlicher Leistungen und Schwierigkeiten beim Zugang zu Therapien und anderen Unterstützungsangeboten.
Auch in kirchlichen Einrichtungen zeigt sich die soziale Not. Das Sozialzentrum am Heiligtum San Cayetano in Buenos Aires versorgt nach Angaben seines Rektors dreimal wöchentlich rund 800 Menschen mit einer Mahlzeit. Viele Menschen suchten Arbeit oder fürchteten um ihre Beschäftigung.
Rückläufige Armutsquote
Argentiniens Präsident Javier Milei wirbt seinerseits für den Papstbesuch. Seine Regierung verweist auf Fortschritte bei der Bekämpfung der zuvor dreistelligen Inflation und einen Rückgang der Armutsquote auf zuletzt rund 32 Prozent. Zugleich steht die Regierung wegen ihrer Sparpolitik und Kürzungen bei Sozialleistungen unter Druck.
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