Schulbischof Rougé kritisiert Gewalt bei Demonstrationen und fordert zugleich mehr Zuhören und Unterstützung für junge Menschen
Paris, 06.10.2026 (KAP) Angesichts der Ausschreitungen bei den jüngsten Schülerprotesten in Frankreich hat der für den Bildungsbereich zuständige Bischof der Französischen Bischofskonferenz, Matthieu Rougé, die Gewaltakte als "zerstörerisch" verurteilt, zugleich auf die Ursachen der Proteste verwiesen und zu friedlichem Dialog aufgerufen. In einem am Montag veröffentlichten Interview mit dem Nachrichtenportal "Vatican News" sagte Rougé, die Gewalt spiegle die "Not dieser Generation junger Menschen" wider.
Das Anzünden von Schulen, darunter auch neu errichteter Gebäude, sei eine Form zerstörerischer Gewalt, die nicht hingenommen werden könne, stellte der Bischof klar. Zugleich verwies er auf familiäre, wirtschaftliche, soziale und geopolitische Krisen sowie die Klimakrise. Viele junge Menschen seien bewusst oder unbewusst um ihre Zukunft besorgt und sähen darin zu wenig Perspektiven.
Rougé betonte, Erwachsene müssten jungen Menschen helfen, ihre Sorgen auf andere Weise auszudrücken. Teilweise fehle ihnen die nötige Reife und Fähigkeit zur sprachlichen Selbstäußerung, um ihre Not anders als durch Gewalt zum Ausdruck zu bringen.
Die Proteste seien zugleich ein Aufruf, jungen Menschen mehr Aufmerksamkeit zu schenken, auch an katholischen Schulen. Dort müsse es Räume für Zuhören und Austausch geben. Die Kirche stehe für "Frieden", eine andere Form des Ausdrucks und dafür, Jugendlichen zuzuhören. Rougé verwies zudem auf Papst Leo XIV., der junge Menschen zum Einsatz für den Frieden und zu einer verantwortungsvollen Freiheit aufgerufen habe.
Die Proteste hatten Ende September begonnen. Schüler kritisierten unter anderem die Qualität des Unterrichts, fehlende Lehrkräfte, überfüllte Klassen und eine unzureichende Ausstattung. Anfang Oktober kam es bei mehreren Demonstrationen zu Brandstiftungen, Plünderungen und Zusammenstößen mit der Polizei. Nach offiziellen Angaben wurden bislang rund 6.100 Menschen festgenommen, 85 Prozent davon Minderjährige. Mehr als 700 Polizisten und rund 215 Jugendliche wurden verletzt. Am Dienstag waren nach Angaben des Bildungsministeriums fast 900 Schulen ganz oder teilweise geschlossen.
Der Jugendseelsorge-Beauftragte der Bischofskonferenz, Christophe Danset, sagte, die Gewalt zeige eine andere Seite der französischen Jugend als die feierlichen Veranstaltungen beim Papstbesuch Ende September. Beides sei Ausdruck derselben Realität: eines "echten Durstes" auf der einen Seite und einer menschlichen und spirituellen Krise auf der anderen Seite.