Direktorin Tödtling-Musenbichler am Aktionstag "Seelische Gesundheit": Plauderbankerl, Erzählcafés und weitere Angebote schaffen niederschwellige Begegnungen
Graz, 07.10.2026 (KAP) Unter dem Titel "Wege aus der Einsamkeit" hat die steirische Caritasdirektorin Nora Tödtling-Musenbichler am Mittwoch zum Aktionstag "Seelische Gesundheit" im Grazer Augarten zahlreiche Initiativen gegen soziale Isolation vorgestellt. Einsamkeit sei zwar ein individuelles, schwer fassbares Gefühl, doch längst kein Privatproblem mehr, erklärte Tödtling-Musenbichler. Sie betreffe nicht nur einzelne Menschen, sondern die gesamte Gesellschaft, forderte sie zu gesellschaftlichem und politischem Engagement und Zusammenhalt auf. "Ein gutes gemeinschaftliches Miteinander in Solidarität ist Grundpfeiler unserer Gesellschaft und der Demokratie. Daher ist es eine gesellschaftliche und eine politische Aufgabe, Menschen aus der Einsamkeit zu holen", so Tödtling-Musenbichler.
Wie massiv das Problem in Österreich ist, verdeutlichen aktuelle Daten: Eine gemeinsame Umfrage von Caritas Österreich und dem Foresight-Institut habe im Vorjahr ergeben, dass sich über 700.000 Menschen im Land sehr häufig einsam fühlen. "Es ist schockierend, wie viele Menschen in unserer Gesellschaft niemanden haben, dem sie ihre Sorgen anvertrauen können", warnte die Caritasdirektorin. Zwar ziehe sich Einsamkeit durch alle sozialen Schichten, besonders gefährdet seien jedoch Menschen mit finanziellen Problemen, sozialen Schwierigkeiten oder gesundheitlichen Belastungen.
Plauderbankerl und Erzählcafé
In der Steiermark hat die Hilfsorganisation mit Pfarren, Gemeinden und Initiativen in den steirischen Regionen unterschiedliche Angebote entwickelt, die niederschwellig erreichbar sind, "denn oft fehlt nur die Gelegenheit für einen ersten Schritt", so Tödtling-Musenbichler. Das Plauderbankerl im Augarten sei dafür ein gutes Beispiel: "Wenn jemand reden will, kann er oder sie hier jemanden finden, der für ein Gespräch offen ist. Da fällt das erste Wort leichter", sagte Tödtling-Musenbichler. Zum Aktionstag Seelische Gesundheit (7. Oktober) haben Schülerinnen und Schüler der HLW Grabenstraße den Platz um das Plauderbankerl mit Blumenschmuck gestaltet, um zu zeigen, "Gespräche und Begegnung machen die Welt ein Stück schöner".
Weitere Angebote
Weiters lädt das Grazer Erzählcafé regelmäßig zum Austausch persönlicher Geschichten und geselligen Beisammensein ein. Beim Stadtspaziergang werden gemeinsam Stadtteile erkundet. Der Filmnachmittag ist Begegnungsort, um "alte Filme" gemeinsam anzuschauen und sich an früher zu erinnern. Der Freiwillige Besuchs- und Begleitdienst unterstützt ältere und alleinstehende Menschen, wirkt Einsamkeit entgegen und begleitet beim Übergang vom Krankenhaus nach Hause.
Das Projekt Startfee vermittelt ehrenamtliche Helferinnen, die Familien mit Babys und Kleinkindern im ersten und zweiten Lebensjahr entlasten. Beim Repaircafé können gemeinsam mit Ehrenamtlichen kleine Elektrogeräte, Laptops, handliche Gegenstände und Textilien repariert sowie Messer geschliffen werden. Und Z'sammsitz'n ist ein durch Freiwillige begleiteter Begegnungsort für Gespräche, Spiele, Singen und vieles mehr in einer gemütlichen Umgebung. Die Plauderecke ist Begegnungsort für Gespräche im örtlichen Nah und Frisch.
"Es geht darum, dort, wo sich Menschen ohnehin im Alltag aufhalten, die Gelegenheit zu schaffen, in Kontakt zu kommen", sagte Tödtling-Musenbichler. Wo Begegnung und Kontakt fehlten, sinke auch die Solidarität, die für das gesellschaftliche Miteinander notwendig sei. Sie begrüßte daher, dass Österreich im Rahmen des "Yellow September" auf psychische Gesundheit aufmerksam mache.