Papst wirbt für neue Sicht der Kirche auf Ehe und Familie
07.10.202621:11
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Einwöchiges Bischofstreffen zu Ehe und Familie im Vatikan eröffnet
Vatikanstadt, 07.10.2026 (KAP) Papst Leo XIV. hat die katholischen Bischöfe aller Erdteile aufgerufen, die Seelsorge für Paare und Familien weiterzuentwickeln. Dabei sollten sie auch Fragen "mutig angehen", die sich aus dem Scheitern von Familienmodellen sowie aus aktuellen Veränderungen in den Bereichen Intimität und Sexualität ergeben.
Der Papst äußerte sich am Mittwochnachmittag im Vatikan zu Beginn einer eigens einberufenen einwöchigen Versammlung der Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen sowie der Spitzen katholischer Ostkirchen. Aus Österreich nimmt der Bischofskonferenz-Vorsitzende und Salzburger Erzbischof Franz Lackner an den Beratungen teil.
Auch von gescheiterten Familien lernen
In seiner auf Englisch vorgetragenen Eröffnungsansprache sagte Leo XIV.: "Die Weisheit des Volkes Gottes erreicht uns durch unseren gemeinsamen Glauben, der alle Familien erleuchtet - auch jene, die von Schwierigkeiten, Einsamkeit und bisweilen sogar von scheinbarem Scheitern geprägt sind."
Weiter erklärte Leo XIV. vor den rund 120 versammelten Bischofskonferenz-Vorsitzenden und Patriarchen sowie Vertretern aus Familien und weiteren Experten: "Wir können gewiss viel von den Familien lernen. Ihr Leben stellt uns außerdem vor Fragen, die es verdienen, mutig angegangen zu werden. In vielen Kontexten hat sich eine wachsende Kluft zwischen der Art und Weise, wie Sexualität und Intimität gelebt werden, und der christlichen Sicht der Ehe aufgetan."
Zehn Jahre nach Franziskus-Text
Anlass der Beratungen in der vatikanischen Audienzhalle von 7. bis 14. Oktober ist der zehnte Jahrestag des Schreibens "Amoris laetitia" (Freude der Liebe) von Papst Franziskus (2013-2025). Darin hatte Leos Vorgänger eine vorsichtige Öffnung des Umgangs der katholischen Kirche mit Menschen befürwortet, die nach einer Scheidung erneut eine Zivilehe eingegangen sind. Konservative Kardinäle und Bischöfe hatten das damals scharf kritisiert.
Leo XIV. betonte, dass die Kirche mit dem Text den Weg fortsetze, den das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) gewiesen habe. Das Reformkonzil hatte seinerzeit die Bedeutung von Ehe und Familie betont; zugleich hatte es wichtige Fragen der Ehe- und Sexualmoral ausgeklammert, die sich in den 1960er Jahren dynamisch veränderte.
"Ein wichtiger Meilenstein"
"Amoris laetitia" stelle in dem seither zurückgelegten Weg der Kirche einen "wichtigen Meilenstein" dar, erklärte Leo. Nun gebe es neue "Geschichten von Bekehrung, von unerwarteten Früchten und von den Beziehungen, die Gott innerhalb von Familien geknüpft hat, als unsere Gemeinschaften versucht haben, sie zu begleiten - zusammen mit den Schwierigkeiten, denen wir begegnet sind, den Fragen, die aufgetaucht sind, und dem, was wir auf diesem Weg gelernt haben".
Mit Nachdruck warb der Papst dafür, auch die Erfahrungen von "scheinbarem Scheitern" ernstzunehmen. Er sagte: "Die Erfahrung der Zerbrechlichkeit wirft die Frage auf, ob wir fähig sind, einander nahe zu bleiben, wenn das Leben nicht mehr dem entspricht, was man sich erhofft hatte, und ob wir das Wirken der Gnade auch in Situationen erkennen können, die von Grenzen, Wunden und scheinbarem Scheitern geprägt sind."
Von der Zerbrechlichkeit lernen
Alle könnten von Erfahrungen der Familien lernen, "da die Zerbrechlichkeit zu unserem gemeinsamen menschlichen Dasein und somit auch zum Leben der Kirche gehört. Wir alle kennen die Kluft zwischen dem Guten, das wir uns wünschen, und dem, was wir tatsächlich leben können. Wir brauchen Gnade, Vergebung und Neuanfänge, um Gottes Willen zu erfüllen."
Der Papst rief die Bischöfe und Patriarchen auf, die neuen Realitäten nicht nur zu deuten, sondern sich "von ihnen herausfordern zu lassen und unsere pastorale Verantwortung daraus zu motivieren, damit die Kirche neue Wege findet, das Evangelium zu verkünden, sakramentale Gnaden zu spenden (und) Familien zu begleiten".
Glaubensweitergabe in Familien nicht mehr selbstverständlich
Das offizielle Leitwort des Bischofstreffens lautet "Zehn Jahre nach Amoris laetita - Das Evangelium in den Familien heute verkünden". Der Präfekt des vatikanischen Dikasteriums für Laien und Familien, Kardinal Kevin Farrell, wies in einer kurzen Ansprache vor den Teilnehmern darauf hin, dass die Kirche anders als in der Vergangenheit nicht mehr wie selbstverständlich davon ausgehen könne, dass in christlichen Familien der Glaube gelebt und weitergegeben werde.
Nach der Rede von Papst Leo stand eine Meditation der britischen Dominikanerin Helen Alford, die die Päpstliche Akademie für Sozialwissenschaften leitet, auf dem Programm. Sie sprach unter anderem über das Paradox, dass die christliche Berufung zur Ehe gerade in der und durch die Zerbrechlichkeit sichtbar werde.
Beratungen im "synodalen Stil"
Die Beratungen der Versammlung werden in den kommenden Tagen im bereits erprobten "synodalen Stil" an runden Tischen in der vatikanischen Audienzhalle stattfinden. Nach einem morgendlichen Impuls und einer Einführung in das täglich wechselnde Thema beraten die Teilnehmenden zunächst in Kleingruppen. Jeweils am Nachmittag werden die Ergebnisse im Plenum besprochen.
Pro Thema ist bei dem Treffen ein kurzer einführender Vortrag eines Bischofs, eines Experten sowie ein Erfahrungsbericht von "Betroffenen", also Eheleuten oder Familien, vorgesehen. Die Themen lauten: "Familien heute: Realität, Schönheit und Herausforderungen", "Junge Menschen und die Entdeckung der Berufung zur Ehe", "Eheleben. Die ersten Ehejahre: Eine entscheidende Zeit", "In den Schwierigkeiten des Lebens: Begleitung und Unterstützung" sowie "Christliche Familien als Subjekte der kirchlichen Mission".
Am Ende der Beratungen steht ein zusammenfassender Bericht, der an Papst Leo XIV. übergeben wird. Kirchenrechtlich handelt es sich bei dem Treffen nicht um eine Synode, weshalb kein formales Schlussdokument erforderlich ist.
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