Seitenbereiche:
  • zum Inhalt [Alt+0]
  • zum Hauptmenü [Alt+1]

Hauptmenü schließen
  • Nachrichten
  • Dossier
  • Media
    • Fotos
    • Audios
    • Videos
  • Produkte
  • Redaktion
  • Impressum
  • Kontakt
  • Datenschutz & Cookies
Login
Noch kein Kunde?
Hier finden Sie unsere Produkte

Passwort vergessen?
Hauptmenü anzeigen
Produkte
Produkte
Suche
Login
Inhalt:
Susanne Kummer in Gespräch mit Matthias Tschirf
Ethik
Bild Copyright: © AKV

Ethikerin warnt vor gesellschaftlichem Druck durch assistierten Suizid

10.10.2026 11:06
Österreich/Suizidbeihilfe/Gesellschaft/Ethik/Medizin/Tod
IMABE-Direktorin Kummer fordert Ausbau der Palliativversorgung und bessere Begleitung von Menschen mit Sterbewunsch - Pflegepersonal oft unsicher im Umgang mit dem Thema
Wien, 10.10.2026 (KAP) Fünf Jahre nach Inkrafttreten des Sterbeverfügungsgesetzes sieht die Ethikerin Susanne Kummer weiteren Handlungsbedarf im Umgang mit assistiertem Suizid. Hinter einem Sterbewunsch stehe häufig nicht der Wunsch, das eigene Leben zu beenden, sondern die Verzweiflung über unerträgliche Lebensumstände. "Sehr oft ist es eben dieser tiefe Schrei: Nicht 'Ich will nicht mehr leben', sondern 'Ich will nicht mehr so leben'", sagte die Direktorin des Instituts für medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE) am Donnerstagabend bei einem Salongespräch der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände (AKV). Die gesellschaftliche Antwort darauf müsse vielmehr in der Begleitung Betroffener und im Ausbau der Palliativversorgung liegen.

Das Gespräch anlässlich des Welthospiztages am 10. Oktober wurde von AKV-Präsident Matthias Tschirf eröffnet und war die Premiere eines neuen Talk-Formats "Katholischer Klub". Tschirf erinnerte an den früher breiten Konsens in Österreich, Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu begleiten und Palliativmedizin auszubauen, statt die aktive Lebensbeendigung in den Mittelpunkt zu stellen. Dieser Konsens sei inzwischen einem gesellschaftlichen Wandel und einer breiteren europäischen Debatte über assistierten Suizid gewichen, so seine Beobachtung.

Kummer bestätigte diesen Eindruck. Seit Einführung des Sterbeverfügungsgesetzes habe in Österreich eine Veränderung im Umgang mit Sterbewünschen stattgefunden. Hätten Mediziner früher im Laufe ihrer gesamten Karriere "vielleicht fünf bis zehn" entsprechende Anfragen bekommen, habe ihr ein Grazer Oberarzt von 170 solcher Anfragen allein in den vergangenen fünf Jahren berichtet. Die Sterbeverfügung werde von manchen Patienten als "letzter Rettungsanker" verstanden, der ihnen die Sicherheit gebe, im Fall unerträglichen Leidens einen Ausweg zu haben.

Selbstbestimmung unter Druck

Kummer kritisierte, dass die Debatte über assistierten Suizid zunehmend von Begriffen wie Selbstbestimmung und Würde bestimmt werde. "Eigentlich müsste es ja um das selbstbestimmte Leben gehen", sagte sie. Selbstbestimmung dürfe zudem nicht isoliert betrachtet werden, sondern müsse die sozialen Beziehungen und Lebensumstände eines Menschen berücksichtigen. "Auch Autonomie kann immer nur durch Gemeinschaft ermöglicht werden", betonte die IMABE-Direktorin. Besonders in schwierigen Lebensphasen seien Menschen auf Unterstützung und tragfähige Beziehungen angewiesen.

Gerade ältere, schwer kranke oder pflegebedürftige Menschen könnten das Gefühl entwickeln, ihren Angehörigen zur Last zu fallen oder durch die eigene Pflege hohe Kosten zu verursachen. Aussagen wie "Ich will keine Last sein" zeigten, dass Sterbewünsche nicht losgelöst von gesellschaftlichen Erwartungen und wirtschaftlichen Sorgen betrachtet werden könnten, sagte Kummer. Wo assistierter Suizid als Möglichkeit zur Verfügung stehe, bestehe zudem die Gefahr, dass sich Betroffene zunehmend rechtfertigen müssten, warum sie weiterleben und Pflege in Anspruch nehmen wollten.

Unsicherheit in der Pflege

Auch im Gesundheits- und Pflegebereich ortete Kummer Verbesserungsbedarf. Einer Erhebung aus dem Jahr 2025 zufolge fühlten sich 25 Prozent der befragten Pflegefachkräfte im Umgang mit Sterbewünschen sehr unsicher, weitere 26 Prozent sprächen das Thema gar nicht erst an. Es brauche daher mehr Aus- und Weiterbildung, damit Pflegekräfte Sterbewünsche offen ansprechen und die dahinterliegenden Ängste, Nöte und Bedürfnisse erkennen könnten.

Klärungsbedarf sieht Kummer auch für Krankenhäuser und Pflegeheime, die mit assistiertem Suizid konfrontiert sind. Einrichtungen müssten die Möglichkeit haben, entsprechend ihrem ethischen Selbstverständnis zu handeln. "Töten ist keine Therapie", sagte Kummer. Es müsse daher möglich sein, Menschen umfassend bis zuletzt zu begleiten, ohne assistierten Suizid zum Bestandteil des eigenen Angebots zu machen.

Palliativversorgung breiter verankern

Als zentrale Aufgabe nannte Kummer den Ausbau der Palliativversorgung. Diese dürfe nicht erst in der letzten Lebensphase einsetzen oder auf spezialisierte Einrichtungen beschränkt bleiben, sondern müsse von Beginn an in allen medizinischen Bereichen mitgedacht werden. Zugleich verwies sie auf die dafür bereitgestellten öffentlichen Mittel: Die jährliche Finanzierung der Hospiz- und Palliativversorgung liege bei rund 110 bis 150 Millionen Euro. Das entspreche, so Kummer, ungefähr den Kosten von fünf Kilometern Autobahnbau. Ihre Vision sei, dass Menschen auf die Frage, was sie bei schwerem Leiden tun würden, künftig antworteten: "Wenn es mir ganz schlecht geht, dann habe ich Palliative Care."

Mit Blick auf internationale Entwicklungen warnte die Expertin vor einer schrittweisen Ausweitung der Möglichkeiten zur Lebensbeendigung und vor einer möglichen Ökonomisierung. Entscheidend sei, die Debatte nicht allein juristisch zu führen. "Legal ist nicht gleich Moral", sagte Kummer. Wie Menschen einander am Lebensende begegneten und füreinander sorgten, bleibe eine gesellschaftliche Gestaltungsaufgabe.

Ganze Gesellschaft gefordert

Neben professioneller Betreuung brauche es mehr gesellschaftliche Solidarität, um Einsamkeit und soziale Isolation im Alter zu verhindern, betonte Kummer. Angehörige, Ehrenamtliche und Nachbarn könnten dazu ebenso beitragen wie kleine Gesten der Unterstützung im Alltag, etwa Einkäufe für ältere Menschen oder regelmäßige Besuche. Auch Kinder sollten frühzeitig mit Alter, Krankheit und Sterben in Berührung kommen, etwa indem sie ihre Großeltern im Pflegeheim besuchen und diese Lebensphasen als selbstverständlichen Teil des Lebens kennenlernen.

Um das Netz der Fürsorge zu veranschaulichen, sprach Kummer von "Leuchttürmen" der Palliativversorgung, "Taschenlampen" wie ehrenamtlichen Initiativen und Vereinen sowie "Glühwürmchen" - den Angehörigen und Menschen im unmittelbaren Umfeld, die durch Nähe und Zuwendung Licht in schwierige Lebenssituationen bringen könnten.

(S E R V I C E - Sie sind in einer verzweifelten Lebenssituation und brauchen Hilfe? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr und gebührenfrei unter der Notrufnummer 142 erreichbar sowie unter www.telefonseelsorge.at. Hilfsangebote für Personen mit Suizidgedanken und deren Angehörige bietet das Suizidpräventionsportal des Gesundheitsministeriums unter www.suizid-praevention.gv.at.)
zurück
Meldungen
IMABE startet dritten Ethikkurs für junge Gesundheitsfachkräfte
18.09.2026 12:08
Vierteilige Online-Reihe widmet sich ab Oktober unter anderem dem Umgang mit Schmerzen, Essstörung, Einsatz von KI in Patientenversorgung und nicht einwilligungsfähigen Patienten
Palliativmediziner: Gute Betreuung kann Suizidwünsche mindern
03.09.2026 13:24
Experte Schlemmer über Beratung schwerkranker Menschen mit Sterbewünschen: Suizidprävention braucht Zuhören, menschliche Zuwendung und verlässliche Begleitung

  • Impressum
  • Kontakt
  • Datenschutz & Cookies
Katholische Presseagentur Kathpress
1010 Wien, Singerstraße 7/6/2
Tel: +43 / 1 / 512 52 83


© 1947-2026 KATHPRESS - Katholische Presseagentur Österreich
nach oben springen