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Marsch fürs Leben 2026
Bild Copyright: © mfleben

Wien: Über 3.000 Teilnehmende beim "Marsch fürs Leben"

10.10.2026 15:41
(zuletzt bearbeitet am 10.10.2026 um 16:42 Uhr)
Österreich/Kirche/Politik/Demonstration/Sterbehilfe/Schwangerschaftsabbruch/Gesellschaft/Lebensschutz
Kundgebung "zum Schutz der Schwächsten der Gesellschaft" - Deutscher Kurienkardinal Müller in Videobotschaft: "Kirche ist Anwalt der Menschheit, der Leidenden und der Schwachen" - Weihbischof Turnovszky: Lebensschutz in erster Linie ein "Ja" zum Leben und kein Verurteilen anderer
Wien, 10.10.2026 (KAP) Über 3.000 Menschen haben am Samstag beim Wiener "Marsch fürs Leben" für einen besseren Lebensschutz demonstriert. Das teilte der gleichnamige Veranstalterverein "Marsch fürs Leben" mit. Die laut eigenen Angaben parteiunabhängige Kundgebung setzte sich für den Schutz ungeborener Kinder, mehr Unterstützung für Frauen und Familien sowie gegen Euthanasie ein.

Ein zentrales Thema des diesjährigen Marsches war die von der Regierung geplante Einführung sogenannter "Bannmeilen" rund um Abtreibungskliniken. Derzeit werden rechtliche Rahmenbedingungen zum Schutz von Gesundheitseinrichtungen geprüft. Dies sei "ein unverhältnismäßiger Eingriff in die Grundrechte auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit", erklärte Sprecherin Anna Soldo. Der bestehende Rechtsrahmen biete bereits ausreichend Schutz vor Belästigung oder Bedrohung.

Bei der Kundgebung hielten der emeritierte St. Pöltner Bischof Klaus Küng, die Nationalratsabgeordnete Ricarda Berger (FPÖ), Petra Plonner von "fairändern" sowie Barbara Seppi vom "Haus der Guten Hoffnung" Reden. Weiters anwesend waren die ÖVP-Nationalratsabgeordneten Gudrun Kugler und Norbert Sieber. Vor dem eigentlichen Marsch durch die Innenstadt fanden mehrere christliche Gottesdienste statt, darunter eine Messe in der Karlskirche mit dem Wiener Weihbischof Stephan Turnovszky.

Weihbischof Turnovszky: "Initiative Gottes" folgen

Turnovszky betonte beim Gottesdienst in der Wiener Karlskirche, dass Lebensschutz in erster Linie ein "Ja" zum Leben bedeute und nicht ein Eintreten gegen andere. Lebensschutz bedeute nicht, Menschen zu verurteilen oder in Schwarz-Weiß-Denken zu verfallen, sondern alle zu stärken, die "Ja" zum Leben sagen möchten und sich damit schwertun. "Wir treten ein für die Schwachen, besonders für die Schwächsten. Und wir tun das aus einer geistlichen Haltung und wollen uns dabei nicht politisch instrumentalisieren lassen", betonte der Bischof. "Wir sind für das Leben, weil es gut ist, der Initiative Gottes zu folgen."

Es gehe darum, Menschen zu ermutigen, "gute, lebensfreundliche Entscheidungen zu treffen" und ihnen zu helfen, Perspektiven zu finden und Verantwortung zu übernehmen. "Frauen treiben nicht aus Leichtfertigkeit ab, sondern aus Perspektivenlosigkeit. Oft auch, weil Männer ihre Verantwortung nicht wahrnehmen", sagte Turnovszky beim Gottesdienst mit Altbischof Küng.

"Wir brauchen alle Menschen"

Der Lebensschutz höre auch nicht beim Thema Schwangerschaft und Geburt auf, so Turnovszky. Es gehe vielmehr um ein "Eintreten für die Schwächsten, und zwar für alle Schwächsten" - um ungeborene Kinder ebenso wie um Kranke, Menschen mit besonderen Bedürfnissen und Menschen am Lebensende, die unter Druck gerieten, wenn sie das Gefühl hätten, dem Gesundheitssystem und der Gesellschaft zur Last zu fallen. "Wir brauchen alle, nicht nur die Gesunden, wie in einer Familie. Es ist gefährlich, wenn es gesellschaftliche Tendenzen gibt, Menschen in nützlich und unnützlich einzuteilen. Produktiv und unproduktiv", warnte der Bischof.

Letztlich gehe es auch um den Schutz der Ungezeugten und darum, Schöpfungsverantwortung zu übernehmen. "Die Menschen der nächsten Generation können nicht mitreden, in welcher Welt sie einmal leben werden, sondern haben das hinzunehmen, was wir ihnen hinterlassen oder übergeben. Wir haben Verantwortung für die Generationen nach uns", so Turnovszky. Deshalb gehöre der Einsatz für das Leben untrennbar zum Einsatz für die Schöpfung.

Die Messe vor dem "Marsch fürs Leben" fand dieses Jahr auch unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt, nachdem im Vorjahr die Karlskirche aufgrund von Sprengstoffattrappen nach dem Gottesdienst von der Spezialeinheit Cobra evakuiert worden war.

Grußbotschaft von Kurienkardinal Müller

Die "unverlierbare Würde" jedes Menschen, ob alt, krank oder jung, betonte der deutsche Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller in einer Videobotschaft an die Teilnehmenden, die am Karlsplatz vor der Kundgebung abgespielt wurde. Die Kirche müsse "der Anwalt der Menschheit, der Leidenden und der Schwachen" sein und für das Lebensrecht jedes Menschen eintreten - "gegen die Vernichtung, gegen den Krieg, gegen die Ungerechtigkeit in dieser Welt". "Jedes Menschenleben stammt von Gott", so Müller. Darum dürfe sich kein Mensch, kein Staat und keine Ideologie das Recht herausnehmen, über das Lebensrecht anderer zu bestimmen.
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