Kardinal Pizzaballa: Kein Glaube mehr an Zweistaatenlösung
10.10.202617:41
(zuletzt bearbeitet am 10.10.2026 um 17:48 Uhr)
Vatikan/Israel/Palästina/Kirche/Konflikte/Krieg
Jerusalemer Patriarch berichtet von weniger Übergriffen auf Christen, sieht aber wachsende Orientierungslosigkeit in Israel und große Not im Gazastreifen
Vatikanstadt, 10.10.2026 (KAP) Ein durchwachsenes Bild der aktuellen Lage in Israel hat der ranghöchste katholische Kirchenmann in Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, gezeichnet. Der Jerusalemer Patriarch war am Samstag von Papst Leo XIV. in Audienz empfangen worden.
Dem Portal Vatican News sagte Pizzaballa, die Zahl der seit einigen Jahren beobachteten Vorfälle von Gewalt und Einschüchterungen gegen Christen in Jerusalem sei in jüngster Zeit leicht rückläufig. Dazu habe die grössere Aufmerksamkeit der Medien und der Behörden vor Ort beigetragen.
"Keine Rede mehr von Zweistaatenlösung"
Zum Krieg in Gaza, in dem seit einem Jahr ein Waffenstillstand herrscht, bemerkte Pizzaballa, in Israel sei derzeit keine Rede mehr von einem Friedensprozess und man glaube dort auch nicht mehr an eine Zweistaatenlösung. Vielmehr gebe es in Israel eine allgemeine Orientierungslosigkeit und eine Wut gegen den Rest der Welt, von dem sich die Israelis nicht gehört und nicht verstanden fühlten.
Zugleich sei die israelische Gesellschaft immer weiter fragmentiert und ohne Vertrauen. Fehlendes Vertrauen dominiere aber auch bei der christlichen Minderheit im Staat Palästina. Dort herrsche der Eindruck, dass es eine totale Gesetzlosigkeit gebe.
Hinzu komme die Lage in Gaza, wo angesichts des heranrückenden Winters die humanitäre Lage sich wieder verschlechtere und die Bevölkerung ausgelaugt und müde sei. Pizzaballa kündigte an, er werde in absehbarer Zeit wieder in den Gaza-Streifen reisen und die dortige humanitäre Lage zum Thema machen.