Einer der letzten Christdemokraten in Italien hört auf
11.10.202611:55
Italien/Politik/Papst
Pier Ferdinando Casini kündigt Rückzug aus Politik an - Rede von Papst Johannes Paul II im Parlament "Highlight" seiner Karriere
Rom, 11.10.2026 (KAP) Pier Ferdinando Casini (70) langjähriger Spitzenpolitiker der italienischen Christdemokraten und Ex-Parlamentspräsident, hat seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. Er teilte den Schritt in einem offenen Brief mit, über den italienische Medien am Sonntag berichteten.
Casini ist derzeit noch Mitglied des italienischen Senats, wo er zur linken Opposition zählt. Als Christdemokrat gehörte er dem Parlament in Rom seit 1983 an. Nach dem Zerfall der Partei "Democrazia Cristiana" (DC) leitete er zunächst eine der daraus hervorgegangenen Kleinparteien mit dem Kürzel CCD und koalierte mit Silvio Berlusconi. Mit dessen Unterstützung wurde er Präsident der Abgeordnetenkammer (2001 - 2006).
Papstrede im Parlament als Höhepunkt
In einem am Sonntag veröffentlichten Interview der Tageszeitung "Corriere della Sera" sagte Casini, der schönste Tag seiner politischen Karriere sei der Besuch von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) im italienischen Parlament gewesen. Der Papst aus Polen sprach am 14. November 2002 auf Einladung Casinis als erster Papst überhaupt vor Italiens Abgeordneten. In einer 40 Minuten langen, immer wieder von Beifall unterbrochenen Rede warnte er damals die Italiener unter anderem vor der sinkenden Geburtenrate und mahnte zur Solidarität mit den Arbeitslosen.
Nach Casinis angekündigtem Abgang spielen nur noch wenige prominente Politiker aus der überwiegend katholischen Partei der Christdemokraten in der italienischen Politik eine wichtige Rolle. Der Prominenteste von ihnen ist der 2007 zur linken demokratischen Partei PD übergewechselte heutige Staatspräsident Sergio Mattarella (85).