Caritas Österreich unterstützt Nothilfe und Präventionsarbeit - Priester informieren Gläubige bei Gottesdiensten über Ansteckungsgefahren - Fehlende Schutzausrüstung und internationale Mittelkürzungen erschweren Hilfe
Wien/Kinshasa, 13.10.2026 (KAP) Die Ebola-Epidemie breitet sich im Osten der Demokratischen Republik Kongo weiter aus und verschärft die ohnehin dramatische humanitäre Lage. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden zuletzt landesweit bereits an die 9.000 Infektionen und mehr als 4.200 Todesfälle bestätigt. Besonders betroffen sind mit den Provinzen Ituri sowie Nord- und Süd-Kivu, Gebiete, die bereits seit Jahren unter bewaffneten Konflikten, Vertreibung und Armut leiden. Caritas Österreich unterstützt gemeinsam mit lokalen kirchlichen Partnern die Bekämpfung der Epidemie und setzt dabei auch auf Präventionsarbeit über Pfarrgemeinden und Gesundheitseinrichtungen.
Die Bevölkerung im Ostkongo leidet schon lange unter Krieg, Vertreibung sowie der daraus folgenden Arbeitslosigkeit und Mangelernährung. "Jetzt kommt Ebola noch dazu", sagte Zitania Badat, Afrika-Projektreferentin von Caritas Österreich, der Nachrichtenagentur Kathpress am Dienstag zur Lage vor Ort. Die Bevölkerung sei mit mehreren Krisen zugleich konfrontiert. Neben Ebola breiteten sich auch Tuberkulose, Polio und HIV-Infektionen aus. Die Gewalt bewaffneter Gruppen erschwere den Kampf gegen die Epidemie ebenso wie die fehlende medizinische Grundversorgung, mangelhafte Schutzausrüstung und gekürzte internationale Hilfsgelder. Die Helfer in den Caritas-Netzwerken gäben ihr Bestes, sagte Badat. "Aber es gibt nicht genug Ressourcen."
Neben der Nothilfe unterstützt die Caritas insbesondere auch Aufklärungsarbeit und Präventionsmaßnahmen, um die Bevölkerung für die Gefahren und den Umgang mit Ebola zu sensibilisieren. Dies geschieht in den betroffenen Landesteilen, aber auch in Provinzen wie im südöstlichen Haut-Katanga, wo es bisher keine registrierten Ebola-Fälle gibt. Doch angesichts der hohen Mobilität etwa in der Wirtschaftsmetropole Lubumbashi müsse man vorbereitet sein, erklärte Badat. Vor allem gebraucht würden finanzielle Mittel, medizinische Ausrüstung und Unterstützung für die Präventionsarbeit.
Aufklärung bei Gottesdiensten und in Gesundheitszentren
Die jahrzehntelange Gewalt im Osten des Kongo hat das Vertrauen vieler Menschen in staatliche Institutionen und internationale Akteure erschüttert. Das erschwert auch die Aufklärung über Ebola. Manche Menschen halten die Krankheit nach wie vor für eine Erfindung oder vermuten dahinter politische Interessen. Darauf machte der katholische Bischof von Goma, Willy Ngumbi, jüngst aufmerksam.
Caritas-Helfer, Priester, Ordensfrauen und andere Mitarbeiter von Kirchengemeinden spielen deshalb in der Ebola-Prävention eine wichtige Rolle, berichtete Caritas-Österreich-Referentin Badat. Sie können auf langjährige Vertrauensbeziehungen zur Bevölkerung zurückgreifen und sind auch in entlegenen Regionen vor Ort. "Sie können die Bevölkerung auch dann erreichen, wenn die Regierung dazu nicht in der Lage ist."
Eine wichtige Rolle spielt zum Beispiel die Aufklärung in Gottesdiensten. Deshalb unterstützt die Caritas auch Projekte, in denen Priester für die Ebola-Präventionsarbeit geschult werden. Die Geistlichen nutzen die Messfeiern, um über die Gefahren von Ebola, Ansteckungswege, Krankheitssymptome und notwendige Schutzmaßnahmen zu informieren. Auch in kirchlichen Gesundheitseinrichtungen werden Menschen durch persönliche Gespräche und Informationsmaterial sensibilisiert.
Helfer wünschen sich mehr Aufmerksamkeit
Neben materieller Hilfe sei den lokalen Caritas-Mitarbeitern auch mehr internationale Aufmerksamkeit ein großes Anliegen, betonte Badat. Bei Gesprächen mit Verantwortlichen vor Ort sei ihr wiederholt vermittelt worden, wie wichtig es sei, dass die schwierige Situation und die Arbeit der Helfer wahrgenommen werden. "Allein Sichtbarkeit bedeutet bereits sehr viel, weil sie uns hilft, Menschenleben zu retten", zitierte Badat die Ordensfrau Jeanne-Cecile Atimnedi. Sie arbeitet als Gesundheitskoordinatorin der Caritas in der Diözese Bunia in Ituri, der vom aktuellen Ebola-Ausbruch bisher am stärksten betroffenen Provinz.
Laut Sr. Jeanne-Cecile sind erste Erfolge der Präventionsbemühungen zwar bereits erkennbar, und immer mehr Erkrankte suchen frühzeitig medizinische Hilfe. Die Herausforderungen bleiben aber enorm. Viele Familien seien durch die zahlreichen Todesfälle schwer traumatisiert. Wegen fehlender Schutzkleidung, Fahrzeuge und ausgebildeter Teams müssten Familien teilweise tagelang auf die Bestattung ihrer Angehörigen warten. Manche würden Verstorbene schließlich selbst beerdigen und setzten sich dabei selbst einer großen Ansteckungsgefahr aus.
Besonders dringend seien daher zusätzliche Schutzausrüstung, Unterstützung bei Bestattungen und psychosoziale Betreuung für betroffene Familien. Sr. Jeanne-Cécile appellierte an die internationalen Unterstützer, die Menschen im Ostkongo nicht im Stich zu lassen: "Bitte helft uns weiter, damit Menschenleben gerettet werden können."