Früherer Glaubenspräfekt referierte in Stift Heiligenkreuz über Religionskritik, Glaube und Hoffnung auf ewiges Leben
Wien, 13.10.2026 (KAP) Christsein bedeutet für Kardinal Gerhard Ludwig Müller in erster Linie eine Beziehung zu Jesus Christus. Das betonte der frühere Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation bei einem Vortrag unter dem Titel "Warum bin ich Christ?" am Montagabend im vollbesetzten Kaisersaal des Stifts Heiligenkreuz. Ausgehend von zentralen Einwänden gegen den christlichen Glauben erläuterte Müller, welche Bedeutung Christus für das Verständnis des Menschen und die Hoffnung auf Erlösung habe.
Müller setzte sich mit der Geschichte der Religionskritik auseinander und bezog sich dabei unter anderem auf die Aufklärung sowie auf David Friedrich Strauß, Friedrich Nietzsche, Bertrand Russell und Richard Dawkins. Im Zentrum standen Fragen nach der Erkennbarkeit Gottes, dem Leid in der Welt, dem Verhältnis von Glaube und Wissenschaft sowie der Kritik an Kirche und Offenbarung.
Christentum sei für ihn weder eine naturwissenschaftliche Welterklärung noch eine politische Ideologie, sondern eine Beziehung zu Jesus Christus, so Müller. In Christus begegne dem Menschen der Sohn Gottes, der das menschliche Leben einschließlich Leiden und Sterben geteilt habe und Hoffnung auf Erlösung und ewiges Leben eröffne.
Der Glaube hebe die Vernunft dabei nicht auf. Die Wirklichkeit Gottes übersteige zwar menschliche Begriffe und theoretische Systeme, könne aber im Hören auf das Wort Christi erkannt werden. Auch die Glaubenslehre sei nicht als Ansammlung unverbundener Behauptungen zu verstehen, sondern erschließe sich in ihrem Zusammenhang und ihrer Ausrichtung auf Christus.
Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden
Besondere Bedeutung maß Müller der Menschwerdung und Auferstehung Christi für das Verständnis des Menschen bei. Im Geheimnis Christi finde der Mensch Sinn, Orientierung und Hoffnung, auch angesichts des Todes. Die Kirche beschrieb der Kardinal nicht als bloße soziale Dienstleisterin, sondern als Gemeinschaft der Gläubigen und als Sakrament des Heils. Christsein bedeute, in der Hoffnung auf Christus zu leben und in der Gemeinschaft der Glaubenden Halt zu finden. Diese Gemeinschaft bestehe zugleich aus Heiligen und Sündern.
Der Vortrag fand im Rahmen der Wallfahrt der Kaiser-Karl-Gebetsliga für den Völkerfrieden statt, die am Wochenende nach Heiligenkreuz führte. Sie stand im Zeichen des Gebets für den Frieden sowie für soziale und rechtliche Gerechtigkeit und erinnerte auch an das Friedensengagement des seligen Kaisers Karl I. während des Ersten Weltkriegs und seine Unterstützung für die Friedensbemühungen von Papst Benedikt XV. Auch Simeon Habsburg aus der Familie des seligen Kaisers Karl I. nahm teil. - Am Dienstag besuchte Kardinal Müller Stift Lilienfeld.