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Patriarch Kyrill und Russlands Präsident Vladimir Putin
Religion & Politik
Bild Copyright: © Moskauer Patriarchat

"Ministrant Putins": Tück übt scharfe Kritik an Moskauer Patriarch

14.10.2026 11:44
Österreich/Russland/Kirche/Politik/Orthodoxie/Kyrill/Tück
Wiener Theologe in "Presse"-Gastkommentar: Russisch-orthodoxes Kirchenoberhaupt hat aus seiner Kirche "Weihrauchabteilung des Kreml" gemacht und aus sich selbst einen "Ministranten Putins"
Wien, 14.10.2026 (KAP) Schwere Geschütze gegen den Moskauer Patriarchen Kyrill hat einmal mehr der Wiener Theologe Jan Heiner Tück aufgefahren. In einem "Presse"-Gastkommentar (Mittwoch) schreibt Tück u.a., dass Kyrill aus der Russisch-orthodoxen Kirche eine Art "Weihrauchabteilung des Kreml" gemacht hat und aus sich selbst einen "Ministranten Putins". Kyrills jüngstes Glückwunschschreiben zum 74. Geburtstag Putins lese sich etwa wie "ein Heiligsprechungsverfahren noch zu Lebzeiten".

Wenn Kyrill Präsident Putin bescheinigt, er führe sein Land "durch die Vorsehung Gottes", werde aus politischer Macht eine göttliche Mission. Und aus der Kirche eine Art "Weihrauchabteilung des Kreml". Kyrill scheine jedenfalls überzeugt, dass Wladimir Putin nicht nur die Geschicke Russlands lenkt, sondern dabei auch himmlischen Beistand genießt. Der Präsident stärke den Staat, schütze die traditionellen Werte und bewahre das spirituelle Erbe, zitiert der Theologe aus dem Schreiben.

Tück erinnert daran, dass Papst Franziskus schon im Mai 2022 gewarnt hatte, Kyrill dürfe nicht zum "Ministranten Putins" verkommen - eine Warnung, die offenbar weniger Gehör fand als die Wünsche des Kreml an die Russisch-Orthodoxe Kirche. Denn: "Wer die Politik eines Machthabers, der Krieg führt, mit göttlicher Vorsehung adelt, betreibt keine prophetische Kritik mehr, sondern religiöse Hofberichterstattung und missbraucht den heiligen Gottesnamen."

Dugin und Schmitt als ideologische Quellen

Die ideologische Tiefenschicht dieser unheiligen Allianz reicht laut Tück bis zu Alexander Dugin. Der russische Ideologe identifiziere Russland mit dem "Katechon" - jener Macht also, die nach christlicher Endzeitvorstellung das Auftreten des Antichristen aufhält. Dabei knüpft er an die politische Theologie des deutschen Staatsrechtlers Carl Schmitt an, die mit klaren Freund-Feind-Unterscheidungen operiert.

So werde aus Russland eine heilsgeschichtliche Ordnungsmacht und aus geopolitischen Machtansprüchen ein dramatischer Endkampf zwischen Gut und Böse, erläutert Tück. Wer sich aber selbst zum Bollwerk gegen das Böse erklärt, müsse die eigene Politik kaum noch rechtfertigen: "Er handelt ja angeblich im Auftrag der Vorsehung. Kyrill liefert den Weihrauch, Putin die Macht, Dugin das apokalyptische Drehbuch."

"Theologische Blankolizenz für den Krieg"

Besonders zynisch wirke die geistliche Schützenhilfe angesichts des Angriffskriegs gegen die Ukraine, so der Theologe. Kyrill erklärte, der Tod von Soldaten, die ihre Pflicht erfüllen, könne ihre Sünden abwaschen. Damit erhalte selbst der Tod im Krieg einen vermeintlichen Heilswert, so Tück und weiter: "Auch die Segnung von Waffen durch russisch-orthodoxe Geistliche zeigt, wie eng religiöse Symbolik und militärische Macht miteinander verwoben sind. Während unschuldige Zivilisten sterben, mahnt die Kirche nicht zu Frieden, sondern verschafft dem Kreml eine theologische Blankolizenz für den Krieg."

Die unheilige Allianz von Altar und Thron sei ein Geschäft wechselseitiger Interessen: "Der Kreml erhält den Segen von oben, die Kirche profitiert von der Nähe zur Macht." All dem hält Tück abschließend nochmals die Warnung von Papst Franziskus entgegen, auf die sich der Moskauer Patriarch besinnen sollte: "Ein Patriarch sollte nicht dem Herrscher dienen, sondern dem Evangelium - und gerade daraus eine politische Theologie entwickeln, die der Macht dann widerspricht, wenn sie militärische Operationen zur göttlichen Mission erklärt."
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