Islamische Glaubensgemeinschaft will mit Begegnungen gegenseitiges Verständnis fördern - Unterstützung von Spitzen-Vertreterinnen und -Vertretern aus Kirchen, Religionen und Politik - Erzbischof Grünwidl: "Wo Menschen aufeinander zugehen, einander zuhören und ehrlich miteinander sprechen, können Fremdheit und Ängste weichen; neues Vertrauen kann wachsen"
Wien, 16.10.2026 (KAP) Unter dem Motto "Zuversicht durch Begegnung" lädt die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) am Sonntag (18. Oktober) zum "Tag der offenen Moschee". Dabei öffnen zahlreiche Moscheen im ganzen Land ihre Türen für Interessierte, die Einblicke in das muslimische Glaubens- und Gemeindeleben erhalten und mit Muslimen vor Ort ins Gespräch kommen können, teilte die IGGÖ am Freitag mit. Besucherinnen und Besucher können an Moscheeführungen teilnehmen, sich über religiöse Praxis und die Arbeit muslimischer Gemeinden informieren. Die Initiative findet seit 2013 statt. Ziel sei es, gegenseitiges Verständnis zu fördern, Vorurteile abzubauen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.
Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung und bestehender Vorurteile brauche es Gelegenheiten, miteinander statt übereinander zu sprechen, hieß es. Mehr als 800.000 Musliminnen und Muslime leben laut IGGÖ in Österreich. "Der gesellschaftliche Zusammenhalt entsteht nicht von selbst. Er braucht Menschen, die einander zuhören, Unterschiede respektieren und bereit sind, aufeinander zuzugehen", betonte IGGÖ-Präsident Ümit Vural.
Zahlreiche Spitzenvertreter aus Religionen und Politik, darunter die katholischen Erzbischöfe Josef Grünwidl (Wien) und Franz Lackner (Salzburg), der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis), die evangelische Bischöfin Cornelia Richter, der reformierte Landessuperintendent Ralf Stoffers, Oberrabbiner Jaron Engelmayer, Vizekanzler Andreas Babler und Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner (beide SPÖ) sowie Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) sandten zum "Tag der offenen Moschee" Grußbotschaften an die IGGÖ, in denen durchwegs der Wert der Veranstaltung für das Zusammenleben in Österreich betont wird.
Integrations- und Kultusministerin Claudia Bauer (ÖVP) dankt "all jenen Musliminnen und Muslimen, die sich tagtäglich für ein gutes Miteinander in Österreich einsetzen". Der Aktionstag biete die Gelegenheit zu zeigen, dass gelebter Glaube, Gesetze und die Grundwerte des Zusammenlebens zusammengehörten. Moscheen würden dabei besondere Verantwortung tragen, "auch wenn es darum geht Radikalisierung keinen Raum zu geben", so die Ministerin.
Der Wiener Erzbischof Grünwidl weist auf die Bedeutung persönlicher Begegnungen angesichts gesellschaftlicher Polarisierung und wachsender Unsicherheit hin: "Wo Menschen aufeinander zugehen, einander zuhören und ehrlich miteinander sprechen, können Fremdheit und Ängste weichen; neues Vertrauen kann wachsen." Trotz unterschiedlicher religiöser Traditionen verbinde Menschen die gemeinsame Verantwortung für Frieden, Respekt und ein gutes Miteinander, so Grünwidl.
Erzbischof Lackner, der auch Vorsitzender der katholischen Österreichischen Bischofskonferenz ist, hebt den gemeinsamen Glauben an den einen Gott als verbindendes Element der abrahamitischen Religionen hervor. Gläubige Menschen seien dazu aufgerufen, einander in Liebe zu begegnen und sich für eine offene und friedvolle Gesellschaft einzusetzen. Gerade heute gelte es, für das gemeinsame Wohl aller zu wirken, betont Lackner.
Auch Grußworte der Bischöfe Manfred Scheuer (Linz), Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Hermann Glettler (Innsbruck) und Josef Marketz (Gurk) finden sich auf der Website zum "Tag der offenen Moschee", ebenso Worte des Bischofskonferenz-Generalsekretärs Peter Schipka und der Theologinnen Regina Polak und Andrea Lehner-Hartmann. Der Papst-Gesandte in Österreich, Nuntius Erzbischof Pedro Lopez, erklärt, der "Tag der offenen Moschee" könne dazu beitragen, Vorurteile zu überwinden und eine von Respekt, Geschwisterlichkeit und Frieden geprägte Gesellschaft zu fördern.
Oberrabbiner: Begegnung ist Grundlage für friedlicheres Zusammenleben
"Gerade in einer von Unsicherheit, Spannungen und Distanz geprägten Zeit tragen die Religionsgemeinschaften eine besondere Verantwortung, Räume des Dialogs, des Respekts und des friedlichen Miteinanders zu schaffen für Österreich, Europa und die ganze Welt", schreibt der orthodoxe Metropolit Arsenios. Auch Tiran Petrosyan, Bischof der Armenisch-Apostolischen Kirchengemeinde in Österreich und auch Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRKÖ), betonte den Wert von Begegnungen in einer Gesellschaft, die von religiöser und kultureller Vielfalt geprägt ist. "Wo Menschen einander kennenlernen, miteinander sprechen und den Glauben und die Lebenswirklichkeit des anderen respektieren, können Vertrauen und gegenseitiges Verständnis wachsen."
Sie wünsche einen "Tag voller offener Gespräche und Mut machender Begegnungen", so die evangelische Bischöfin Richter. Einander kennenzulernen, ermögliche ein Zusammenleben, "das nicht durch Hass und Distanz geprägt ist, sondern durch Neugier und Hoffnung".
Die Grundlage für ein "vorurteilsfreieres und damit auch friedlicheres und harmonischeres Zusammenleben" sei Begegnung, hält Oberrabbiner Jaron Engelmayer von der Israelitischen Kultusgemeinde Wien fest. Das habe der fruchtbare interreligiöse Dialog in den vergangenen Jahren bewiesen. Engelmayer erinnert an "Wiener Erklärung der Religionen für Frieden", in der sich Vertreter von zehn Religionsgemeinschaften gegen jegliche Form des Missbrauchs von Religionen zur Ausübung oder Rechtfertigung von Gewalt aussprechen und sich dem Erhalt eines friedlichen und respektvollen Miteinanders verpflichten.
(Übersicht der teilnehmenden Moscheen, Öffnungszeiten und Programme unter https://tom.derislam.at/)