Vizedekanin Grohmann stellt Position der Fakultät in Debatte um Wegfall von Latein als Zugangsvoraussetzung für Studium klar
Wien, 16.10.2026 (KAP) Latein soll im Studium der Evangelischen Theologie an der Universität Wien künftig nicht mehr Zugangsvoraussetzung sein, sondern im Rahmen des Studiums erlernt werden; für das Lehramtsfach Evangelische Religion soll Latein vollständig als Voraussetzung entfallen. Das plant die Evangelisch-Theologische Fakultät (ETF) bei einer kommenden Studienreform, wie Vizedekanin Marianne Grohmann laut Evangelischem Pressedienst (epdö) in einer Aussendung am Freitag mitteilte. Damit reagiert die Fakultät auf die Debatte über die Lateinpflicht an österreichischen Universitäten, in der die evangelische Theologie als eines jener Fächer genannt wurde, die künftig ohne Latein als Voraussetzung auskommen sollen.
Hintergrund ist ein Vorstoß der Universitätenkonferenz (uniko), die am 12. Oktober empfohlen hatte, die Lateinpflicht in zahlreichen Studienrichtungen zu streichen. Laut Medienberichten begrüßten das Bildungs- und das Wissenschaftsministerium die Empfehlung. Für eine Änderung ist die Zustimmung beider Ressorts erforderlich.
In Medienberichten sei als eines dieser Studien, die Latein "abschaffen" wollen, auch die Evangelische Theologie genannt worden. "Das stimmt so nicht", stellte Grohmann nun klar. Für das Fachstudium sollten Lateinkenntnisse vielmehr weiterhin Teil der Ausbildung bleiben. "Das hätte den Vorteil, dass Studierende dann Latein nicht nebenbei lernen müssen, sondern es wird dann ein integraler Bestandteil des Theologiestudiums", erklärte die Vizedekanin.
Aktuell müssen Studierende der Evangelischen Theologie am Beginn des Studiums der Fachtheologie drei klassische Sprachen bereits können oder neu lernen: Latein, Griechisch und Hebräisch. Latein und Griechisch seien "Ergänzungsprüfungen" zur Matura, die vor dem Studium absolviert werden müssten. "Da die meisten Studierenden aber Latein und Griechisch nicht mehr in der Schule gelernt haben, können sie diese Ergänzungsprüfungen bis zum Ende des Bachelor-Studiums nachholen. Hebräisch ist Teil des Studiums, und Studierende bekommen dafür ECTS-Punkte", so die Vizedekanin zur aktuellen Studienordnung.
Für die Umsetzung der Pläne müsse zunächst die Universitätsberechtigungsverordnung geändert werden, die österreichweit regelt, welche Sprachkenntnisse für bestimmte Studienrichtungen vorgeschrieben sind. Die Überlegungen der ETF befinden sich laut Grohmann noch im Diskussionsstadium. Entscheidungen und mögliche Änderungen könnten daher längere Zeit in Anspruch nehmen.
Für einige Studienrichtungen plädierte die Uniko für eine Beibehaltung der Pflicht. Neben Philosophie zählen dazu unter anderem Geschichte, Kunstgeschichte und auch katholische Theologie.