Seitenbereiche:
  • zum Inhalt [Alt+0]
  • zum Hauptmenü [Alt+1]

Hauptmenü schließen
  • Nachrichten
  • Dossier
  • Media
    • Fotos
    • Audios
    • Videos
  • Produkte
  • Redaktion
  • Impressum
  • Kontakt
  • Datenschutz & Cookies
Login
Noch kein Kunde?
Hier finden Sie unsere Produkte

Passwort vergessen?
Hauptmenü anzeigen
Produkte
Produkte
Suche
Login
Inhalt:
Kardinal bei ITI Symposium in Trumau
Kirche
Bild Copyright: © EDW

Schönborn: Frühes Christentum als Orientierung im demografischen Wandel

17.10.2026 10:48
Österreich/Religion/Kirche/Christentum/Gesellschaft/Familie/Familienplanung/Schönborn
Kardinal bei Symposium in Trumau: Wertschätzung von Frauen, Schutz der Kinder und gelebter Glaube als prägende Kräfte - Kirche soll einsamen und ungewollt kinderlosen Menschen mit Mitgefühl begegnen
Wien, 17.10.2026 (KAP) Kardinal Christoph Schönborn sieht in den Erfahrungen des frühen Christentums wichtige Anhaltspunkte für den Umgang mit dem demografischen Wandel. Die Wertschätzung von Frauen, der Schutz des Lebens von Kindern und die Bedeutung der Ehe hätten wesentlich zur Ausbreitung des christlichen Glaubens beigetragen, erklärte der emeritierte Wiener Erzbischof am Freitag bei einem internationalen Symposium an der Katholischen Hochschule ITI in Trumau. Zugleich rief er die Kirche dazu auf, einsamen Menschen und ungewollt kinderlosen Paaren mit Mitgefühl zu begegnen. Entscheidend seien nicht pastorale Programme allein, sondern Menschen, die ihren Glauben im Alltag lebten.

Schönborn hat im Rahmen des internationalen Symposiums an der Katholischen Hochschule ITI auf Schloss Trumau 25 Kilometer südlich von Wien gesprochen. Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Kirche und Familienpastoral beraten dort bis Samstag über sinkende Geburtenraten, deren gesellschaftliche Folgen und die pastoralen Konsequenzen für die Kirche. Anlass der Tagung sind das zehnjährige Bestehen des päpstlichen Schreibens "Amoris laetitia" und das 30-jährige Bestehen des ITI.

In der antiken Gesellschaft habe das Christentum Frauen eine besondere Wertschätzung entgegengebracht und die damals verbreitete Tötung von Neugeborenen abgelehnt, erläuterte Schönborn. Viele Frauen hätten den christlichen Glauben angenommen und auch ihre Männer dafür gewonnen. Wesentliche Elemente dieser Haltung habe später Papst Johannes Paul II. mit seinem Einsatz für die Würde der Frau und den Schutz des Lebens hervorgehoben.

Mut zur Elternschaft entstehe vor allem durch das Beispiel anderer Familien, so Schönborn. Er berichtete von jungen Paaren, die durch solche Begegnungen selbst zur Familiengründung ermutigt worden seien. "Das wichtigste Element war immer das Zeugnis des Lebens."

Keine Angst vor der Minderheit

Unter Berufung auf Joseph Ratzinger betonte Schönborn, Christen müssten sich nicht davor fürchten, zur Minderheit zu werden. Durch ihren Glauben und ihre Familien könnten sie weiterhin Leben in die Gesellschaft einbringen. Weiters bestehe auch in einer säkularisierten Umgebung die Möglichkeit, Jesus und das Evangelium als etwas Neues und Unerwartetes zu entdecken.

Mitgefühl als pastoraler Maßstab

Für die Begleitung einsamer Menschen und ungewollt kinderloser Paare nannte der Kardinal das Mitgefühl Jesu als entscheidenden Maßstab. Menschen vorschnell danach zu beurteilen, weshalb sie nicht geheiratet hätten, werde ihrer Situation nicht gerecht. "Wenn wir Mitgefühl haben, werden wir den richtigen Weg finden."

Pastorale Programme würden jedoch wirkungslos bleiben, wenn Menschen fehlen, die sich anderen mit dem Herzen Jesu zuwenden. Schönborn würdigte dabei etwa die Initiativen der Caritas gegen Einsamkeit. Die Idee hinter diesen zahlreichen sozialen Einrichtungen der Kirche ist laut dem Kardinal aus gelebtem Glauben heraus entstanden. "Das Evangelium ist das Programm."

Schönborn erinnerte am Freitag auch an den Gründungsauftrag der Hochschule. Johannes Paul II. habe Österreich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ermutigt, eine Brücke zwischen Ost und West zu schlagen und sich der Lehre über Ehe und Familie zu widmen.

Kugler: Einsamkeit als pastorale Herausforderung

Die Nationalratsabgeordnete Gudrun Kugler (ÖVP) bezeichnete die "Epidemie der Einsamkeit" als pastorale Chance für die Kirche. "Einsamkeitsbekämpfung ist eine neue Option für die Armen", erklärte die Vizepräsidentin der Parlamentarischen Versammlung der OSZE und deren Sonderbeauftragte für demografischen Wandel und Sicherheit.

Gefragt seien Gemeinschaft, Zuwendung und Orte, an denen Menschen willkommen sind. Zugleich müsse die Kirche für Ehe und Familie eintreten und Familienfreundlichkeit in ihren Angeboten verwirklichen. Auch die Politik sei gefordert, unterstützende Rahmenbedingungen zu schaffen.

Demografische Zukunft aktiv gestalten

Ale Primc, Leiter des slowenischen Instituts für Demografie, sprach sich für eine langfristige Demografiepolitik aus. Diese dürfe nicht erst einsetzen, wenn Arbeitskräfte fehlten oder Regionen verödeten. Sie müsse über Wahlperioden hinausreichen und Menschen ermöglichen, ihren Wunsch nach Familie und Kindern zu verwirklichen. Neben staatlichen Rahmenbedingungen brauche es zudem Vertrauen, tragfähige Beziehungen und lebendige Gemeinschaften. Auch Kirchen würden dazu einen wichtigen Beitrag leisten.

Der kroatische Staatssekretär Mladen Bara bezeichnete die starke Abwanderung als eine zentrale demografische Herausforderung seines Landes. Ziel sei es, Kroatien für Familien attraktiver zu machen und Menschen aus der Diaspora zur Rückkehr zu bewegen. Dabei sei die Zusammenarbeit mit der Kirche und anderen Gemeinschaften wesentlich, um Verbundenheit zu erhalten und Rückkehrer zu unterstützen. Im vergangenen Jahr seien erstmals mehr Menschen zurückgekehrt als ausgewandert, berichtete Bara.

Der nordmazedonische Demografiekoordinator Vlatko Gjorchev forderte, die gesamte Gesellschaft für die Folgen des Bevölkerungsrückgangs zu sensibilisieren. Dieser führe zu Schulschließungen, verödenden Dörfern und schrumpfenden Städten und schwäche durch weniger Arbeitskräfte und Konsumenten auch die Wirtschaft. Die Kirchen seien dadurch doppelt betroffen: einerseits durch die kleiner werdenden Gemeinden und daraus folgend weniger werdenden geistlichen Berufungen, andererseits müssten sie auf die zunehmende Einsamkeit unter Erwachsenen und Kindern antworten. Mit ihrer zeitlosen Botschaft über Ehe, Kinder und Elternschaft könne die Kirche junge Menschen zur Familiengründung ermutigen und ihnen darin Berufung und Sinn erschließen, so Gjorchev.

Fortsetzung am Samstag

Am Samstag spricht der Wiener Evolutionsdemograf Martin Fieder über Einflussfaktoren auf Geburtenraten. Der frühere niederländische Parlamentarier Pieter Omtzigt behandelt Politik, Demografie und persönliche Entscheidungen. Der Londoner Bioethiker Anthony McCarthy widmet sich ethischen Fragen der Bevölkerungsentwicklung.

Am Nachmittag diskutieren Verantwortliche katholischer Familienbüros und Verbände unter der Moderation von Sabrina Montanari über pastorale Antworten. Zum Abschluss sollen Gintautas Vaitoska und Martin Kugler die Ergebnisse zusammenfassen und ein gemeinsames Schlussstatement vorstellen.

Die auf Initiative von Papst Johannes Paul II. entstandene Katholische Hochschule ITI ist seit 2009 in Trumau beheimatet. Zu ihren Schwerpunkten zählen das Studium von Ehe und Familie sowie der Austausch zwischen östlicher und westlicher Kirchentradition. Die niederösterreichische Hochschule wies zuletzt Darstellungen zurück, die sie in die Nähe des Neo-Integralismus gerückt haben. Man habe auf die entsprechenden Thesen des Heiligenkreuzer Ordensmanns P. Edmund Waldstein, der als Vordenker des Integralismus in Europa gilt, bereits in Form einer "theologischen Disputatio" im April dieses Jahres "kritisch Stellung bezogen", hieß es dazu seitens des Hochschulrektors, Prof. Bernhard Dolna. Hintergrund war eine Tagung 2012 am ITI, bei der u.a. einer der Vordenker des Neo-Integralismus sprach.
zurück

  • Impressum
  • Kontakt
  • Datenschutz & Cookies
Katholische Presseagentur Kathpress
1010 Wien, Singerstraße 7/6/2
Tel: +43 / 1 / 512 52 83


© 1947-2026 KATHPRESS - Katholische Presseagentur Österreich
nach oben springen