Wienerin Torossian-Brigasky warnt bei Anjar-Besuch vor Folgen einer Nicht-Verlängerung der UNO-Friedenstruppen - Wirtschaftskrise macht Flüchtlingen am meisten zu schaffen
Wien/Beirut, 19.10.2026 (KAP) Die humanitäre und wirtschaftliche Lage im Libanon bleibt angespannt. Das berichtete die österreichische Helferin Waltraud Torossian-Brigasky am Montag gegenüber Kathpress aus dem ostlibanesischen Anjar. Neben der schwierigen Versorgungslage bereiteten die Sicherheitsentwicklung und die Folgen der Kämpfe im Süden des Landes Sorgen. Mit dem bevorstehenden Winter drohten zusätzliche Belastungen für die Bevölkerung.
Die Sicherheitslage bleibe angespannt, berichtete die Helferin. Lokale Medien meldeten verstärkte Drohnenflüge über schiitischen Stadtteilen Beiruts, die 2024 und 2025 schwer bombardiert worden waren. Auch die internationale Suche nach einer politischen Lösung habe bisher keine greifbaren Ergebnisse gebracht. Sollte das Mandat der UN-Friedenstruppe UNIFIL Ende Dezember auslaufen und keine Alternative gefunden werden, sei eine weitere Eskalation zu befürchten. Die libanesische Regierung und Vertreter der Europäischen Union suchten nach Möglichkeiten, die Sicherheitspräsenz aufrechtzuerhalten.
Olivenernte im Süden beeinträchtigt
Besonders schwierig sei die Lage in den von Israel besetzten Gebieten im Süden des Landes. Nach Angaben Torossian-Brigaskys stammten rund 38 Prozent der libanesischen Olivenernte aus diesen Regionen. In den Jahren 2024 und 2025 sei die Ernte dort kriegsbedingt ausgefallen. Auch heuer würden israelische Soldaten Bewohnern teilweise den Zugang zu ihren Grundstücken verwehren. Für viele Familien seien Oliven die einzige Einnahmequelle.
Zudem seien nach Angaben der Helferin 22 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen im Libanon zerstört oder durch Brände, Artilleriebeschuss und nicht explodierte Munition beeinträchtigt.
Die wirtschaftliche Krise verschärfe die Situation weiter. Die Preise für Treibstoff, Strom, Lebensmittel und Medikamente stiegen, während Heizöl für viele Menschen unerschwinglich werde. In Schulen seien die Heizöltanks teilweise nur zu einem Drittel gefüllt. Zugleich könnten zahlreiche Eltern das Schulgeld nicht mehr bezahlen. Torossian-Brigasky erwartet deshalb einen schwierigen Winter mit zusätzlichen gesundheitlichen Belastungen.
Enormer Bedarf an psychologischer Betreuung
Während ihres insgesamt sechswöchigen Aufenthalts, der noch bis 26. Oktober andauert, übergab Torossian-Brigasky Spendengelder für "Healing Harbor", eine neue Anlaufstelle in Anjar. Die Einrichtung unterstützt Einheimische, Bewohner der Umgebung sowie syrische Flüchtlinge und Binnenvertriebene, die durch die langjährigen Konflikte, die Wirtschaftskrise und die hohe Arbeitslosigkeit in persönliche Krisen geraten sind. Der Bedarf an professioneller Betreuung sei groß, sagte sie.
Bereits im September hatte die Wienerin aus Anjar von anhaltenden Drohnenflügen, zerstörten Dörfern und fehlenden Rückkehrmöglichkeiten für Vertriebene berichtet. Im Juni hatte sie zudem vor einer neuen Fluchtbewegung aus dem Süden gewarnt. Anjar, ein mehrheitlich armenisch bewohnter Ort in der Bekaa-Ebene, dient seit Monaten als Anlaufstelle für Binnenvertriebene.
(Spendeninfo: MTCS, Mrs. Torossian's Community Support N.G.O., Raiffeisenbank NÖ-Wien AG, IBAN: AT24 3200 0000 1701 5876)