St. Lambrecht: Symposion suchte nach "rechten Maß" in der Seelsorge
19.10.202616:49
(zuletzt bearbeitet am 19.10.2026 um 17:11 Uhr)
Österreich/Kirche/Orden/950-Jahre/St.Lambrecht
Fest-Symposion zum 950-jährigen Bestehen des steirischen Stiftes - Abt von St. Bonifaz, Eckert: Wie Jesus "ohne Strategie und Pastoralplan einfach für die Menschen da sein"
Graz, 19.10.2026 (KAP) Nach dem "rechten Maß" als Balanceakt eines Lebens in einer komplexer werdenden Welt hat ein Symposion aus Anlass des 950-jährigen Bestehens des steirischen Stifts St. Lambrecht gefragt. Das Symposion fand vom 15. bis 17. Oktober in St. Lambrecht statt und fügte sich in das laufende Festjahr des Stiftes ein. In seinem Hauptvortrag verwies der Abt des Stiftes St. Bonifaz (München), Johannes Eckert, auf die Aktualität der Benedikts-Regel, die eben jenen Balanceakt eines Ringens um das rechte Maß der Dinge darstelle. Ein inneres Gleichgewicht sei letztlich auch der Schlüssel zu einer Pastoral nach Jesu Vorbild, der "ohne Strategie und Pastoralplan einfach für die Menschen da war", so Eckert.
Orientierung für ein Leben nach dem rechten Maß biete die bekannte Grundregel des "Ora, labora et lege" - bete, arbeite und lies. Dabei diene auch die körperliche Arbeit dem rechten Maß und der Ausgeglichenheit, da schließlich "Müßiggang der Seele Feind" sei, zitierte Eckert aus der Regel des Hl. Benedikt. Auch gehöre Reduktion zu den Lehren, die die Ordensregel für heute bereit halte: Schließlich brauche es Mut zum Verzicht in einer Kultur, die "ständig zu feiern scheint", so der Abt.
Neben dem Hauptvortrag von Abt Eckert referierten bei dem Symposion die Freiburger Kirchenhistorikerin Daniela Blum, die neue Linzer Fundamentaltheologin Isabella Bruckner und der Grazer Pastoraltheologe Bernd Hillebrand. Blums Vortrag führte zurück in die Zeit des 546 verstorbenen Hl. Benedikt und skizzierte das Zusammenspiel von Kirche und Staat im Frühmittelalter und die Geschichte des Stiftes. Bruckner und Hillebrand betrachteten aus jeweils unterschiedlichen theologischen Perspektiven die Bedeutung des Mönchtums in Vergangenheit und Gegenwart.
Weiters umfasste das Symposion Angebote von Workshops der Leiterin des Österreichischen Pastoralinstituts (ÖPI), Gabriele Eder-Cakl ("Christliche Gemeinschaft!? Einblicke in Praxisformen einer zeitgemäßen Pastoral in Österreich"), des Bozen/Brixner Theologen Alexander Notdurfter ("Das Prinzip einer pastoralen Gastlichkeit") und von P. Martin Werlen von der Propstei St. Gerold/Vorarlberg ("Mystik als klösterliche und pastorale Grundhaltung zwischen Seelsorge und Selbst-Sorge").
Wechselvolle Geschichte
Die Wurzeln von Stift St. Lambrecht reichen in eine Zeit zurück, als die Obersteiermark noch weitgehend von Wäldern geprägt war. Als Gründer gilt Markward von Eppenstein, einer der bedeutendsten Vertreter jenes Adelsgeschlechts, das im Hochmittelalter zu den mächtigsten Familien im Südosten des Reiches zählte. Die Eppensteiner stellten Herzöge von Kärnten und Markgrafen der Kärntnermark und waren das erste einheimische Herzogsgeschlecht Kärntens. Ihr Name geht auf die Burg Eppenstein bei Obdach zurück, die eine wichtige Verkehrsverbindung über die Alpen kontrollierte.
Historische Forschungen zeigen, dass Markward bereits vor seinem Tod 1076 mit dem Aufbau eines Klosters im Tal der Mur begonnen hatte. Vollendet wurde die Gründung jedoch erst von seinem Sohn, Herzog Heinrich III. von Kärnten. Die politischen Konflikte des Investiturstreits verzögerten das Vorhaben über Jahrzehnte. Erst 1096 erhielt das Kloster eine kaiserliche Bestätigung, 1109 folgte die päpstliche Anerkennung. Das Jahr 1076 gilt dennoch als Gründungsjahr und bildet die Grundlage für das Jubiläum. (Website Stift St. Lambrecht: www.stift-stlambrecht.at)