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Dompfarrer Toni Faber
Kirche
Bild Copyright: © Lebensstimmen/„KI-generiert

Wiener Dompfarrer Faber wird digitaler Trauerredner

20.10.2026 14:03
Österreich/Tod/Kirche/Religion/Technologie
Grazer Unternehmen "Lebensstimmen" stellt KI-Avatar vor - Menschen können Abschiedsbotschaften zu Lebzeiten vorbereiten - "Fabertar" von Wiener Dompfarrer Toni Faber kann als digitaler Trauredner gebucht werden
Wien, 20.10.2026 (KAP) Der Wiener Dompfarrer Toni Faber steht ab 2027 als digitaler Trauerredner zur Verfügung. Der KI-generierte "Fabertar" soll dabei im Erscheinungsbild des Dompfarrers und mit dessen Stimme Trauerreden halten. Hinter der Technologie steht das Grazer Unternehmen "Lebensstimmen", das am Dienstag in Wien eine neue KI-basierte Plattform vorgestellt hat, über die Menschen persönliche Abschiedsbotschaften bereits zu Lebzeiten vorbereiten und bei ihrer Trauerfeier digital wiedergeben bzw. digitale Trauerrednerinnen und -redner in Form von Avataren sprechen lassen können. "Ich kann nicht alle Begräbnisse dieser Welt halten, garantiert nicht", so Faber über seine Beteiligung als "Fabertar".

Der Geistliche, der Ende August 2027 nach fast drei Jahrzehnten als Wiener Dompfarrer in Pension geht, wolle als digitaler Trauerredner zur Verfügung stehen, wo es etwa keinen Seelsorger oder Redner gibt. Die Technologie des Avatars könne zudem helfen, persönliche Wünsche festzuhalten und Angehörige in einer belastenden Situation zu entlasten. Seinen priesterlichen Kollegen wolle er damit aber "in keinster Weise Konkurrenz machen", betonte Faber.

"Fabertar" in mehreren Sprachen

Die Plattform soll Menschen ermöglichen, bereits zu Lebzeiten eine Grußbotschaft oder eine letzte Rede zu verfassen und mit Fotos, Musik und persönlichen Erinnerungen zu ergänzen. Auch Angehörige sollen aus bereitgestellten Informationen eine KI-generierte Trauerrede erstellen lassen können. Der Avatar "Fabertar" soll zudem Reden in mehreren Sprachen halten können. Zum Start sind Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch vorgesehen.

Laut Faber gibt es jedoch auch inhaltliche Grenzen einer Trauerrede des "Fabertars". So seien Wünsche, die Menschen oder Religion abwerteten, ausgeschlossen. Als Beispiel nannte er Streitigkeiten bis zur "Heiligsprechung des Meerschweinchens", das ein Verstorbener besonders geliebt habe. Das sei "nicht das, was im katholischen Rahmen möglich ist". Die einzelnen Reden müssten entsprechend geprüft werden: "Jede einzelne Predigt wird persönlich geprüft", so Faber. Der Avatar werde zudem als KI-generiert gekennzeichnet.

Der Dompfarrer sieht zudem keinen Widerspruch zur Kritik von Papst Leo XIV. an künstlicher Intelligenz bzw. dessen Enzyklika "Magnifica humanitas". Im Fall des "Fabertars" gehe es nicht um eine gegen Menschen gerichtete Verwendung der Technologie, sondern darum, die Würde eines Menschen zu bewahren, meinte Faber. Er fühle sich deshalb seelsorglich und pastoral gut getragen, auch wenn er nicht persönlich mit dem Papst über das Projekt gesprochen habe.

Keine Deepfakes

Die Betreiber grenzen das Angebot zudem von sogenannten Deepfakes ab. So sollen nach dem Tod keine neuen Aussagen im Namen Verstorbener erzeugt werden; vorgesehen seien nur zu Lebzeiten vorbereitete und freigegebene Inhalte. Nutzer sollen zudem Vertrauenspersonen bestimmen und festlegen können, wer auf welche Botschaften zugreifen darf. Die Inhalte würden von Menschen kuratiert und freigegeben, erklärte dazu Mitgründer und Geschäftsführer Philipp Berkessy.

Mitgründer Markus Pinter, Inhaber eines Bestattungsunternehmens und früherer Geschäftsführer der Bestattung und Friedhöfe Wien, verwies auf bereits verwendete digitale Formen des Abschieds wie Online-Kondolenzbücher, virtuelle Gedenkkerzen und Livestreams von Begräbnissen. Die KI-Trauerrede sei ein Zusatzangebot und könne dazu beitragen, das Tabu rund um den Tod und Begräbnisvorbereitungen aufzubrechen. Als Investor ist etwa der frühere Motorsportmanager Helmut Marko eingestiegen.

Vier Produkte

Insgesamt umfasst das Angebot von "Lebensstimmen" vier Produkte. Mit der "Grußbotschaft" und "Meine letzte Rede" können Nutzende ihren Abschied zu Lebzeiten selbst gestalten und dafür ihre eigene Stimme, eigene Inhalte sowie Musik und Bilder verwenden. Daneben gibt es einen neutralen "KI-Trauerredner" sowie das Format "Aus Sicht der Familie", mit dem Angehörige nach einem Todesfall eine digitale Trauerrede erstellen lassen können, sowie den "Fabertar".

Der Vertrieb von "Lebensstimmen" soll über Bestattungsunternehmen, Versicherungen, Institutionen und Medienpartner erfolgen. Zu Beginn ist das Angebot auf Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch vorgesehen; weitere Sprachen und kulturelle Anpassungen sollen folgen, hieß es. Der internationale Marktstart ist für das erste Quartal 2027 geplant. Das Potenzial schätzt das Unternehmen auf rund 1,4 Millionen Sterbefälle pro Jahr im DACH-Raum, für die es bislang praktisch keine digitalen Angebote gebe.
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