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Nicole Leitenmüller, David Fuchs, Michaela Helletzgruber
Bild Copyright: © Diözese Linz / Maria Appenzeller

Experten: Abschied, Tod und Trauer sind keine Privatangelegenheit

20.10.2026 16:36
Österreich/Kirche/Seelsorge/Tod/Trauer
Trauerpastoral der Diözese Linz lud zu Pressegespräch über das Abschiednehmen als Teil des Lebens und was für Sterbende und Angehörige heilsam ist
Linz, 20.10.2026 (KAP) Abschied, Tod und Trauer sind keine Privatangelegenheit, sondern dürfen offen gezeigt und gelebt werden. Ein bewusster Abschied hilft, das Unbegreifliche ein Stück weit fassbar zu machen, und würdigt die Einzigartigkeit eines jeden Lebens. Das war der Tenor einer Pressekonferenz am Dienstag in Linz, zu der die Trauerpastoral der Diözese Linz geladen hatte. Wesentlich seien zugleich immer die Wünsche und Bedürfnisse der Betroffenen. Es gebe kein Richtig oder Falsch. Und: Kein Mensch solle sich am Ende des eigenen Lebens oder in der Trauer um einen lieben Menschen allein gelassen erfahren.

Für Primar David Fuchs, Leiter der Palliativstation St. Louise am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern, zeigt sich Würde am Lebensende vor allem darin, auf die individuellen Bedürfnisse und Wünsche jedes einzelnen Menschen einzugehen. Palliativmedizin sei ein Baustein der interdisziplinären Hospiz- und Palliativversorgung. Sie trage dazu bei, belastende Symptome zu lindern und größtmögliche Autonomie bis zuletzt zu ermöglichen. Vorrangig dabei sei, dass Palliativmedizin rechtzeitig im Verlauf der Erkrankung und nicht erst unmittelbar vor dem Tod für betroffene Menschen verfügbar werde, betonte der Mediziner. Betreut werden nicht nur die Patienten selbst, sondern auch Angehörige, die Familie und Kinder.

Ein Richtig oder Falsch gebe es nicht, so Fuchs. "Für einen Menschen sind vielleicht ein ausführliches Abschiednehmen und viele Besuche wichtig, für einen anderen eher Ruhe und nur wenige Gespräche und Kontakte." Daher brauche es ein aufmerksames Zuhören und Hinhören auf die tatsächlichen Wünsche und die sorgfältige, individuelle Abstimmung des Tagesablaufs mit den Betroffenen. Was die meisten Patienten verbinde, sei der Wunsch, "möglichst frei von belastenden Symptomen zu sein und im Bedarfsfall auf eine gute, leistbare Pflege zählen zu können".

Wie der Palliativmediziner sagte, wünsche er sich von der Gesellschaft, "dass wir schwerkranke und leidende Menschen nicht allein lassen - weder medizinisch, pflegerisch und seelsorglich noch finanziell und strukturell - und dass wir uns von ihren konkreten Bedürfnissen leiten lassen".

Jedes Leben ist einzigartig und verdient Würdigung

Abschiednehmen bedeute für Sterbende, sich vom eigenen Leben zu verabschieden. "Es ist eine Zeit des Rückblicks, des Ordnens und Organisierens, des Erinnerns und der Würdigung dessen, was das eigene Leben ausgemacht hat", so die Hospizseelsorgerin Michaela Helletzgruber in ihren Ausführungen. Sie betont, wie wichtig es sei, Menschen am Lebensende nicht auf ihre Krankheit zu reduzieren, sondern ihre individuelle Lebensgeschichte sichtbar werden zu lassen. "Gerade am Lebensende möchten viele Menschen erzählen, was sie geprägt hat, wofür sie dankbar sind, worauf sie stolz zurückblicken oder was sie noch aussprechen möchten." Hospiz- und Palliativarbeit würden den Menschen in seiner Ganzheit in den Blick nehmen: in seiner körperlichen, psychischen, sozialen und spirituellen Dimension.

Christliche Seelsorge frage zudem nach den Quellen von Sinn, Hoffnung, Vertrauen und innerer Kraft, so Helletzgruber: "Menschen sprechen über ihren Glauben oder ihre Zweifel, über Beziehungen, Versöhnung, Dankbarkeit und die Erfahrungen, die ihrem Leben Bedeutung verliehen haben. Seelsorge eröffnet einen Raum, in dem diese Fragen Platz haben dürfen." Die Hospizseelsorge richtet sich dabei an alle Menschen, unabhängig von ihrer religiösen Zugehörigkeit oder Weltanschauung. Die Würde eines Menschen bis zum Ende seines Lebens sichtbar zu machen und zu schützen, sei zentraler Auftrag der Hospizbewegung und der Seelsorge.

"Trauer braucht Zeit, Raum und Begleitung"

Für Nicole Leitenmüller, Referentin für Trauerpastoral der Diözese Linz, braucht Trauer vor allem eines: die Möglichkeit, gelebt und gezeigt werden zu dürfen. Jeder Mensch trauere anders, es gebe dabei keinen richtigen oder falschen Weg. Vielmehr brauche es gesellschaftliche Räume, in denen Trauer sichtbar sein dürfe und wo Betroffene Unterstützung erfahren. Begleitung könne durch Familie und Freundeskreis ebenso erfolgen wie durch ausgebildete Seelsorgende, Trauerbegleiter oder kirchliche Gemeinschaften, die Menschen in schweren Zeiten tragen.

"Kein Mensch soll mit seiner Trauer allein bleiben", formulierte Leitenmüller den Anspruch der Katholischen Kirche in Oberösterreich, die genau aus diesem Grund in der neuen Pfarrstruktur die "Seelsorge rund um Tod und Trauer" als eigenes Schwerpunktthema verankert hat. "In allen neuen Pfarren werden Teams aufgebaut, die sich noch intensiver als bisher der Seelsorge rund um Tod und Trauer widmen. Haupt- und ehrenamtlich Engagierte begleiten Betroffene einfühlsam auf ihrem Weg der Trauer: vor dem Abschied, in den Tagen der Verabschiedung und in der langen Trauerzeit danach", so die Referentin für Trauerpastoral.

Besonders wichtig für ein gutes Abschiednehmen seien persönlich gestaltete Verabschiedungsfeiern. "Musik, Symbole, Texte und Erinnerungen orientieren sich an der Geschichte des verstorbenen Menschen. Jede Lebensgeschichte verdient es, gewürdigt zu werden. Dabei steht die Kirche allen Menschen offen, unabhängig von ihrer persönlichen Nähe zur Kirche", betonte Leitenmüller. Nachsatz: "Trauer ist keine Schwäche und keine Krankheit, sondern Ausdruck von Liebe und Verbundenheit."

Kirchliche Verabschiedungsfeiern würden drei Türen öffnen: die Tür der Erinnerung, die Tür der Gemeinschaft und die Tür der Hoffnung. Rituale, ob gemeinsame oder persönliche, seien beim Abschiednehmen besonders heilsam: "Sie geben Orientierung in einer Zeit, die viele Menschen als Ausnahmezustand erleben, und verleihen dem Ausdruck, wofür die Worte fehlen", sagte Leitenmüller.
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