Seitenbereiche:
  • zum Inhalt [Alt+0]
  • zum Hauptmenü [Alt+1]

Hauptmenü schließen
  • Nachrichten
  • Dossier
  • Media
    • Fotos
    • Audios
    • Videos
  • Produkte
  • Redaktion
  • Impressum
  • Kontakt
  • Datenschutz & Cookies
Login
Noch kein Kunde?
Hier finden Sie unsere Produkte

Passwort vergessen?
Hauptmenü anzeigen
Produkte
Produkte
Suche
Login
Inhalt:
Ziviler Aufbau geht nicht ohne SicherheitIn Afghanistan arbeiten zivile Organisationen und ISAF eng zusammenVon dauerhaftem Frieden, wirtschaftlicher Stabilität und einem verantwortungsbewussten Staatswesen ist Afghanistan noch weit entfernt. Der
Bild Copyright: © © KNA-Bild, Katharina Ebel

Afghanistan unter den Taliban: Hunger und Geschlechterapartheid

20.10.2026 16:14
Österreich/Hunger/Kirche/Politik/Soziales/Geschlecht/Diskriminierung/Caritas
Caritas-Hintergrundgespräch mit Vizepräsident Bodmann und afghanischer Diplomatin Bakhtari " - 21,9 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen - Kürzungen internationaler Hilfen verschärfen die Not
Wien, 20.10.2026 (KAP) In Afghanistan sind rund 21,9 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Gleichzeitig verschärfen der kommende Winter, Naturkatastrophen und die Rückkehr von Millionen Menschen aus den Nachbarländern die Not, während die internationale Hilfe nicht ausreicht, um den Bedarf zu decken, wie Alexander Bodmann, Vizepräsident der Caritas Österreich, bei einem Hintergrundgespräch am Dienstag warnte. Besonders prekär sei die Lage von Mädchen und Frauen, die unter der Herrschaft der Taliban systematisch ihre Rechte verlieren, mahnte die afghanische Botschafterin Manizha Bakhtari, die von einer "Geschlechterapartheid" sprach. Seit der Machtübernahme der Taliban 2021 seien Frauen und Mädchen systematisch aus Bildung, Arbeitswelt und öffentlichem Leben verdrängt worden.

Laut der humanitären Bedarfsanalyse für Afghanistan werden 17,4 Millionen Menschen 2026 von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen sein. Für 4,7 Millionen Menschen wird eine als "Notfall" eingestufte Versorgungslage erwartet, das ist laut Caritas mehr als doppelt so viel wie 2025. Laut Bodmann ist knapp ein Drittel der Bevölkerung von Hunger betroffen, zudem gilt Mangelernährung als großes Problem.

Das Gesundheitssystem sei in hohem Maß von internationaler Hilfe abhängig, die jedoch stark gekürzt worden sei. Rund 3,3 Millionen Menschen hätten den Zugang zur medizinischen Erstversorgung verloren, so der Caritas-Vizepräsident. Hinzu kämen die Folgen des Klimawandels wie Dürren, Erdbeben oder Überschwemmungen.

Frauen und Mädchen verlieren Rechte

Neben der humanitären Not zählt laut der afghanischen Diplomatin Bakhtari die "Geschlechterapartheid" zu einem der größten Probleme des Landes. Seit der erneuten Machtübernahme der Taliban im August 2021 seien mehr als 250 Anweisungen und Erlässe ergangen, die Frauen und Mädchen verbieten weiterführenden Schulen oder Universitäten zu besuchen. Auch die Beschäftigungsmöglichkeiten von Frauen sind massiv eingeschränkt.

Frauen und Mädchen seien somit weitgehend aus dem öffentlichen Leben - wie Medien, Politik, Bildung, Arbeitswelt - ausgeschlossen, so Bakhtari. Der Ausschluss von Bildung und Erwerbsarbeit habe zur Folge, dass sich einerseits die wirtschaftliche Abhängigkeit von Frauen sowie Risiken für ihre Gesundheit und Sicherheit erhöhe, andererseits weibliche Fachkräfte im Gesundheitswesen fehlen würden.

Die Einschränkungen hätten aber auch gravierende psychische Folgen: Laut einer von UN Women veröffentlichten Untersuchung bewerteten bis zu 75 Prozent der befragten afghanischen Frauen ihre psychische Gesundheit als schlecht oder sehr schlecht. Frauen hätten Zukunftsängste, "ihre Möglichkeiten sind verschwunden" und Frauen seien zu Hause eingesperrt, berichtete Bakhtari. Weiters gäbe es eine Zunahme an häuslicher Gewalt, Zwangsehen oder sehr frühen Ehen, da Familien ihre Töchter nicht mehr ernähren könnten.

Bakhtari forderte die internationale Staatengemeinschaft auf, die Taliban nicht politisch zu normalisieren, solange sich die Menschenrechtslage nicht verbessere. Zugleich müsse die systematische Unterdrückung von Frauen international stärker als "Geschlechterapartheid" anerkannt werden. "Wir brauchen mehr Unterstützung, damit sich Mädchen und Frauen entwickeln können", forderte die Expertin.

Hilfsorganisationen unter Finanzierungsdruck

Laut Caritas-Projektpartner Shafiq Altaaf reichten die aktuellen verfügbaren Finanzmittel nicht aus, um den Bedarf an humanitärer Hilfe zu decken. So könne nur etwa jedes sechste Kind und jede sechste Frau mit den vorhandenen Mitteln angemessen ernährt werden. Die Hilfsorganisationen würden zwar sehen, wo Unterstützung dringend gebraucht werde, könnten aber längst nicht allen Menschen helfen. Wegen fehlender Finanzierung müssten Aktivitäten eingeschränkt oder ganz eingestellt werden. Altaaf forderte deshalb verlässliche humanitäre Unterstützung und eine stärkere Finanzierung lokaler Nichtregierungsorganisationen, die Menschen vor Ort erreichen und Hilfe leisten könnten.

Auch die Rückkehr von Afghaninnen und Afghanen aus den Nachbarländern sowie Bühnenvertriebene belastet die ohnehin schwachen Versorgungsstrukturen: Allein 2025 kehrten mehr als 2,61 Millionen Menschen aus dem Iran und Pakistan zurück. Viele hätten weder ausreichend warme Decken noch geeignete Heizungsmöglichkeiten, berichtete Altaaf. Kinder gehörten zu den besonders gefährdeten Gruppen. Wenn grundlegende Bedürfnisse wie Nahrung, Wärme und medizinische Versorgung nicht erfüllt werden könnten, verschärfe dies die ohnehin prekäre Situation, so der Caritas-Projektpartner.
zurück

  • Impressum
  • Kontakt
  • Datenschutz & Cookies
Katholische Presseagentur Kathpress
1010 Wien, Singerstraße 7/6/2
Tel: +43 / 1 / 512 52 83


© 1947-2026 KATHPRESS - Katholische Presseagentur Österreich
nach oben springen